Die mit der Sprache spielen

von Redaktion

Beim Scrabble-Turnier in der Freien Turnerschaft sind die richtigen Wörter gefragt

Rosenheim – „Hulk“, „beiern“, „Droherei“: Die Begriffe liegen – aus gelben Spielsteinen zusammengesetzt – auf dem Spielbrett aus. Abgesehen von dem Klicken der Spielsteine in den Stoffsäckchen, aus denen die Spieler ihre neuen Buchstaben zogen, ist nur noch das Gemurmel beim Addieren der erreichten Punktzahlen zu vernehmen.

„Scrabble“ gehört zu den beliebtesten Brettspielen der Welt und wird immer mehr zum Wettkampfsport – auch in Rosenheim. Die Scrabble-Freunde aus München und Rosenheim haben im Namen von Scrabble Deutschland ein Turnier in der Gaststätte der Freien Turnerschaft organisiert.

Der Erfinder von Scrabble war kein Schriftsteller oder Sprachlehrer, sondern ein arbeitsloser Architekt mit Vorliebe für Brettspiele. Er wollte ein Spiel kreieren, das halb aus Glück und halb aus viel Können besteht.

Duden bestimmt, ob Wort zählt oder nicht

Ob ein Wort zählt oder nicht, darüber bestimmt der Rechtschreibduden. Wörter bis zu neun Buchstaben können auf einem Rechner sofort überprüft werden. Was länger ist, wird notfalls von einem Schiedsrichter begutachtet.

Weil aber beim Scrabble auch alle Beugungsformen gelten und ebenso Konjunktiv und Genitiv, gelten eine profunde Sprachbeherrschung und ein solider Wortschatz als gute Voraussetzung, ein Turnier auch mal als Sieger verlassen zu können.

Wer alle sieben Buchstaben, die er zur Verfügung hat, auf einmal aufs Brett legen kann, der erzielt einen „Bingo“, der 50 Punkte zusätzlich einbringt.

Das Oktoberfest-Turnier startete unter der Leitung von Wolfgang Inngauer und Susanne Pirner-Leeb mit 14 Teilnehmern, von denen zwei aus Österreich kamen und einer sogar aus England. In sechs Runden sollte ein Sieger ermittelt werden.

Jeder Teilnehmer hatte je Spiel insgesamt 30 Minuten Zeit zum Überlegen, gestoppt wurde mit Schachuhren.

Gültige statt

„schöne“ Wörter

Was Scrabble so spannend macht, ist die Tatsache, dass es hier nicht darum geht, aus sieben Buchstaben „schöne“ Wörter zu legen, sondern gültige Wörter zu finden, die möglichst viele Punkte bringen und dabei auch noch im Kopf zu haben, welche Buchstaben bereits gelegt wurden, um taktisch agieren zu können.

Wird vom Gegenspieler die Gültigkeit eines Wortes zu Recht angezweifelt, muss der Spieler den Zug zurücknehmen, ist er dagegen im Unrecht, werden ihm zehn Punkte abgezogen.

Ein Spieler legte das Wort „Emde“. Das Wort gibt es tatsächlich. Es kommt von „ich emde“ und bedeutet „ich mache Grummet“. Auch das Wort „Bakst“ ist kein Rechtschreibfehler. Es kommt von „du bakst“ und ist ein Begriff aus der Seefahrt (Bake).

Spannend wurde es bereits nach der ersten Runde, als die Favoritin Nadja Dobesch ihr erstes Spiel überraschend verlor. Bis Runde drei führte Johannes Leitner aus Graz mit der bis dahin höchsten Punktzahl.

Nach Runde vier übernahm Wolfgang Inngauer die Führung, verlor aber das nächste Spiel gegen Nadja Dobesch, die einen Bingo mit hoher Punktzahl erfolgreich anzweifelte.

Wolfgang Inngauer legte das Wort „Droherei“, ein Wort, das es im allgemeinen Sprachgebrauch durchaus gibt, aber nach dem Rechtschreibduden nicht gültig ist.

Duell der beiden Bestplatzierten

In der sechsten und entscheidenden Runde kam es dann zum „Duell“ zwischen den bis dahin Bestplatzierten Nadja Dobesch, Beate de Nijs und Wolfgang Inngauer. Beate de Nijs und Wolfgang Inngauer konnten beide ihr Spiel gewinnen, aber Siegerin des Turniers wurde Beate de Nijs mit zehn Punkten Vorsprung.

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