Ganz viel Hokuspokus

von Redaktion

Neun Zauberer gründen Ortszirkel in Rosenheim – Siegfried kündigt Besuch an

Rosenheim – Sie lassen Münzen verschwinden, schweben durch die Luft und beherrschen zahlreiche Kartentricks: In Deutschland gibt es rund 2900 Zauberer, die in 79 Ortszirkeln aktiv sind. Auch in Rosenheim hat sich jetzt der Verein „Club der Zauberer“ gegründet. Ein Zirkel, der bald schon prominenten Besuch aus Las Vegas bekommen könnte.

Christoph Pross zaubert für sein Leben gern. Bereits als kleiner Bub schaute der19-Jährige Kartentricks auf Youtube. Er versuchte, sie nachzumachen, testete seine Kunststücke an Freunden und Familie. Unter seinem Künstlernamen Chris McConnel tritt er heute bei Geburtstagen und Familienfeiern auf. Er lässt rote Schaumstoffbälle verschwinden, findet den Joker aus 52 Karten – ohne hinzuschauen. Er lässt es einfach aussehen, so, als ob er in seinem Leben noch nie etwas anderes gemacht hätte.

Fingerübungen
vor dem Fernseher

Hinter jedem Trick stecken viele Stunden harter Arbeit. „Manchmal dauert es zwei Jahre um einen Trick zu perfektionieren“, sagt er. Wenn Pross vor dem Fernseher sitzt, macht er seine Fingerübungen. „Fingerfertigkeit ist als Zauberer unheimlich wichtig.“

Seit drei Jahren beschäftigt er sich intensiv mit der Zauberei. Nach seinem Abitur schloss er eine zweijährige Ausbildung zum Zauberkünstler ab, bestand seine Aufnahmeprüfung für den Magischen Zirkel von Deutschland. Die Voraussetzung, um überhaupt einem Zauberverein beizutreten. Bei der Aufnahmeprüfung traf er auch zum ersten Mal auf den Rosenheimer Günther Schmitt. Die beiden verstanden sich auf Anhieb – die Liebe zur Zauberei verbindet sie.

Schmitt ist 71 Jahre alt, hat langes, braunes Haar. Vor 66 Jahren zauberte er zum ersten Mal. Er erinnert sich noch genau an diesen Moment. „Es war am Biertisch im Lokal meiner Eltern“, sagt er. Es sei ein einfacher Trick gewesen, „nichts besonders“. Trotzdem habe ihm die Reaktion der Gäste so gut gefallen, dass er beschloss, weiterzumachen. Zu Weihnachten bekam er seinen ersten Zauberkoffer. „Da war alles drin, was ich für den Anfang brauchte.“

Nach dem Studium arbeitet er als Ingenieur, eröffnete Jahre später sein eigenes Büro in der Aisingerwies. Die Zauberei spielte auch in dieser Zeit eine wichtige Rolle. Er trat bei Geburtstagsfeiern auf, baut seine eigenen Zaubergeräte. In seinem Haus richtete er ein Zimmer ein – um seine ganzen Requisiten unterzubringen. Mittlerweile konzentriert sich er sich voll und ganz auf das Zaubern, geht nur ab und zu ins Büro.

Schmitt war es auch, der die Idee hatte, einen Ortszirkel in Rosenheim zu gründen. „Bis jetzt mussten unsere Zauberer immer nach München oder Berchtesgaden fahren“, sagt er. Für ihn ein Ding der Unmöglichkeit – gerade für die jungen Teilnehmer.

Aber auch für die Zauberer, die eine Familie haben – wie Valentin Schwer. Als der heute 68-Jährige mit seiner Karriere begann, waren seine beiden Kinder klein. Lange Strecken zu den Ortszirkeln in München und Berchtesgaden kamen nur selten in Frage. Trotzdem hielt er an seinem Hobby fest. „Ich habe schon in meiner Jugendzeit immer Geld verschwinden lassen“, sagt er. Als er auf einem Flohmarkt ein Zauberbuch für fünf Mark entdeckte, sei es um ihn geschehen gewesen. Er zauberte anfangs nur für seine Kinder, trat später in Kindergärten und Kliniken auf.

Als Günther Schmitt ihn fragte, ob er Lust hat, Teil des neuen Ortszirkels in Rosenheim zu werden, musste er nicht lange überlegen. Auch einige weitere Zauberer aus Rosenheim, Grafing, Trostberg sowie Ruhpolding haben zugesagt und sind zum ersten Zirkeltreffen im Gasthof „Höhensteiger“ gekommen. Sie tauschen sich aus, zaubern gemeinsam. „Wir bringen uns auch gegenseitig Tricks bei“, sagt Schmitt.

Die wichtigste Regel dabei: „Das Trickgeheimnis darf niemals offenbart werden.“ Das werde den jungen Zaubern von Anfang an beigebracht. Die gebe es im Übrigen immer mehr. „Die Zauberei erlebt einen Boom“, sagt Schmitt. Auch dank Harry Potter.

Begeisterung bei
Siegfried und Roy

Günther Schmitt hofft, dass die Zahl der Mitglieder im Rosenheimer Ortszirkel in den nächsten Monaten steigen wird. Zwei prominente Teilnehmer jedenfalls könnte es schon bald geben: Schmitt informierte die berühmten Illusionisten Siegfried und Roy per E-Mail über die Neugründung des Vereins. Prompt erhielt er Antwort. Laut Schmitt habe sich Siegfried „närrisch gefreut“ und angekündigt, bei seinem nächsten Heimatbesuch, beim Verein vorbeizuschauen.

Mehr Infos

Der Club der Zauberer trifft sich jeden ersten Dienstag im Monat um 19 Uhr beim Gasthof Höhensteiger in Westerndorf St. Peter. Mehr Infos gibt es bei Günther Schmitt unter Telefon 0160/94545727 oder per Mail an gs@gs-plan.de.

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