Rosenheim – Auch beim elften Drachenbootrennen auf der Mangfall stand die Gaudi wieder klar im Vordergrund. Aber ohne Ehrgeiz und Siegeswillen geht es natürlich auch nicht. Sowohl beim Schülerwettkampf am vergangenen Freitag als auch bei der großen Regatta am Samstag schenkten sich die Teilnehmer nichts. Der einzige Wermutstropfen: Die Siegesfeier endete vielen zu früh.
Vorbereitung zieht sich über Monate
Die Vorbereitungen für dieses Spektakel ziehen sich über Monate. Viele der 56 Teams, die sich für den Start am Samstag anmeldeten, sind schon von Anfang mit dabei. Nicht nur die Fitness wird im Vorfeld trainiert. Vielen legen auch auf ihr Erscheinungsbild höchstes Augenmerk, immerhin wird jedes Jahr auch ein Preis für die originellste Verkleidung ausgelobt.
Ein besonders beliebtes Fotomotiv für die vielen Schaulustigen waren heuer die „Zoasaringa Sirenen“. Seit 4 Uhr am Morgen waren die Damen auf den Beinen, um sich mittels selbstgenähter Kostüme, viel Schminke und farbiger Kontaktlinsen in betörend schöne Fabelwesen zu verwandeln.
Drachenbootrennen ist besser als Fasching
„Das Drachenbootrennen ist besser als Fasching, schon weil es da meistens noch schön warm ist und das Feiern damit gleich noch viel mehr Spaß macht“, schwärmt Micha Terbeck, die Chefin der „Zoasaringa Sirenen“. In den vergangenen Jahren hat die reine Frauenmannschaft schon ein paar Mal einen guten Platz in Sachen „Kostümierung“ für sich verbuchen können, im vergangenen Jahr als gruselige Zombiefrauen. Diesmal setzten sie wieder auf erotische Schönheit und um ihren Auftritt vollkommen zu machen, schleppten sie zu ihrem Lagerplatz am Innspitz sogar noch einen Sandkasten in Muschelform mit, der auf Knopfdruck bunt schimmernde Seifenblasen produzierte.
Direkt neben den Sirenen bezogen Wikinger mit Schildern und dank roter Farbe mit reichlich „Blut“ am Leib Stellung. „Sirenen und Wikinger, das passt zusammen“, meinte einer der wilde Krieger. Die Zusammengehörigkeit beschränkte sich in diesem Fall nicht nur auf das Drachenbootrennen: Die „Zoasarina Odins Buam“ sind Männer der Feuerwehr Zaisering und die „Zoasaringa „Sirenen“ sind die dazugehörigen Frauen.
Beide Mannschaften rechneten sich heuer wieder klare Chancen auf den Kostümpreis aus. Schließlich konnten sie tatsächlich Platz zwei und Platz drei für sich verbuchen. Geschlagen geben mussten sie sich in dieser Kategorie nur den „Hirschkuss Ladies“, die sich als schillernde Drachen verkleideten und ihr Zeltlager aufwendig mit einem chinesischen Glücksdrachen verzierten.
Während die ersten Teilnehmer des Rennens bereits um 9 Uhr die Drachenboote bestiegen und zum Startpunkt paddelten, richteten sich viele andere erst einmal gemütlich an ihren Lagerplätzen ein und ratschten mit den benachbarten Mannschaften. „Hier trifft man jedes Jahr noch mehr bekannte Gesichter als auf der Wiesn“, schwärmt ein Teilnehmer, der von Anfang an mit wechselnden Mannschaften mit dabei ist. Einem anderen gefällt besonders das bunte Lagerleben: „Das erinnert mich an meine Kindheit als Pfadfinder.“
Doch natürlich geht es beim Drachenbootrennen auch um den sportlichen Ehrgeiz. Viele Mannschaften trainieren dafür über Monate hinweg regelmäßig an Land und natürlich auch zu Wasser. Auf einen Platz im vorderen Mittelfeld hoffte nach dem ersten Durchgang Harry Drechsel, Kapitän des „Banana Boats“ – ebenfalls eine Mannschaft, die schon seit vielen Jahren mit von der Party ist. „Im vergangenen Jahr waren wir nur 14 Sekunden hinter dem bestplatzierten Boot. Für Nicht-Profis und eine gemischte Mannschaft eine respektable Leistung“, erzählt der 54-Jährige stolz.
Stoaling Alm-Truppe war am Schnellsten
Wer zu den Besten zählen will, muss am Ende eine Zeit unter anderthalb Minuten pro Lauf vorweisen können. Die „Stoaling-Alm Piraten“ erreichten das Ziel jeweils in rund eine Minute und 20 Sekunden. Das brachte ihnen Platz eins. Auf Platz zwei kam das Team Doghammer und auf Platz drei die „Hamberger Flooringer“. Bei den Damen siegten die „Kongolitas“ vor den „Fixen Nixen“ und den „Busenfreundinnen“.
Das Wetter spielte am Samstag bestens mit. Sonnenschein und warme Temperaturen sorgten für ausgelassene Partystimmung. Doch aus einer langen Siegesfeier wurde auch in diesem Jahr nichts. In den Anfangsjahren wurde dafür immer auf dem Gelände des Kajak-Klub Rosenheim ein großes Zelt aufgestellt – ein großer organisatorischer und logistischer Aufwand, für den sich zuletzt kaum mehr Freiwillige fanden. Als Ausweichmöglichkeit ging es darum in das Ballhaus.
Gesucht: Ein Ort für die Siegesfeier
Doch das stand in diesem Jahr nicht zur Verfügung und darum blieben die Teilnehmer diesmal direkt an der Mangfall. Doch um die Anwohner nicht zu verärgern, konnte bei weitem nicht so lange und ausgehalten gefeiert werden, wie zu den Anfangszeiten des Drachenbootrennens, an die sich viele Teilnehmer wehmütig zurückerinnern. „Das ist schon sehr schade“, hörte man immer wieder, verbunden mit der Bitte an die Organisatoren, im nächsten Jahr wieder eine bessere Alternative zu finden.