Kolbermoor – Seine Lederhose hatte Wolfgang Büttner (55) nicht dabei, als er in Ecuador beim „Inti-Raymi- Fest“ zur Sonnenwende dabei war. Die hätte bestens gepasst, denn die Besucher aus Bolivien und Kolumbien sowie die Einheimischen trugen alle ihre Trachten – und aßen Meerschweinchen. Die hat Büttner aber nicht gekostet. Diese Feier ist eines der schönsten Erlebnisse, die der Kolbermoorer auf seiner zweimonatigen Radl-Reise durch Südamerika erlebt hat. Jetzt hält er zwei Vorträge über dieses Abenteuer (siehe Kasten), bei dem er rund 5000 Kilometer auf seinem Fahrrad zurückgelegt hat.
„Ich muss immer
wieder los“
Von Bolivien ging es über Peru nach Ecuador – vorbei am Titicacasee, über mit Pässen gespickten Straßen und durch die Atacama Wüste – „die trockenste Wüste der Erde“, erzählt Büttner, dessen achte große Radl-Reise es war. Zuvor war er in Syrien, Jordanien, Australien, Neuseeland sowie Mittel- und Südamerika unterwegs. Die meisten Reisen unternimmt er alleine. Seither hat ihn das Reisefieber gepackt: „Ich muss immer wieder los. Das größte Highlight ist es überhaupt zu reisen, unterwegs zu sein.“
Rund ein Jahr bereitet er sich auf so eine Reise vor – „Vorfreude ist ja die schönste“. Er wälzt Kartenmaterial, überlegt wie lange er von A nach B braucht. Sein Rad wird im Vorfeld „auf Herz und Nieren geprüft“. Obendrein hat er das nötigte Werkzeug dabei sowie zwei Fahrradschläuche.
Und, bereitet er sich körperlich auf die Reisen vor? „Ich radele jeden Tag und mache auch hier Touren, dass reicht. Und ich sage immer: Die Fitness kommt unterwegs. So eine Reise kann wirklich jeder machen, das sage ich auch immer bei meinen Vorträgen.“
Bei seiner Tour von Bolivien über Peru nach Ecuador radelte er rund 100 Kilometer am Tag – bis zu zehn Stunden. Vorbei an grandiosen Landschaften – Berge, Wüste, Meer, Dschungel und Co. Auch die Menschen waren „freundlich zurückhaltend“, erzählt er. An eine Begebenheit erinnert er sich besonders: Da ging es ihm ziemlich schlecht. Er wurde von einem Lkw-Fahrer mitgenommen und der brachte ihn in ein abgelegenes, ärmliches Bergdorf. Dort angekommen, schleppte er sich in eine Spelunke – „die Frau sah mich, sagte, du kannst hier übernachten und gab mir einen Strohsack“. Nach dem Motto „Gott richtet es schon, und so war es auch.“
Wird man demütig? „Oh ja.“ Die Landbevölkerung in Peru ist bitterarm. „In den Lehmhütten gibt es eine Feuerstelle, obwohl es nachts bitterkalt ist, die Wäsche wird am Fluss gewaschen.“ Das war eines der Erlebnisse, das er nie vergisst. Am „intensivsten“ war allerdings die „Hundeplage“ in Peru. Auf jeder Straße liefen Büttner „aggressive, kläffende“ Hunde nach –„ich habe immer nur gedacht, wo kommt jetzt wieder einer herausgeschossen“, erinnert er sich. Im Vorfeld hatte er bereits davon gehört und vorsichtshalber Pfefferspray mitgenommen.
Es lag auf jeden Fall nicht an ihm und seinem Radl, „sie laufen jedem hinterher und bellen wie verrückt“. Da wurde ihm schon des Öfteren mulmig zumute. Aber gebissen hat ihn keiner – nicht auszudenken, wenn ihm einer ins Bein gebissen hätte. Aber wie sagte die Frau in dem armen Bergdorf? Gott richtet es schon. Die Hunde hat er auch mit seinem Handy aufgenommen – „das zeige ich bei dem Vortrag auch“. Den nächsten Vortrag hat er noch nicht ausgetüftelt – schließlich steht vor jedem eine Reise. Und die nächste ist bereits geplant und zum Greife nahe: Ende November geht es in den Oman – sieben Stunden fliegt er mit seinem auf Herz und Nieren geprüften Radl nach Maskat. Die Lederhose hat er nicht im Gepäck – aber jede Menge Vorfreude.