Kolbermoor – Binnen eines Jahres von 108 auf über 1200 Mitglieder: Das ist die Bilanz der Bürgerinitiative Nordzulauf Kolbermoor (BI). Sie ist jung und aktiv: Das wurde auch auf der ersten Jahresversammlung im Mareis-Saal jetzt deutlich. Dazu ist sie eine Initiative, die auf die volle Unterstützung der Stadt bauen kann, wie Bürgermeister Peter Kloo den rund 200 Besuchern versicherte. „Wir werden der Bürgerinitiative helfen, wo es nur geht.“
Derzeit befindet sich die Planung des Brenner-Nordzulaufs in einer wichtigen Phase: Jetzt werden die bestehenden fünf Trassenvorschläge im Detail bearbeitet mit dem Ziel, für jede Trasse den Verlauf festzulegen. Jetzt ist also die Zeit, auf räumliche Probleme, wie zum Beispiel den Seetonuntergrund hinzuweisen, der nach Ansicht der Bürgerinitiative jedes Bauvorhaben im Bereich von Kolbermoor zu einem ungewissen Abenteuer mache.
Proteste nach
außen tragen
Zeit aber auch, um massiv den Bürgerprotest zu artikulieren: Nach Ansicht von Ralf Exler, Vorstand der Bürgerinitiative, fließt bei der Beurteilung der Schwierigkeiten auch der Bürgerwiderstand mit ein.
Das Engagement ist dabei auch eine Vorarbeit für die Zukunft: Wenn, wie beabsichtigt, im nächsten Jahr ein Raumordnungsverfahren eröffnet werde, bei dem alle Einwände gegen das Projekt noch einmal geprüft würden, habe man schon Fakten erarbeitet, die man vorweisen könne.
Wesentlich für die BI dabei: Es geht nicht darum, das Problem nur von der eigenen Haustür wegzubekommen, vielmehr sieht man sich, wie Ralf Exler sagte, im engen Schulterschluss mit allen 18 Initiativen in der Region.
Das Engagement der Initiativen ist dabei eines auf zwei Ebenen: Es soll einerseits verdeutlicht werden, dass der Brenner-Nordzulauf in allen Trassenvarianten höchst problematisch ist. Parallel dazu das Bemühen, bei der Politik die Sinnhaftigkeit des Projektes als Ganzes infrage zu stellen.
Und auch hier findet sich Unterstützung bei Rathauschef Kloo: Er erneuerte auch bei der Versammlung seine Kritik, dass die Planung einerseits auf einem Bundesverkehrswegeplan beruhe, der aus den 90er-Jahren stamme und daher die Veränderung der europäischen Landschaft nicht erfasse. Dazu komme andererseits, dass die Planung sich nur auf den Fernverkehr beziehe. Die immer drängender werdenden Probleme des Personennahverkehrs werden in keiner Weise berücksichtigt. Sein Fazit: „Die gesamte Planung gehört neu überdacht und auf vernünftige Füße gestellt.“
Mahnfeuer
in Lohholz
Für die Bürgerinitiative ergibt sich daraus das Bestreben, noch mehr Mitglieder zu finden: Zehn Prozent der Kolbermoorer Einwohnerzahl wäre das Wunschziel Exlers, also etwa 2000 Mitglieder. Darunter möglichst viele, die bereit sind, sich aktiv zu engagieren. Denn öffentliche Aktionen, wie zum Beispiel ein Mahnfeuer, das am 27. Oktober in Lohholz stattfinden soll, oder auch die Beteiligung am Weihnachtsmarkt brächten öffentliche Aufmerksamkeit.
Die sei nicht nur wegen einer Signalwirkung in Richtung Politik wichtig, sondern auch, weil es immer noch viele Kolbermoorer gäbe, die nicht wüssten, wie unmittelbar sie von dreien der fünf Trassenvarianten betroffen seien. Noch mehr Zulauf wünscht man auch für die eigene Homepage, so Exler. Hier werden unter anderem sachliche Erläuterungen präsentiert, aber auch Hinweise zu aktuellen Entwicklungen. So ist zu erfahren, wann die derzeit beim Bundestag eingereichte Petition zur Unterschriftensammlung freigegeben werde: Gelänge es bundesweit, 50000 Unterschriften zu sammeln, dann hätte man, so Ralf Exler, ein Rederecht vor dem Bundestag und damit die Chance, noch einmal auf das Faktum des Umwegeverkehrs hinzuweisen.