Kolbermoor – „Umbrüche in Kunst und Architektur“: So lautete das Motto des „Tages des offenen Denkmals“ der damit zu einer idealen Bühne für die offizielle Eröffnung des Bahnhofs wurde (wir berichteten). Denn erstens gibt es in Kolbermoor kaum einen anderen Ort, der den Begriff „Denkmal“ mehr verdient, war der Bahnhof doch die Keimzelle des Ortes: Er, beziehungsweise ein Vorläuferbau, ein Häuschen für einen Weichensteller, waren das erste Haus in der Mangfallstadt. Und zweitens hat er in seiner 157-jährigen Geschichte mehr als genug Umbrüche erlebt.
Begehrt: Vortrag
des Architekten
Einen Eindruck davon bekam die trotz Regen überraschend große Besucherzahl beim Vortrag des Architekten Gotthard Fellgiebel – der Andrang war so groß, dass der Vortrag wiederholt wurde. Fellgiebel ließ den Bauablauf und die Geschichte des Bahnhofs Revue passieren.
Die Stadt hat das Gebäude 2007 erworben – und sich für eine Wiederherstellung der ursprünglichen Architektur eingesetzt. Was für Bürgermeister Peter Kloo, wie er sagt, nie wirklich eine Frage gewesen sei, die Stadt habe schließlich auch eine Verantwortung für die Bewahrung von Baukultur und Geschichte.
Allerdings ist Bewahren gut, reicht aber allein noch nicht, das Bewahrte muss auch mit Leben gefüllt werden. Diese Herausforderung stand, wie Fellgiebel erklärte, von Anfang an im Zentrum. Schnell stand fest, dass der Bahnhof ein Bürgerbahnhof werden sollte. Bahnhöfe, so der Architekt, waren einst Repräsentationsbauten und Imageträger für eine Stadt. Und Imageträger sind sie noch heute: Wer als Pendler auf dem Nachhauseweg von einem anheimelnden und mit Leben erfüllten Gebäude erwartet wird, fühlt sich schon daheim.
Insofern war die Einrichtung des Tagescafés „Gleis 2“ ein zentraler Punkt im Entwicklungskonzept des Bahnhofs. Wobei das Café mit den Einweihungsfeierlichkeiten auch einen geglückten Start hatte: Den ganzen Tag war das Café samt Wintergarten gut gefüllt. Ein Kolbermoorer, es kamen gut 400 Besucher, brachte die Atmosphäre von Café und Bahnhof auf den Punkt: „Es ist so schön hier, da kann man auch so mal zum Kaffee trinken kommen und nicht nur, wenn man gerade mit dem Zug fährt.“ Dieses Ziel eines Bahnhofes als Begegnungsstätte will man auch dadurch erreichen, dass ein Seminarraum im Erdgeschoss nicht nur vom Roten Kreuz als Mieter des Obergeschosses genutzt wird, sondern auch den Kolbermoorer Vereinen und Bürgern offensteht.
Und Evelin Caggiano, Pächterin von Gleis 2, könnte sich vorstellen, bei entsprechender Voranmeldung für solche Veranstaltungen auch ihre Öffnungszeiten, die normalerweise von sechs bis 18 Uhr gehen, zu verlängern.
BRK Kolbermoor
hat neues Zuhause
Die Belegung des Obergeschosses durch das Rote Kreuz ist übrigens eine Win-win Situation für alle Beteiligten, was Thomas Neugebauer vom BRK-Kreisverband scherzhaft so formulierte: „Ihr habt einen dauerhaften Mieter, der für den Fall der Fälle einen Rettungswagen mitbringt und wir für unsere Haupt- und Ehrenamtlichen ein Zuhause, bei dem ein Café mitinbegriffen ist.“
Die Räume im Obergeschoss sind dabei – davon konnten sich die Besucher überzeugen – jedenfalls zukunftstauglich konzipiert: dem für die Zukunft zu erwartendem Ausbau der Rettung auf eine 24-Stunden-Bereitschaft steht nichts im Wege. Auch die Ehrenamtlichen der Sanitätsbereitschaft haben eigene Räume und mit dem Seminarraum im Erdgeschoss zudem die Möglichkeit, Kurse und Fortbildungen auch in Kolbermoor anzubieten.
Einer der Höhepunkte am Eröffnungstag war die „Taufe“ eines Meridian-Zuges durch Pfarrer Josef Stigloher und Pfarrerin Birgit Molnar. Er wird den Namen Kolbermoors als eine auch in Sachen Verkehr lebendige Zukunftsgemeinde durchs ganze Oberland und bis hinein nach Tirol tragen.