Rosenheim – Endlich einmal in der Kommunalpolitik mitreden und sich mit den Rosenheimer Politikern auszutauschen, diese Möglichkeit nutzten im Juli 100 Schüler der achten und neunten Klasse bei der Aktion „Bestimmt“ des Stadtjugendrings. Zusammen mit einer Schülergruppe haben Vertreter des Stadtjugendrings die Plakate mit den Vorstellungen und Wünschen der Jugendlichen öffentlich vorgestellt.
Ob zusätzliche öffentliche Sportplätze, Bio-Essen in den Schulen oder auch mehr Sicherheit und weitere Verbindungen für Radfahrer in der Stadt: Von all diesen Forderungen der Schüler konnten sich die Stadträte im Foyer des Rathauses ein Bild machen, ehe sie zur Sitzung eilten.
Impuls an die
Kommunalpolitik
„Wir wollen zeigen, dass wir das Projekt am Laufen halten“, sagte Markus Bundil vom Stadtjugendring. „Und natürlich den Politikern einen Impuls geben.“ Dies sei gerade nach der „Geisterzeit“ der Sommerferien, in der nicht viel vorangegangen sei, wichtig. Einige Kommunalpolitiker nutzten diese Zwischenphase jedoch gerne: So hatte sich Markus Dick, Stadtrat der Freien Wähler/UP Rosenheim, mit fünf Schülern zusammengesetzt, die sich eine bessere und günstigere Anbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln wünschen. Was ihn besonders angesprochen habe, sei die Idee, ein Elterntaxi in Rosenheim einzuführen. „Das wäre eine gute Möglichkeit für Jugendliche, sicher von A nach B zu kommen“, sagte Dick bei der Präsentation der Plakate. Zweimal hatte er mit den Schülern über ihren Vorschlag gesprochen. „Sich mit ihnen auseinanderzusetzen, war sehr angenehm“, resümierte er. „Das war alles auch sehr professionell.“ Auch die Schüler fällen ein positives Urteil: . „Die Stadträte waren alle sehr sympathisch und nett“, sagt Kilian Monar (15). „Ich denke, beide Seiten haben ihr Bestes gegeben.“
Jugendlichen ein Mitspracherecht zu geben, das war die Idee von Sonja Gintenreiter, der stellvertretenden Vorsitzenden des Stadtjugendrings, sowie von Sarah Zapf und Markus Bundil, dem Sachgebietsleiter Jugendarbeit. Mit der Aktion „Bestimmt“ wollten sie ein Sprachrohr für junge Menschen schaffen und ihre Interessen vertreten. 100 Schüler hatten schließlich an der Aktion am 11. Juli in der Luitpoldhalle teilgenommen. Dort hatten sie sich zunächst darüber Gedanken gemacht, was ihnen an Rosenheim nicht gefällt. Ihre Anregungen und Wünsche zu den verschiedenen Themen fassten sie dann auf Plakaten zusammen. Die Plakate wurden im Anschluss einigen Entscheidungsträgern aus Politik und Verwaltung vorgestellt. Moderiert hatte die Veranstaltung der Politikberater und Autor Erik Flügge, der das Format vor acht Jahren ins Leben gerufen hatte.
Auch für Grünen-Stadträtin Judith Kley-Stephan war das Projekt ein Erfolg. Es sei sehr gut angekommen und die Schüler seien sehr gut daran beteiligt gewesen. Besonders wichtig sei ihr, dass die Jugendlichen einen Zugang zur Lokalpolitik fänden, sagte sie vor der Stadtratssitzung. „Jetzt ist aber der Knackpunkt, dass wir was machen“, betonte sie. „Die Jugendlichen müssen sehen, dass etwas passiert.“ Alles auf einen Schlag umzusetzen sei aber nicht möglich, auch wenn viele der Wünsche schon seit längerer Zeit ohnehin auf der Agenda des Stadtrates stünden. Für Kley-Stephan ist deshalb klar: „Kommunikation zwischen dem Stadtrat und den Jugendlichen ist ein ganz wichtiger Punkt.“
Der Dialog soll
fortgesetzt werden
Auch für Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer (CSU) steht die Kommunikation im Vordergrund: „Wir freuen uns natürlich, mit den Jugendlichen eine Möglichkeit zu finden, ins Gespräch zu kommen.“ Dabei sei ihr besonders wichtig, über Möglichkeiten zu diskutieren und auszuloten, was überhaupt machbar ist.
Dass diese Form der Jugendpartizipation überaus gelungen ist, darin waren sich alle Stadträte wenig später in der Sitzung des Stadtrats. Die Beteiligung und der Zuspruch der Jugendlichen seien enorm gewesen, das Format werde wesentlich besser angenommen, als die viel zu formellen Jugendparlamente. Auch die Entscheidung, nicht 25000 Euro für eine Beratung auszugeben, die erst einmal klärt, wie Jugendpartizipation aussehe, sei richtig gewesen. Der Dank, darin waren sich alle einig, gelte dem Stadtjugendring. Das betonte auch Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer ausdrücklich.
Nun sei es wichtig, eine Brücke zum Stadtrat zu schlagen, den Jugendlichen das Gefühl zu geben, dass ihre Anliegen auch ernst genommen und geprüft würdne. Zwar sei sicher nicht alles umsetzbar, doch es gehe nicht an, nun die Dinge im Sande verlaufen zu lassen. Sonst sei der Effekt, der immerhin ja auch ein Beitrag zur politischen Bildung sei, gleich wieder verloren, so der Tenor im Stadtrat.