Rosenheim – Kufsteiner Straße, Innsbrucker Straße, Wittelsbacher Straße: Gefahrenstellen für Radfahrer in der Rosenheimer Innenstadt gibt es viele. Das soll sich jetzt ändern. Die Initiative „Radentscheid Rosenheim“ will bessere Verkehrsbedingungen für Radfahrer schaffen (wir berichteten). Der Startschuss dazu fiel am vergangenen Wochenende mit einer Unterschriftenaktion, der „Kidical Mass“ und der „Critical Mass“.
Initiatoren sammeln 2700 Unterschriften
Gertrud Stiegler (59) ist zufrieden – jedenfalls vorerst. Die erste Unterschriftenaktion für das Bürgerbegehren auf dem Max-Josefs-Platz hätte besser nicht laufen können. „Ich bin total überrascht, wie viele Unterschriften zusammengekommen sind“, sagt sie. Wie viele es genau waren, will die 59-Jährige nicht bekannt geben. Sie verrät nur so viel: „Wenn es so weitergeht, erreichen wir unser Ziel locker.“ Insgesamt 2700 Unterschriften müssen die Initiatoren zusammenbekommen, um einen Bürgerentscheid herbeizuführen. Die Zeichen dafür stehen gut, auch weil die Gruppe Unterstützung vom ADFC-Kreisverband Rosenheim, von den Grünen in Stadt und Landkreis und von der grünen Jugend bekommt.
Gertrud Stiegler freut sich über so viel Engagement. Gemeinsam mit ihrem Mann Armin zog sie vor rund 30 Jahren von München nach Rosenheim. Die beiden wollten in einer Stadt leben, in der man alle Wege zu Fuß oder mit dem Rad zurücklegen kann. Schnell musste das Ehepaar feststellen, dass die Radinfrastruktur in Rosenheim nicht so gut ist wie anfangs vermutet. Sie bemängelt vor allem Radwege, die „einfach irgendwo enden“ und „die schwierige Situation, wenn sich Radfahrer und Fußgänger einen Gehweg teilen müssen“.
„Über die letzten 30 Jahre hat sich aber fast nichts verändert“, bedauert Gertrud Stiegler. Jetzt will sie sich selbst für Veränderungen einsetzen. Insgesamt sechs Ziele hat die Gruppe um das Ehepaar Stiegler, Bernhard Kass, Michael Schnitker, Reinhard Schugmann, Dirk Langer, Stefan Guggenbichler, Steffen Storand, Ellen Schmidt, Peter Weigel und Robert Lappy formuliert.
So fordern sie unter anderem ein lückenloses Radverkehrsnetz, eine Verbesserung an Kreuzungen und Ampelanlagen sowie den Ausbau attraktiver Fahrradabstellmöglichkeiten.
Ein weiteres Thema, für das sich insbesondere der ADFC einsetzt, ist die Einhaltung des Mindestabstands, den Autos beim Überholen von Fahrrädern einhalten sollten. „Die 1,5 Meter werden nur in den wenigsten Fällen berücksichtigt“, sagt der Vorsitzende des ADFC Rosenheim, Mario Stürzl.
Um eben diesen Mindestabstand optisch zu veranschaulichen, veranstaltete der ADFC die Aktion „Mehr Platz fürs Rad“. Die Fahrräder der Teilnehmer wurden dazu mit einer Poolnudel ausgestattet, die am Gepäckträger angebracht worden war – quer zur Fahrtrichtung. Die Radler fuhren mehrere Runden durch Rosenheim. Von der Innenstadt ging es über die Reifenstuehlstraße zum Bahnhof und wieder zurück.
„Die Radfahrer müssen immer zurückstecken und werden beim Überholen oft gefährdet“, sagt Stürzl. Aber er weiß auch, dass viele Straßen in Rosenheim einfach nicht breit genug sind, um den Mindestabstand beim Überholen einzuhalten.
100 Teilnehmer bei der „Critical Mass“
Stürzl hofft, dass die Aktion dabei hilft, das Verhalten der Autofahrer zu verändern. Außerdem will er ein Bewusstsein dafür schaffen, wie viele Radfahrer es in Rosenheim gibt. Zu einer besseren Verdeutlichung trugen auch die „Kidical Mass“ und die „Critical Mass“ bei, die am vergangenen Samstag stattfanden. Rund 100 Teilnehmer setzten bei der Radldemo ein Zeichen für einen klima- und menschenfreundlicheren Straßenverkehr. Der erste Schritt in eine bessere Zukunft für Radfahrer ist also getan, weitere sollen folgen. Bevor es so weit ist, müssen aber erst einmal die 2700 Unterschriften zusammenkommen.
Dafür hat die Initiative „Radentscheid Rosenheim“ Sammelstellen eingerichtet. Hier können Interessierte direkt unterschreiben oder ausgefüllte Unterschriftenlisten abgeben. Eine Übersicht über die einzelnen Sammelstellen gibt es unter www.radentscheid-rosenheim.de.