Zu „Holpriger Start für neuen Busverkehr“, erschienen im Lokalteil:
Die Zahnlosigkeit der Stadtpolitik gegenüber der Monopol- und damit Machtstellung des SVR ist unverständlich und empörend angesichts der öffentlichen Aufgabe ÖPNV. Sind Lizenzen denn nicht auch an das Einhalten von Auflagen und gesetzlichen Vorschriften gebunden? Können sie, wenn nötig, nicht auch widerrufen werden?
Rosenheims Stadtbusse genießen zweifelhafte Berühmtheit dafür, Geschwindigkeitsbeschränkungen häufig zu missachten, andere Fahrzeuge durch fehlenden Abstand zu nötigen. Konfrontiert man als Passagier Fahrer mit ihrem Verhalten, bekommt man als Standardantwort, der Fahrplan müsse eben eingehalten werden.
Koste es, was es wolle – am 16. September etwa landete der zu diesem Zeitpunkt einzige Fahrgast der Linie 3 schwer verletzt auf der Intensivstation nach einem Auffahrunfall, der dadurch mitverursacht wurde, dass vermutlich annähernd doppelt (!) so schnell gefahren wurde wie an dieser Stelle erlaubt. Eine Entschuldigung oder Nachfrage hat das Unfallopfer bis heute nicht erhalten.
Ältere Fahrgäste und Menschen mit Behinderungen trauen sich mitunter kaum, den Bus zu benutzen, denn oft wird losgefahren, bevor der Fahrgast sitzt. Sehbehinderten Passagieren werden die Haltestellen nicht zuverlässig angesagt. Dies sind nur einige Beispiele. Unerträglich, dass es keine Kontrollen zu geben scheint und der SVR sich offenbar wie ein absolutistischer Großfürst aufführen darf.
Fahrgastzahlen zu bemühen, ist irreführend und zäumt das Pferd von hinten auf: Solange man sich als Fahrgast nicht auf besonnene und rücksichtsvolle Fahrweise verlassen kann, es keine alltagstaugliche Taktung des Busverkehrs an jedem Wochentag, zu jeder Tageszeit und in jedes Stadtviertel gibt, werden die Busse nahezu leer sein und nur von denjenigen benutzt werden, die nicht auf Auto, Fahrrad oder ihre Füße ausweichen können. In Städten mit umwelt- und sozial bewussterem ÖPNV sind Busse oder Trambahnen gut gefüllt. Bei aller berechtigten Globalisierungskritik: Eine engagierte französische, österreichische oder chinesische Firma als Mitbewerber könnte diesen verkrusteten Markt wohltuend im Dienste sicherer und umweltbewusster Mobilität für Rosenheims Bürger beleben.
Dr. Eva-Maria Glofke-Schulz
Rosenheim