Rosenheim – Ein Mann mit Ecken und Kanten, humorvoll, visionär, souverän und durchsetzungsstark: So bleibt Dr. Werner Scheuer seinen Weggefährten in Erinnerung. Vergangene Woche ist der Rosenheimer im Alter von 83 Jahren gestorben. Ein Leben ist zu Ende gegangen, das geprägt war vom Engagement für andere Menschen.
Ein Dasein im Sinne
von Aristoteles
Ganz nach dem Philosophen Aristoteles habe Scheuer gelebt, sagt Peter Nickl (63), Pastpräsident beim Rotary Club Rosenheim. Scheuer habe es als seine Pflicht angesehen, Gutes zu tun. Bereits 1966 war er in den Rotary Club Rosenheim aufgenommen worden. Zunächst als Sekretär, in den späteren Jahren zwei-Mal als Präsident, galt sein Augenmerk all jenen, die Hilfe brauchten. Für seinen außergewöhnlichen Einsatz bekam er den Paul-Harris-Fellow, die höchste Auszeichnung eines Rotary Clubs. Im Jahr 2009 wurde Scheuer zudem zum Ehrenmitglied ernannt. Er sei sehr traurig über Scheuers Tod, sagt Nickl. Den Weggefährten habe er als „lebensfrohen Menschen“ erlebt.
Aufgewachsen war Scheuer am Samerberg, in Obereck. 1952 kam er nach Rosenheim, arbeitete im Anschluss an das Jurastudium zunächst in der Kanzlei seines Vaters, Dr. Wilhelm Scheuer. Zwei Jahre später verließ er sie, kehrte erst 1991 zurück, zwei Jahre nach dem Tod des Vaters. Er legte die Kanzlei mit drei anderen zusammen und führte das große Büro erfolgreich über viele Jahre. Seine Kenntnisse nutzte er insbesondere für die rechtliche Beratung des Deutschen Skiverbandes.
Scheuer selbst fuhr gerne Ski. Fand aber auch sehr viel Freude am Segeln. Sein Schiff lag am Chiemsee, und es ist erst rund zwei Monate her, dass er die „Comentino 700“ dem Segler- und Ruderclub Simssee überließ. „Da dachte er sicher nicht an den Tod“, sagt Hans Reile, der Vorsitzende des Vereins. Scheuer habe vielmehr die Ausbildung der Jugendlichen im Blick gehabt. Ehrenmitglied war Scheuer seit 2007 in dem Verein, dem er rund 60 Jahre die Treue gehalten hat. „Seine Art war einmalig“, sagt Reile, „er wird uns fehlen.“
Fehlen wird Dr. Werner Scheuer auch den Freien Wählern/UP Rosenheim, deren Vorsitz er in den Jahren von 1978 bis 1984 übernommen hatte. Die heutige Vorsitzende, Christine Degenhart, nennt ihn eine „Triebfeder“ für die Entwicklung der politischen Gruppierung, dessen Gründungsmitglied wiederum Vater Wilhelm war. Der Vater sei „Vorbild“ gewesen, sagt Peter Nickl. „Aber er selbst wollte keine Kopie von ihm sein, sondern etwas ganz Eigenes.“
Überaus aktiv war Dr. Werner Scheuer nicht zuletzt über fünf Jahrzehnte im Kunstverein Rosenheim. „Enorm rührig, engagiert und ein großer, großer Kunstliebhaber“ sei er gewesen, sagt die Vorsitzende Elisabeth Mehrl. Auch hier übernahm er Leitungsaufgaben, auch hier war er Ehrenmitglied. „Ein Motor des Vereins“, so beschreibt ihn Mehrl. „Seine Liebe zur Kunst hat mich sehr berührt.“ bw