Der Bahnhof in Rosenheim liegt in Trümmern. Nach mehreren schweren Bombenangriffen während des Zweiten Weltkriegs ist kaum noch zu erkennen, dass hier einmal reger Zugbetrieb herrschte. Die Aufnahme ist wohl im April 1945 entstanden, es gab das Motiv sogar als Postkarte. Heidi Woehl (76) aus Kolbermoor hat es als Foto auf dem Speicher gefunden, unter zahlreichen anderen Fotos, die ihr Mutter Karolina Krstic hinterlassen hatte, nach deren Tod im Jahr 2005. Vieles habe die Mutter, Jahrgang 1918, aufbewahrt, erzählt Heidi Woehl, die mit ihrer Familie in der Aiblinger Au aufgewachsen ist. Der Rosenheimer Bahnhof war in den Kriegsjahren wiederholt Ziel der Angriffe, galt er doch als bedeutender Verkehrsknotenpunkt und war Schnittpunkt der Strecken München-Salzburg-Wien und München-Innsbruck-Italien. Wie heftig der Bombenhagel war in den Monaten zwischen Oktober 1944 und April 1945, hat das Rosenheimer Stadtarchiv festgehalten: Der erste Angriff am 20. Oktober 1944 jährt sich an diesem Sonntag zum 75. Mal. Er begann um 12.47 Uhr. Bis 13.17 Uhr hatten mehr als 100 Flugzeuge die Stadt überflogen und rund 1000 Sprengbomben abgeworfen. Am Ende des Tages waren 27 Tote zu beklagen und 59 Verwundete. Dieser ersten Attacke folgten bis Ende 1944 sechs weitere, meldet das Stadtarchiv. Insgesamt mussten 47 Menschen ihr Leben lassen. Auch das Jahr 1945 brachte den Tod: Nach drei Angriffen am 20. Januar sowie am 5. und 16. Februar 1945 folgten im April weitere. Der schwerste Angriff datiert auf den 18. April des Jahres. Von 14.40 bis 14.55 Uhr flogen etwa 200 Flugzeuge die Stadt an. Innerhalb dieser nur 15 Minuten warfen sie 1300 Sprengbomben ab, die vor allem auf den Bahnhof fielen und ihn zerstörten. 53 Menschen starben, 36 wurden verletzt, 800 Menschen verloren ihr Zuhause. Der letzte von insgesamt 14 Angriffen auf Rosenheim erfolgte am 21. April 1945. Am Ende des Zweiten Weltkriegs hatten die Alliierten mehr als 4000 Spreng- und Brandbomben über Rosenheim abgeworfen. Insgesamt 200 Menschen fanden den Tod, 189 wurden verwundet. Fast 3000 Rosenheimer wurden obdachlos. Betroffen waren, neben dem Bahnhofsgelände, die Klepperwerke und andere Stadtgebiete. Darunter Randgemeinden wie Aising, Happing und Westerdorf St. Peter.Foto Woehl