„Das Unrecht beim Namen nennen“

von Redaktion

Gedenken an Carlos Fernando in Kolbermoor: Opfer einer rassistischen Gewalttat

Kolbermoor – „Unrecht muss beim Namen genannt werden, und man hat die Pflicht, zu zeigen, wenn etwas in unserer Gesellschaft schiefläuft“, sagte die Dritte Bürgermeisterin Dagmar Levin-Feltz (SPD) und sprach damit vielen der gut 20 Kolbermoorer aus dem Herzen, die sich auf dem Alten Friedhof zu einer Gedenkversammlung für den Mosambikaner Carlos Fernando versammelten.

Gedenktafel mit

neuer Inschrift

Fernando, den Dagmar Levin noch persönlich gekannt hatte, war am 29. September 1999 an den Verletzungen gestorben, die ihm einige Wochen zuvor ein betrunkener Kolbermoorer zugefügt hatte. Eine Tat, der heute ein zweifelsfrei ausländerfeindlicher Hintergrund attestiert wird.

Einen besonderen Charakter bekam die seit Langem vom Verein „Gesicht zeigen – Rosenheimer Bündnis gegen rechts“ geplante Veranstaltung, weil vor einigen Wochen die Plakette an der Gedenkstätte gestohlen worden war. Für Bürgermeister Peter Kloo (SPD) keine Frage, sie umgehend ersetzen zu lassen und dabei den Text deutlicher zu formulieren. War auf der alten Tafel nur Geburts- und Sterbedatum von Carlos Fernando festgehalten, steht nun auch darauf: „Opfer einer feigen rassistischen Gewalttat.“

Auch für den Verein „Gesicht zeigen“ geht es nicht nur darum, die Dinge klar beim Namen zu nennen. Es geht, wie Angelika Graf, ehemalige SPD-Bundestagsabgeordnete und Vorsitzende des Vereins, meinte, auch darum, durch solche Veranstaltungen ein Zeichen zu setzen: Ein Zeichen gegen die Tendenz, dass rechtes und faschistisches Gedankengut, das man früher nur hinter vorgehaltener Hand zu äußern sich traute, immer sagbarer wird. „Wenn man faschistisches Gedankengut ohne Widerspruch äußern kann, wird dadurch nicht nur unsere Demokratie unterhöhlt, es wird auch der Boden bereitet für handgreifliche Gewalt.“

Dass sich die Gedenkplakette unter einem großen Kruzifix befindet, hat Symbolcharakter.

So hat Weihbischof Dr. Bernhard Haßlberger, als er die Predigt bei der Wallfahrt auf den Petersberg bei Flintsbach hielt, darüber gesprochen, dass Verfolgte und Flüchtlinge keine anonyme Masse seien. „Jeder von ihnen hat einen Namen. Und die Pflicht von uns Christen ist es, diese Menschen auch nicht als Masse, sondern als Einzelne zu sehen.“

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