Rosenheim – „Das Faerber“ ist zurück: Das Café mit Bar in Rosenheim sperrt am Mittwoch, 2. Oktober, wieder auf. Ein Neustart mit einem Betreiber, der in Rosenheim durchaus bekannt ist und reichlich gastronomische Erfahrung mitbringt. Und sicher ein Gewinn für die Stadt, angesichts der exponierten Lage des Hauses.
Leben kehrt zurück in das ockerfarbene Haus mit der Nummer 4 an der Färberstraße. Ein imposanter Bau, gut 400 Jahre alt, der nun im Erdgeschoss erneut Gastronomie bekommt. Die Räume im alten Gewölbe sollen schon in wenigen Wochen ein Café mit Bar beherbergen. Über eine innen liegende Wendeltreppe nach oben verbunden, wird im ersten Stock eine Vinothek Platz finden. Inneneinrichtung und Ambiente werden so aussehen, wie es die Rosenheimer aus der Zeit vor der Schließung im Juli 2018 in Erinnerung haben.
Inneneinrichtung
bleibt erhalten
Keine wesentlichen Änderungen vorzunehmen, ist eine bewusste Entscheidung. „Das Faerber“ soll nicht durch etwas Neues ersetzt werden. Es soll aufleben. Das war und ist Herzenswunsch der ehemaligen Betreiber. Einer von ihnen ist Fabian Greiser. Der Betreiber eines Design-Büros in Rosenheim hatte die Räume einst eingerichtet. „Es wird keinen neuen Style geben“, sagt er. Die neue Leitung und das neue Team übernehmen, was an Einrichtung da ist.
Der Mann, der von Oktober an die Geschäfte an der Färberstraße führen wird, ist Richi Perkusic (44). Zuletzt hat er für die „Dinzler Kaffeerösterei AG“ als Restaurantleiter in der Kunstmühle gearbeitet. Von Heike Richter, Leitung Personalwesen bei Dinzler, bekommt Perkusic die beste Expertise mit auf den Weg in die Selbstständigkeit: „Er hat das bei uns wirklich sehr gut gemacht und es war immer sein Traum, etwas Eigenes zu machen.“
Neuer Pächter setzt
aufs Gastgeben
Perkusic selbst freut sich auf seine Rolle als Gastgeber. Gemeinsam mit seinen beiden Söhnen will er das Lokal betreiben. Sein Konzept, sagt er, sei vor allem die Kunst des Gastgebens. Die „Grundbedürfnisse“ seiner Gäste will er befriedigen, mit einfachen aber guten Gerichten. Um 8 Uhr wird aufgesperrt, wer mag, bekommt Dinzler-Kaffee und ein Frühstück. Mittags gibt es eine kleine Karte. Und abends will Perkusic die Vinothek ins rechte Licht rücken: Der Wein soll im Vordergrund stehen, dazu serviert er Kleinigkeiten zu essen. Zugesperrt wird gegen 23 Uhr, sonn- und feiertags ist „Das Färber“ geschlossen. „Ich bin ein guter Gastgeber und ein Arbeiter“, sagt Perkusic.
Eine gute Hand werden er und sein Team brauchen für den Neustart. Denn das Ende des „Faerber“ war vor gut einem Jahr überraschend schnell gekommen, nur knapp acht Monate nach der Eröffnung.
Das Trio Schäffner, Huber und Greiser war voller Engagement gestartet, hatte renoviert und modernisiert. Ihr Ziel: eine stylische Umgebung zu schaffen, ohne den historischen Charakter des Hauses zu zerstören. Gastronomisch hatten sich die drei Männer vorgenommen, ein Angebot jenseits von Leberkäse und Schweinsbraten zu servieren. Gesund sollte es sein, modern und angepasst an „aktuelle, urbane Foodtrends“. Ein Konzept, das anfangs aufzugehen schien. Die Gäste kamen gerne und zahlreich. Doch bald zeigte sich, die Zahlen sind rückläufig. Das Lokal wurde nicht genug angenommen.
Abschiedsbrief
mit einem Appell
In der Folge verkündeten die Pächter in einem Abschiedsbrief im Sommer vor einem Jahr das Ende des „Faerber“. Der „gute Ruf“ habe sich „zu langsam“ herumgesprochen. „So ein hohes Niveau kann man aber nur halten, wenn das Haus toujours voll ist. Seien wir ehrlich: Das ist es nicht“, war in dem Brief zu lesen. Schweren Herzens, aber ohne das Gefühl gescheitert zu sein, gab das Trio die Gastronomie auf. Verband seinen Abschied aber auch mit der Hoffnung, dass das „Schmuckstück erhalten bleibt“. Sowie mit der Bitte im Sinne möglicher Nachfolger: „Leute geht hin, sonst geht Euch das Färberhaus flöten!“