Die Malerei hält ihn „aufrecht“

von Redaktion

Günther Schormair feiert 95. Geburtstag und hat bisher mehr als 1000 Bilder gemalt

Rosenheim – Versteckt hinter Tannen und Sträuchern liegt das Haus von Günther Schormair in Rosenheim. Es ist ein Künstlerhaus, mit pinken, grünen und blauen Wänden. Die Türen sind bemalt – vom Hausherrn selbst. Jetzt feierte er seinen 95. Geburtstag.

Günther Schormair hat in seinem Leben schon über 1000 Bilder gemalt. Das sagt er selbst. Im Wohnzimmer hängen Kunstwerke aus Aquarell und Öl, im Schlafzimmer stehen Tierskulpturen. In einem Schrank, gegenüber seines Bettes, stehen weitere Bilder, die an den Wänden keinen Platz mehr gefunden haben. Schormair malt Landschaften und Menschen, aber auch abstrakte Bilder in Pastell. „Ich habe mich schon immer für die Kunst interessiert“, sagt er.

Aufgewachsen in der Nähe von Wasserburg, besuchte Schormair das Ignaz-Günther-Gymnasium in Rosenheim. Nach der Schulzeit begann er sein Architektur-Studium an der Technischen Hochschule in München. Er arbeitete an Kirchen, übernahm die Bauleitung an der königlichen Residenz in München. Als er seine spätere Ehefrau kennenlernte, zog er in ihr Geburtshaus nach Rosenheim, in dem er noch heute lebt. In seiner Freizeit fuhr das Ehepaar Ski am Wendelstein, verbrachte Zeit mit den drei Kindern und den sechs Enkeln.

Als seine Frau vor sechs Jahren starb, war es vor allem die Kunst, die Günther Schormair durch die schwere Zeit half – aber auch seine Tochter Elisabeth. Sie ist Bildhauerin, lebt mit ihrem Mann in Amerika. „Elisabeth kommt mich, so oft es geht, besuchen“, sagt Schormair. Die beiden telefonieren täglich, tauschen sich aus und besprechen ihre Projekte. Gemeinsam stellten sie Hausaltare her, die mit Ikonenmalerei farbig gestaltet werden. „Das hält mich aufrecht“, sagt er.

Nach mehreren Stürzen sitzt der 95-Jährige im Rollstuhl, bekommt Unterstützung von der Arbeiterwohlfahrt und der Nachbarschaftshilfe. Aber er kommt noch gut zurecht, genießt die Momente, wenn er sein Haus für sich allein hat.

Dann sitzt er an seinem Schreibtisch, blickt durch das große Fenster auf einen Teil seines Gartens und malt. Er skizziert St. Nikolaus, die Rundkirche in Westerndorf St. Peter oder den Wendelstein. Ab und zu hält er inne, schaut auf eine der Fotografien seiner Frau, die im ganzen Haus verteilt sind. Dann malt er weiter.

Nur an seinem Geburtstag gönnt er sich eine Pause, verbringt den Tag mit Freunden und Familie. Auch der Zweite Bürgermeister der Stadt, Anton Heindl, gratulierte.

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