Rosenheim – Die Wiesn „schlief“ noch, als sich die Schausteller und Wirte zusammen mit Vertretern aus Politik, Wirtschaft, Polizei, Feuerwehr, Sanitätern und des Wirtschaftlichen Verbandes in der Klosterkirche zur Auszeit vom Herbstfesttrubel trafen. „Das ist eine faszinierende Stimmung“ meint Pfarrer Andreas Maria Zach. Auch viele Schausteller empfinden diesen Termin als etwas besonderes. „Für mich ist das eine Stunde der Besinnung, bei der ich auf das zurückkomme, was wirklich wichtig ist im Leben, Gesundheit und Familie“, meint Petra Zehle vom Mandelstand.
Seit 1950 ist ihre Familie regelmäßig mit einem Stand auf dem Rosenheimer Volksfest vertreten. Stephanie Oberschelp war vor vier Jahren schon einmal hier und jetzt mit dem Fahrgeschäft „Mr. Gravity“ wieder. „Die familiäre Atmosphäre hier in der Stadt ist wunderbar“, schwärmt sie. Schausteller-Gottesdienste gehören auch zu vielen anderen Volksfesten und Jahrmärkten in Deutschland traditionell dazu. In Kirchen finden sie aber eher selten statt, wie die Schaustellerin weiß: „Das geht schon deshalb nicht, weil sich in der Nähe der Festplätze selten eine Kirche befindet“.
In solchen Fällen predigt Schausteller-Seelsorger Sascha Ellinghaus dann oft einmal im Autoscooter. Selbst Taufen hat er dort schon vollzogen. Für seine Arbeit reist er durch ganz Deutschland, nach Rosenheim kommt er immer wieder gerne. Ihm gefalle das Traditionelle und das fängt bei ihm schon bei der Musik an. Wie schon in den Jahren zuvor sorgten die Inntaler Sänger wieder für die musikalische Umrahmung des Gottesdienstes.
Sich den Besuch auch was kosten lassen
Zum Gang auf das Volksfest gehört nach Meinung des Seelsorgers auch, dass man sich diesen Besuch auch was kosten lässt. Von einer Schnäppchen-Mentalität hält Ellinghaus nicht viel. Schon gleich gar, wenn es um den Glauben geht. Auch der koste was, manchmal sogar alles, wenn man auf die Jüngerschaft Jesu zurückblicke, in deren Reihe einige der Jünger ihre Familien und schlimmstenfalls sogar ihr Leben verloren haben. Heutzutage sei der Preis natürlich ein anderer und für jeden verschieden. Wichtig sei es, sich nicht als Verbraucher des Glaubens, sondern als Bewahrer zu verstehen und dafür müsse man aktiv tätig sein.
Nach dem Gottesdienst ging es zum gemeinsamen Weißwurst-Frühstück in die Auerbräu-Festhalle, wo Max Fahrenschon, Vorsitzender der Schausteller, nachdenkliche Töne anschlug. Getrübt wurde seine Laune durch das kalte Regenwetter der vergangenen Tage. „Kleine Fahrgeschäfte müssen an solchen Tagen Einbußen von 20 bis 30 Prozent verkraften. Viel schlimmer trifft es die großen Fahrgeschäfte, denen bleiben da gerade einmal 20 bis 30 Prozent ihrer üblichen Einnahmen übrig“, rechnete er vor. Insgesamt zeigt er sich aber mit den bisherigen Verlauf zufrieden. Diese Ansicht teilen auch viele Schausteller. „Zum Glück sind die Rosenheimer nicht wasserscheu“, schmunzelt Mandelverkäuferin Zehle.