Kreative Ideen gegen die Wohnungsnot

von Redaktion

Neues Bündnis will gemeinsam mit Künstlern Lösungen finden – Mitmachen erlaubt

Rosenheim – Am Anfang stehen ein Faktum und ein Zitat. Das Faktum: Bezahlbares Wohnen ist auch in Rosenheim knapp. Das Zitat hingegen ist von Joseph Beuys und lautet: „Jeder Mensch ist ein Künstler.“ Zwei Aussagen, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben und doch in Rosenheim zusammengeführt werden sollen. Heißt konkret: Der Wohnungsnot mit kreativen Ideen begegnen.

Neuer Blick auf

alte Probleme

Hinter diesem Ansatz steht das Sozialforum Rosenheim, ein Zusammenschluss aller wichtigen Gesellschaftsverbände. Ziel des Sozialforums ist es, nicht nur die Themen, die der Gesellschaft auf den Nägeln brennen, zu behandeln, sondern Probleme in den Blickpunkt der Öffentlichkeit zu rücken, noch bevor sie sich zu ganz akuten Brennpunkten entwickelt haben. Wesentlich dabei: Schon wegen der breiten Basis der Beteiligten versucht man, die Themen nicht nur aus den unterschiedlichsten Blickwinkeln heraus, sondern vor allem immer aus möglichst neuer Sicht zu betrachten, für die Herangehensweise andere als die bereits vielfach ausgetretenen Pfade nutzen.

So auch beim Thema Wohnen. Hier hat man als Kooperationspartner die „Utopia toolbox“ aus Augsburg gewonnen: Ein Netzwerk von Künstlern und Kreativen, das sich zum Ziel gesetzt hat, die schöpferischen Fähigkeiten, die in jedem von uns stecken, nutzbar zu machen. Denn für die Gründerin Juliane Stiegele ist „die größte Energiekrise, mit der es unsere Gesellschaft zu tun hat, der Mangel an Kreativität“. Dabei ist ihrer Meinung nach diese Fähigkeit nur verschüttet, sie lässt sich, ganz im ursprünglichen Sinne des Zitates von Joseph Beuys, wieder freilegen.

Und genau das soll bis zum 12. Dezember dieses Jahres in Rosenheim geschehen. Kernpunkt der Aktionen ist ein Container. Er wird vom kommenden Freitag an zunächst am Ludwigsplatz stehen, von Mittwoch, 2. Oktober, bis Sonntag, 6. Oktober, wird er am Kardinal-Faulhaber-Platz zu finden sein. Der Container ist gedacht als räumlicher Dreh- und Angelpunkt für die Frage: „Wohnen: Was willst Du wirklich?“

Lässt man sich auf diese Frage ein, stellt man fest, dass das, was man zu wollen glaubt, oft nur Gewohnheit, reine Oberfläche ist. Für Juliane Stiegele ist klar: Schafft man es, diese Oberfläche zu durchdringen, werden nicht nur die echten Bedürfnisse deutlich, sondern man entdeckt die eine oder andere Idee, wie diese umgesetzt werden könnten.

Genau diese Ideen werden von den Mitgliedern von „Utopia toolbox“ gesammelt, es wird dazu im Umfeld des Containers Befragungen geben, man kann sich dort aber auch über das ganze Projekt informieren und darüber diskutieren. Am Ende soll dann eine Dokumentation stehen, die veröffentlicht werden wird, sodass, wie es Juliane Stiegele formuliert, „auch die Stadt weiß, was ihre Bürger wirklich wollen“. Und auch, welche Ideen zur Umsetzung sie haben. Dazu möchte man in der Folge zumindest einen der Vorschläge, die von den Bürgern kommen, umsetzen.

Weil Kreativität Anregungen braucht, wird sich rund um die Container-Veranstaltung ein ganzes Bündel an Aktionen scharen, sechzehn sind es allein in den zwei Wochen, in denen der Container in Rosenheim steht, elf weitere werden im Anschluss angeboten. Die Palette reicht von einer Ausstellung „Mehr bezahlbarer Wohnraum in Bayern – aber wie“ über Filme bis hin zu Stadtführungen, daneben sind Vorträge mit Diskussionsrunden geplant.

Treffpunkt

im Container

Ob sich für ein solches Projekt genügend Teilnehmer finden lassen? Pfarrer Sebastian Heindl von Christkönig meint zum Beispiel, dass der zweite Standort des Containers vor seiner Kirche am Kardinal-Faulhaber-Platz optimal sei. Nicht nur, weil dort viele Leute vorbeikämen, sondern weil gerade sein Umfeld eines sei, in der die ganze Bandbreite des Wohnens deutlich werde: „Von Villen bis zur Familie, die mit fünf Kindern in zwei Zimmern haust, haben wir hier alles. Das Thema ist hier ganz akut, es ist allgemein ganz akut.“

Wer sich informieren möchte: Infos gibt es im Container, aber unter www.utopiatoolbox.org sowie www.erzbistum-muenchen.de/kunstpastoral.

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