Die Tafelritter wollen wieder kochen

von Redaktion

AWO-Mehrgenerationenhaus: „Tafelrunde“ soll zurückkehren – Helfer gesucht

Rosenheim – Nach zehn Jahren war Schluss mit der „Tafelrunde“ im Rosenheimer AWO-Mehrgenerationenhaus: Grund: Die federführenden Kräfte Ferdl Walesch sowie Angie und Uli Lippert hatten sich aus privaten und gesundheitlichen Gründen schweren Herzens von diesem ehrenamtlichen Engagement verabschiedet. Doch jetzt wollen sie wieder den Kochlöffel schwingen für bedürftige und einsame Menschen. Dafür brauchen sie dringend Unterstützung.

Angefangen hat die Geschichte der „Tafelrunde“ an einer Bushaltestelle an der Lessingstraße. Uli Lippert wartete dort auf den Bus und beobachtete einige Schulkinder dabei, wie sie ihre Kameraden um deren Brotzeitreste anbettelten. „Ich dachte mir, wie ist es in einem Land wie dem unseren möglich, dass Kinder Hunger haben“, erinnert sich der 56-Jährige. Diese Beobachtung ließ ihm keine Ruhe. Deshalb erkundigte er sich, wie man helfen könnte. „Man sagte zu mir, dann machen Sie mal.“

Essen für

bedürftige Kinder

Der selbstständige Buchhalter und Unternehmensberater „machte“ und kochte zuerst zusammen mit seiner Frau und einigen anderen ehrenamtlichen Kräften im Bürgerhaus an der Lessingstraße regelmäßig für bedürftige Kinder. „Die Resonanz war groß. Es kamen immer mehr Kinder zu uns und manchmal auch deren Eltern und Großeltern“, sagt Lippert.

Nach einem Jahr aber musste er nach neuen Räumen suchen und wurde im Mehrgenerationenhaus der Arbeiterwohlfahrt an der Ebersberger Straße fündig. Der damalige Leiter Klaus Schindler war von diesem Angebot sofort begeistert, und auch seine Nachfolgerin Katharina Gaiduk ist überzeugt, damit viel Gutes zu tun: „Einsame Menschen bekommen dadurch die Möglichkeit, wieder einmal in Gemeinschaft zu essen. Außerdem können wir die Besucher niederschwellig darüber informieren, was für Arten von Hilfe es für sie noch gibt.“ In das AWO-Mehrgenerationenhaus kommen von Anfang an fast ausschließlich Senioren – überwiegend Frauen. „Ich glaube, das liegt daran, dass viele Menschen die AWO vor allem mit Angeboten für Senioren in Verbindung bringen“, sagt Lippert.

Supermärkte spenden

Lebensmittel

Unterstützt wurde das Angebot in der Anfangszeit von einer ganzen Reihe von freiwilligen Helfern. Angeführt wurde das Team von Ferdl Walesch und Angie Lippert. Zweimal pro Woche schwangen sie ehrenamtlich in der Küche im zweiten Stock des Mehrgenerationenhauses den Kochlöffel für den guten Zweck. Die Tage begannen für sie mit dem Einsammeln von Lebensmittelspenden aus Supermärkten und von den Tafeln. Was fehlte, wurde gekauft. Verwendet wurde dafür das Geld, das die Besucher der „Tafelrunde“ für ihre Mahlzeit bezahlten. Von Menschen mit geringem Einkommen verlangten die „Tafelritter“ 1,50 Euro und von denjenigen, die mehr Geld zur Verfügung hatten 3,50 Euro. Wer gar nichts bezahlen konnte, wurde aber auch nicht abgewiesen. „Manchmal kamen auch prominente Besucher und die zahlten dann auch einmal mehr und damit hat sich alles immer irgendwie ausgeglichen“, sagt Ferdl Walesch. 80 Jahre ist er alt. 51 Jahre arbeitete er als Gastronom. In der Küche ist er darum quasi zu Hause. Er versteht sein Handwerk ebenso wie Angie Lippert, die ebenfalls viele Jahre lang hauptberuflich gekocht hat. Serviert wurde den Besuchern der „Tafelrunde“ jedes Mal ein Drei-Gänge-Menü, bestehend aus Suppe, Hauptmahlzeit mit Salat und Nachspeise in Form von Kuchenspenden der Bäckereien oder selbst gemachten Desserts. Durchschnittlich kamen um die 25 Besucher. Es wurde immer viel geratscht und gelacht – auch unter dem ehrenamtlichen Küchenpersonal: „Wir waren ein sehr gutes Team und hatten immer jede Menge Spaß“.

Mit den Jahren wurde das Team der „Tafelrunde“ aber immer kleiner und die Arbeit für Ferdl Walesch und Angie Lippert immer mehr. Angie Lippert, die große gesundheitliche Probleme hat, sah sich zuletzt außerstande, den Küchendienst zu erfüllen. Bei Ferdl Walesch erkrankte die Ehefrau schwer und wurde ein Pflegefall. Auch er sah darum keinen anderen Ausweg mehr, als sich von seinem ehrenamtlichen Engagement zu verabschieden. „Leicht fiel mir diese Entscheidung nicht. Ehrenamt hält schließlich jung“, sagt er. Und auch Uli Lippert erzählt, wie sehr seiner Frau diese Aufgabe bereits jetzt fehlt.

Unterstützung

dringend gesucht

Darum wollen alle drei das Angebot in irgendeiner Form wiederbeleben. „Meine Frau ist jetzt im Pflegeheim. Dadurch habe ich wieder mehr Zeit, aber ich fühle mich dadurch auch enorm einsam in meinem Zuhause“, sagt Walesch. Was passieren muss, damit eine neue „Tafelrunde“ starten kann, ist für ihn ganz klar: „Wir brauchen wieder mehr freiwillige Helfer, um die Last auf breitere Schultern verteilen zu können“.

Mit Gemüse und Obst schnipseln sei es bei diesem Ehrenamt aber nicht getan. „Dazu gehört auch die Organisation, das Auftischen, Abspülen, Aufräumen und Putzen“, erklärt der Kochprofi. Sollten sich Menschen finden, die bereit sind, diese Aufgabe ehrenamtlich zu übernehmen, sei er sofort wieder unterstützend mit an Bord und auch für das Ehepaar Lippert steht fest: „Dann helfen auch wir wieder mit, so gut wir eben können.“

Wer Interesse hat, bei der Tafelrunde mitzukochen, kann sich bei Katharina Gaiduk von der Arbeiterwohlfahrt melden unter Telefon 08031/941373-21.

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