Rosenheim – 70 Jahre lang teilen sie schon ihr Leben: Christina (92) und Heinz Daumeter (94) aus Rosenheim haben im Jahr 1949 geheiratet und sind seitdem unzertrennlich. Jetzt haben sie ihre Gnadenhochzeit gefeiert.
Als Heinz Daumeter – gemeinsam mit zwei Freunden – den Faschingsball in Salzwedel im Jahr 1949 besuchte, wollte er einfach nur Spaß haben, wollte die vergangenen Jahre für einige Stunden vergessen. Der Zweite Weltkrieg steckte ihm in den Knochen. Er war mit 17 Jahren eingezogen worden, wurde später aus der amerikanischen Kriegsgefangenschaft nach Hamburg entlassen. Und zog von dort nach Salzwedel. Auf dem Faschingsball suchte er nach Ablenkung – und fand die große Liebe.
Das Schachspiel
verbindet das Paar
Denn auch Christina, damals 22, war zu dem Ball gekommen. Sie trug ein Schachkostüm, selbst genäht. „Es war Liebe auf den ersten Blick“, sagt Heinz Daumeter 70 Jahre später. Er sei schon damals ein begeisterter Schachspieler gewesen, sprach die Frau in dem schwarz-weißen Kostüm sofort an. Sie tanzten, trafen sich nach dem Ball in einem Lokal und spielten eine Partie Schach. Heinz Daumeter verlor, hatte gegen seine zukünftige Frau keine Chance. „Ich habe ihm die ganze Zeit gesagt, er soll lieber auf sein Brett schauen, als mich anzustarren“, sagt Christina Daumeter. Sie lacht, erinnert sich genau an diesen Moment.
Am nächsten Tag trafen sich die beiden wieder, besuchten ein Fußballspiel. Danach sei alles ganz schnell gegangen. Es wurde geheiratet, das erste Kind kam zur Welt. Einige Jahre später folgte das zweite.
Von Salzwedel zog das Paar nach Oldenburg. Dort gingen sie bei einem Obsthändler in die Lehre – und blieben sechseinhalb Jahre. Danach hat sich das Paar selbstständig gemacht, erst mit einem Tante-Emma-Laden, später kam ein zweiter hinzu. 30 Jahre lang verkaufte das Paar Obst und Gemüse an die Bewohner Oldenburgs.
Christina Daumeter polierte jeden Apfel selbst, beschriftete alle Waren selbst, kümmerte sich um die Gestaltung der Schaufenster. Ihr Mann fuhr jeden Morgen auf den Großmarkt. „Die Waren waren damals sehr knapp. Wenn ich nicht rechtzeitig beim Großmarkt war, gab es nichts mehr“, sagt Heinz Daumeter.
Es seien anstrengende Jahre gewesen, mit Tagen, an denen die beiden zehn Stunden oder länger arbeiteten. Zeit für Hobbies und Freunde habe es damals nicht gegeben. Urlaub gönnten sich die beiden trotzdem. Sie fuhren nach Garmisch, besuchten die Tochter in Rosenheim. Später gab es Familienurlaube in Nordafrika, Tunesien, der Karibik und den Kanarischen Inseln.
Mit Mitte 60 zog sich das Paar aus dem hektischen Arbeitsalltag zurück. Sie schlossen die beiden Tante-Emma-Läden.
Seniorenbridge
und Malerei
Langeweile gab es trotzdem nicht. Christina Daumeter begann Seniorenbridge zu unterrichten. Heinz Daumeter widmete sich der Malerei und der Holzarbeit. So baute er beispielsweise ein Segelschiff, das heute im Wohnzimmer der beiden steht. „Ich habe jedes Stück ausgesägt und anschließend zusammengesetzt“, sagt er. Zweieinhalb Jahre habe der Bau gedauert, ganz ohne Anleitung. „Ich probiere einfach alles aus und meistens funktioniert es auch“, sagt der 94-Jährige.
Schach spielen die beiden auch weiterhin. Fast täglich gibt es eine Partie. „Es ist anstrengend, weil man ganz schön aufpassen muss“, sagt Christina Daumeter. Ganz so einfach wie vor 70 Jahren sei es heute nicht mehr, gegen ihren Mann zu gewinnen. „Das würde sonst auch keinen Spaß machen. Es ist wichtig, dass man einen ebenbürtigen Partner hat“, sagt sie.
Vor zweieinhalb Jahren zog das Paar dann nach Rosenheim, zur Tochter und deren Mann. Den Umzug haben beide ganz alleine bewältigt. „Wir hätten selbst nie gedacht, dass wir mit 90 Jahren noch mal umziehen“, sagt Heinz Daumeter. Sie fühlen sich wohl in Rosenheim, haben in ihrer neuen Wohnung alles, was sie brauchen. An den Wänden im Wohnzimmer hängen Heinz Daumeters selbst gemalte Bilder, überall stehen seine Holzarbeiten. Rechts neben dem Sofa findet ein Schachbrett aus Glas Platz. Es geht ihnen gut, das betonen sie selbst immer wieder. Sie geben sich gegenseitig Kraft, halten zusammen, auch wenn es mal nicht so läuft. „Ärger gibt es überall“, sagt Christina Daumeter und fügt hinzu: „Aber Heinz hat immer zu mir gestanden. Ich möchte ihn nicht missen.“ Liebevoll schaut sie zu dem Mann, mit dem sie die vergangenen 70 Jahre verbracht hat. „Das gemeinsame Leben hat uns einfach zusammengeschweißt“, ist sich das Paar einig. Auch der Zweite Bürgermeister der Stadt, Anton Heindl, gratulierte.