Nachrichten von der Post

von Redaktion

Nach dem Aus am Ludwigsplatz: Neue Filiale in Sicht – SPD schreibt an Vorstand

Rosenheim – Kein Licht in den Fenstern und ein Blick in leer geräumte Räume: Seit 1. November ist die Postfiliale am Ludwigsplatz in Rosenheim dicht. Wer hier Briefmarken kaufen oder ein Paket aufgeben möchte, steht vor verschlossener Tür. Ein Zettel, der in der Eingangstür hängt, gibt Hinweis darauf, dass hier nichts mehr geht. Doch es gibt gute Nachrichten.

Ratlos steht der ältere Herr vor der Tür, die noch vor Kurzem beklebt war mit einem Banner im typischen Gelb der Post und dem dazugehörigen Posthorn. Briefmarken wolle er eigentlich kaufen, sagt er. Und schüttelt den Kopf. „Schlimm ist das“, brummelt er kurz und geht weiter. Wohin? Vermutlich zur Filiale an der Bahnhofstraße. Nicht der nächste Weg für einen Senior wie ihn.

Nachfolgefiliale
demnächst bei Rewe

Und doch besser als der Vorschlag, von dem zu lesen ist auf dem Zettel, der von innen an die Tür geklebt ist: Dort steht, dass die „Nachfolgefiliale“ am 18. November eröffnet, bei „Rewe“ in der Hofmillerstraße 1. Google Maps meldet eine Strecke von gut einem Kilometer, zu Fuß sind es 15 Minuten. Der nächste Weg ist das nicht.

Hatte die Post nicht einen „nahtlosen Übergang“ versprochen, um weiterhin die Versorgung mit Post-Dienstleistungen in der Innenstadt sicherzustellen? Mit der Schließung und der Neueröffnung am 18. November ziehen immerhin knapp drei Wochen ins Land.

Eine Situation, die nicht nur die Kunden der Post ärgert. Zumal derweil die Schlangen an den Schaltern an der Bahnhofstraße immer länger werden und damit die Wartezeiten.

Auch die Stadtratsfraktion der SPD in Rosenheim ist sauer. So sauer, dass der Fraktionsvorsitzende und Oberbürgermeisterkandidat Robert Metzger im Namen seiner Fraktion einen Brief an die Post geschrieben hat. Nicht irgendwohin bei der Post. Sondern gleich nach ganz oben, an den Vorstand der Deutschen Post AG, Dr. Frank Appel.

In dem Schreiben weist Metzger darauf hin, dass nicht nur Kunden betroffen sind, die Briefmarken kaufen wollen. Besonders hart treffe es all jene, die ein Postfach in den Räumen am Ludwigsplatz besessen haben. Sie müssten nun nach Stephanskirchen zu „Schreibwaren Prechtl“ an der Salzburger Straße fahren und dort ihre Post abholen. Eine Situation, die einer Stadt mit 64000 Einwohnern nicht würdig sei. Schließlich sei Rosenheim durch seine Lage – „mit Abstand größte Stadt und Oberzentrum zwischen München und Salzburg und zwischen Landshut und Innsbruck – zentraler Anknüpfungsort für rund 260000 Bürgerinnen und Bürger aus dem Landkreis“. Sie alle erledigten ihre Postangelegenheiten in Rosenheim, „in Ermangelung von Postdienstleistungen in der Fläche“.

Angesichts dieser Situation hält es die SPD-Stadtratsfraktion „für dringend erforderlich (…) im nordöstlichen Teil der Stadt“ eine Postfiliale vorzuhalten. Der Brief endet mit der Bitte „um Beantwortung unseres Schreibens, wie auch um Neuigkeiten zu einem Ersatzstandort“. Ob der Brief Wirkung zeigen wird?

Immerhin: Eine Nachfrage des OVB bei der zuständigen „Deutsche Post DHL Group“ ergab: Der 18. November für die Eröffnung bei „Rewe“ bleibt. Bleiben wird „bis auf Weiteres“ auch der Umstand, dass die Postfachkunden nach Stephanskirchen fahren müssen.

Nicht nur der SPD-Stadtratsfraktion ist die Lage ein Dorn im Auge. Zu Wort meldet sich auch der Gewerbeverband Rosenheim, „als örtliches Sprachrohr für Gewerbetreibende, Einzelhandel wie auch für Bürger der Stadt“, wie sein Vorsitzender, der Zweite Rosenheimer Bürgermeister Anton Heindl (CSU), mitteilt. Die Anlaufstelle für Postkunden im Herzen der Stadt sei „eine der am stärksten frequentierten Postfilialen in Rosenheim“ gewesen. Der Standort sei „eine zentrale Einrichtung nicht nur für Gewerbetreibende und Einzelhändler, sondern auch für die vielen Privatkunden“ gewesen. Die Schließung sei „sehr bedauerlich“, findet Heindl. Auch er mahnt eine Lösung an. Denn jede Fahrt auf den Schloßberg würde viel Verkehr erzeugen und an der Filiale an der Bahnhofstraße fehlten die Kurzzeitparkplätze.

Für ein wenig Entspannung in dieser Filiale kann vielleicht der DHL-Paketshop sorgen, den die Post „im Dezember in der Innenstadt von Rosenheim“ eröffnen will, wie eine Sprecherin der „Deutsche Post DHL Group“ mitteilt. Zudem liefen Gespräche „für eine weitere Partner-Filiale in der Innenstadt“.

Ein Standort

mit Tradition

Das Gebäude Ludwigsplatz 4 hatte die Post seit mehr als 100 Jahren beherbergt. Zunächst war die Post Mieter gewesen, seit dem Jahr 1954 Eigentümer. 1995 verkaufte die Deutsche Post im Zuge der Deregulierung das Gebäude an den heutigen Besitzer und schloss die dort in Eigenregie betriebene Filiale. Die Schließung zum 1. November hatte ihre Ursache in der Kündigung des Nebenmieters: Die Textilreinigung und Färberei Max Dumm hatte den Standort aufgegeben. Inhaber Hubert Wolf hatte mitgeteilt, angesichts von hoher Miete und steigenden Personalkosten mache der Laden zu viel Minus.

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