Per Joystick dem Masskrug auf der Spur

von Redaktion

Verstärkte Sicherheitsmaßnahmen am Rosenheimer Bahnhof: 13 Kameras installiert

Rosenheim – Rangeleien, geklaute Masskrüge und betrunkene Menschen: Zur Herbstfestzeit haben die Einsatzkräfte der Bundespolizei am Rosenheimer Bahnhof alle Hände voll zu tun. Die gute Nachricht: Größere Zwischenfälle am Bahnhof hat es bisher nicht gegeben – auch dank der verstärkten Sicherheitsmaßnahmen. Ein Ortstermin.

In der extra eingerichteten Leitstelle der Bundespolizei am Bahnhof schaut ein Beamter konzentriert auf die beiden Bildschirme vor sich. Zu sehen sind kleine Ausschnitte, die den Bahnhofsbereich aus verschiedenen Perspektiven zeigen. Die einzelnen Bilder kann er per Joystick vergrößern und zoomen. Die Qualität ist so gut, dass er Gesichter erkennen kann. Insgesamt 13 zusätzliche Kameras hat die Polizei zur Herbstfestzeit vorübergehend im und am Bahnhofsgebäude angebracht. Beamte vor Ort und in der Leitstelle der Bundespolizeiinspektion in der Burgfriedstraße haben die Aufzeichnungen rund um die Uhr im Blick.

Beamte unterhalten sich über Funkgerät

Seit 16 Uhr klickt sich der Beamte am Bahnhof durch die verschiedenen Aufnahmen, beobachtet das Geschehen in der Unterführung und auf den einzelnen Bahnsteigen. Bei einer Aufnahme von der Bahnhofshalle hält er inne. Er dreht die Kamera, zoomt ran. Dann geht alles ganz schnell. Über Funk informiert er seine Kollegen. Die sind in wenigen Sekunden am Ort des Geschehens. Der Grund für die Aufregung: Ein junger Mann und sein Bekannter halten zwei Masskrüge in der Hand – augenscheinlich haben sie sie vom Rosenheimer Herbstfest mitgenommen. Entweder als Andenken oder um den letzten Schluck Bier noch schnell auf dem Weg zum Bahnhof zu trinken. Für die Beamten, bei allem Verständnis, ein klarer Fall von Diebstahl. Sie schreiben die Personalien auf, nehmen den beiden Männern die Krüge ab und erstatten Anzeige.

Vorfälle wie dieser seien keine Seltenheit, sagt Rainer Scharf, ein Sprecher der Polizei. Allein an diesem Abend stellen die Beamten sieben Masskrüge, zwei Weingläser und einen Holzklappstuhl sicher.

Für Scharf und seine Kollegen sind die Kameras eine Arbeitserleichterung, sind wichtig, um die Sicherheit der Bahnnutzer zu gewährleisten. Auch deshalb, weil die Beamten eben nicht ihre Augen überall haben können. Obwohl während der Wiesn doppelt so vielen Einsatzkräfte Dienst tun als sonst. „Wir haben rund 20 Beamte im Einsatz“, sagt Scharf. Genauer will er nicht werden, will verhindern, dass die Zahl der Kollegen leicht auszurechnen ist und Kriminelle daraus Schlüsse ziehen können.

Scharf selbst arbeitet bereits seit zehn Jahren bei der Rosenheimer Bundespolizei. Die Bundespolizei kümmert sich unter anderem um den Grenzschutz, die Luftsicherheit und eben die Sicherheit des Bahnverkehrs. Für Vorfälle und Verbrechen in der Innenstadt, etwa die Vergewaltigung einer 21-Jährigen im Riedergarten, sind die Kriminalpolizeiinspektion und die Landespolizei Rosenheim zuständig.

Einsatzkräfte müssen präventiv handeln

Auch heute gilt für Rainer Scharf und seine Kollegen am Rosenheimer Bahnhof: je später die Stunde, umso alkoholisierter die Menschen. Die Einsatzkräfte müssen dann besonders aufmerksam sein. Sie achten darauf, dass Betrunkene nicht aus Versehen aufs Gleis torkeln und versuchen, Rangeleien beim Ein- und Aussteigen zu vermeiden – vor allem kurz vor der Abfahrt des begehrten letztes Zuges.

Nur selten komme es vor, dass Menschen so betrunken sind, dass sie mit zur Dienststelle genommen werden müssen, um dort in einer der Ausnüchterungszellen die Nacht zu verbringen. Besonders auffällig sei in den vergangenen Tagen ein 16-jähriger Deutscher gewesen. Er habe Reisende am Bahnhof belästigt, melden die Beamten. Eine Alkoholkontrolle ergab einen Wert von 2,08 Promille. Der Jugendliche sei aufgrund seiner Minderjährigkeit in Gewahrsein genommen und später seinem Vater übergeben worden.

Rückblick auf

Fall von Mittwoch

Dass sich nicht jede Situation einigermaßen glimpflich lösen lässt, hatte ein Zwischenfall am vergangenen Mittwoch gezeigt. Wie berichtet, hatte das Video eines Polizeieinsatzes vor dem McDonald’s am Bahnhof für große Aufregung in den sozialen Medien gesorgt. Während Passanten das Eingreifen der Polizei gegen einen 24-jährigen Nigerianer als zu hart empfunden hatten, wies die Polizei darauf hin, dass der Mann betrunken gewesen sei und die Ausweiskontrolle verweigert habe.

Er sei außerdem der Aufforderung nicht nachgekommen, die Einsatzkräfte zur Dienststelle zu begleiten. Und habe einem Beamten ins Gesicht geschlagen. Ein Einsatz wie dieser erfordert nicht nur Einsatzbereitschaft, sondern auch Besonnenheit. Wie mit solchen Situationen umgegangen wird, lernen die Beamten in ihrer Ausbildung, sagt der Sprecher.

„Natürlich gibt es keine 100-prozentige Sicherheit, aber wir probieren es so gut wie möglich“, sagt Scharf, der, ebenso wie seine Kollegen, vor allem auf Prävention setzt, um auf diese Weise eine Eskalation schon im Vorfeld zu verhindern.

Ruhiger wird es für die Bundespolizisten erst in fünf Tagen – wenn das Herbstfest zu Ende ist. Dann werden auch die Kameras abgebaut und die Leitstelle am Bahnhof leer geräumt. Die Bundespolizisten werden dort weiterhin nach dem Rechten sehen – wenn auch mit weniger Personal.

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