Kolbermoor – Heinrich Sey-fried (80) ist tot. Die Nachricht verbreitete sich wie ein Lauffeuer in Kolbermoor und lässt alle, die ihn kannten, erschüttert zurück. Sein Name ist und bleibt untrennbar mit der Stadtsing- und Musikschule Kolbermoor verbunden.
Seyfried kam 1939 in München auf die Welt. Sein Leben galt schon bald der Musik. Unter anderem war er aktiv beim „Giesinger Viergesang“ und beim Joseph-Haydn-Singkreis. Dort lernte ihn auch Heide Hauser kennen, die heute den gemischten Chor und den Frauenchor der Musikschule Kolbermoor leitet. „Damals war ich 14 Jahre alt“, erinnert sich Hauser. „Er hinterlässt eine große Lücke, die niemand schließen kann.“ Beide haben eng zusammengearbeitet. Seyfried hatte stets ein offenes Ohr – für jedermann.
Macher, Motor
und Ideengeber
„Er war ein Macher, ein Motor, ein Ideengeber“, sagt Bürgermeister Peter Kloo über den Gründer der Musikschule. „Er hinterlässt eine schmerzhafte Lücke – er war eine große Persönlichkeit der Stadt.“ Kloo war selbst bei Seyfried in die erste und zweite Klasse gegangen – wie so viele Buben und Mädchen in der Mangfallstadt. Bevor der Unterricht begann, holte Seyfried seine Gitarre heraus und sang mit den Kindern. „Sogar Mathe hat er uns anhand von Noten beigebracht“, erinnert sich Kloo.
So war es auch bei Günther Obermeier: „Erst war ich sein Schüler an der Grundschule, dann Schüler der Musikschule, dann bin ich selbst dort Lehrer geworden“, erzählt der heutige Leiter. Für ihn ist die Musikschule eine große Familie, in der nun ein Mitglied fehlt. Obermeier betont, dass es ohne Seyfried keine Musikschule gäbe. Denn via Stadtratsbeschluss wurde Seyfried im Januar 1969 Leiter der Stadtsingschule Kolbermoor. Sofort startete er mit dem Instrumentalunterricht. Als Seyfried Mitte der 1960er-Jahre von München nach Kolbermoor kam, gab es rund 25 Chormitglieder – heute hat die Musikschule etwa 650 Mitglieder.
„Die ganze Musikschule trägt seine Handschrift“, sagt Norbert Scherbaum, der 25 Jahre als Vorsitzender dem Chor vorstand. Sein Vize war Heinrich Seyfried. „Wir haben Seite an Seite zusammengearbeitet“, sagt Scherbaum. Für ihn steht Seyfried für Musik und Lederhose: „Die hatte er von 365 Tagen im Jahr an 364 an.“ Scherbaum weiter: „Heiner ist in seiner Lederhose mit einer Mappe unter dem Arm zwischen Rialto und Musikschule hin- und hergegangen. Das war sein Laufsteg, sein Wohnzimmer.“ Scherbaum erinnert sich auch an die vielen Notenblätter, die Seyfried geschrieben hat – „immer mit ,sy‘ darunter, seinem Kürzel“. Diese Blätter werden heute noch ausgegeben, wenn neue Mitglieder dazukommen.
Ehrenmitglied
im Förderverein
Heuer feierte Seyfried seinen 80. Geburtstag, bekam beim Frühjahrssingen im ausverkauften Mareis-Saal die Urkunde zur Ehrenmitgliedschaft im Förderverein der Musikschule von Bürgermeister Kloo überreicht.
Seyfried hat für die Musikschule gelebt. Bei einem Interview mit dem Mangfall-Boten im Juni wurde er nach einem Wunsch gefragt: „Die Musikschule lebe, wache und blühe“, antwortete er prompt. Und viele, die den großen Saal der Musikschule betreten, werden sich erinnern, dass er die zwei prächtigen Lüster dort organisiert hatte, ebenso wie die Uhr, die an der Wand hängt. Viele werden seine Handschrift in jeder Ecke spüren. Er wird weiterleben – in den Herzen seiner Familie und Freunde. Er hinterlässt seine Frau Elfriede, Kinder und Enkel.