Flammendes Mahnmal als Protest

von Redaktion

Mehr als 400 Menschen kamen zur Infoveranstaltung zum Brenner-Nordzulauf

Kolbermoor – „Wir sind hier, um Flagge zu zeigen.“ So begründete eine junge Kolbermoorer Familie, warum sie am Samstag zum Mahnfeuer gegen den Brenner-Nordzulauf gekommen war. Ein Motiv, das sie wohl mit vielen der etwa 400 Kolbermoorer teilte, die zu der von der Bürgerinitiative „Nordzulauf Kolbermoor“ (BI) organisierten Aktion gekommen waren.

Die Meinung, es sei wichtig, dass der Protest der Bürger gegen die Planung deutlich sichtbar wird, war jedenfalls an dem Abend immer wieder zu hören. Bürgermeister Peter Kloo bedankte sich ausdrücklich bei den Bürgern für ihr Kommen.

Ihr Engagement und ihre Anwesenheit seien ein Appell an die Berliner Politik, die Verkehrsprobleme von den Grundlagen her anzupacken: Durch die Erstellung eines zeitgemäßen Verkehrskonzeptes, das den Nahverkehr mit einschließe und schon jetzt danach trachte, die Inntalstrecke als Kostensparroute für den Lkw-Verkehr uninteressant zu machen. „Ohne solche Überlegungen bleiben Neubaustrecken ohne jedes Fundament.“

Zahl der
Interessierten steigt

Gefreut haben dürfte sich Kloo aber auch über eine weitere Gruppe von Teilnehmern. Neben jenen, die sich gut informiert über den Stand der Planungen zeigten und ihrem daraus resultierenden Unbehagen Ausdruck geben wollten, gab es viele, die sich erstmals über die Problematik zu informieren suchten.

„Ich bin gerade erst dabei, mich in das Thema einzufinden“, sagte ein Kolbermoorer und beleuchtete damit eine Tatsache, die Ralf Exler, Sprecher der BI, immer wieder betont: „Der Umstand, dass die BI mehr als 1200 Mitglieder hat, darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass es sehr viele Kolbermoorer gibt, die von den Diskussionen bislang fast gar nichts oder nur sehr wenig mitbekommen haben, die also nach wie vor keine Ahnung davon haben, was da auf sie zukommt.“

Für die BI sind Aktionen wie das Mahnfeuer auch ein Mittel, um das Thema an diese Personengruppe heranzutragen. Deshalb hatte man im Vorfeld 8000 Flyer verteilt, also so gut wie jeden Haushalt in Kolbermoor informiert. Auch aus diesem Grund hatte man an der Versammlungswiese, direkt an der Staatsstraße, ein Gestell errichtet, das Höhe und Breite des Trassenverlaufs verdeutlichen sollte. Dieser darf nämlich der Länge der zukünftigen Güterzüge wegen nur minimale Steigungen aufweisen, muss deshalb über weite Strecken „aufgeständert“ verlaufen, auch in der Aiblinger Au.

Das heißt, die Unterkante der Bahntrasse liegt dann in etwa sechs Meter Höhe. Darauf kommen noch die Fahrdrahtführung und der Betonaufbau der Lärmschutzeinhausung, sodass man es, wie Exler verdeutlicht, mit einem Bauwerk von wohl mindestens zehn Metern Höhe und sechs Metern Breite zu tun habe. Eine Fackelstrecke zeigte an diesem Abend, wie die Trasse sich quer durch bislang unberührte Felder ziehen würde.

War diese Verdeutlichung schon für diejenigen verblüffend, die den Trassenverlauf an sich bereits kannten, war er für die „Neulinge“ unter den Teilnehmern ein echtes Aha-Erlebnis: „Dass die Trasse hier verläuft und dass das dann so aussieht, davon haben wir nichts gewusst“, war eine Äußerung, die nicht nur einmal zu hören war. Manche schienen von der neuen Erkenntnis richtiggehend aufgeschreckt: „Welche Chance haben wir denn noch, was können wir dagegen tun?“, fragte einer die Umstehenden. Deren Überzeugung: „Wir müssen schauen, dass das Problem überregional bekannt wird. Dass das hier alles Wahnsinn ist, muss bis nach Berlin dringen.“

Meinungsbildung
enorm wichtig

Eine Ansicht, die die BI teilt, die dabei gewissermaßen von unten nach oben vorgeht: Möglichst viele Kolbermoorer Bürger über die Planungen und ihre Folgen zu informieren, ist das erste Ziel. Jeder einzelne müsse in der Lage sein, sich zum Brenner-Nordzulauf eine fundierte eigene Meinung zu bilden, meint Exler.

Für alle, die dagegen seien, gebe es zunächst dann zwei konkrete Schritte: Der eine sei das Unterzeichnen einer Petition, bei der gefordert wird, den Ausbau der bestehenden Bahnstrecke als gleichberechtigte Alternative zum Trassenneubau zu untersuchen. Diese Petition sei, so Exler, obschon bereits im Juli eingereicht, immer noch in der Prüfungsphase. Sobald sie genehmigt sei, werde von der BI darüber informiert, denn das Zeitfenster zur Unterzeichnung sei dann mit vier Wochen nur sehr kurz.

Der zweite Schritt bezieht sich auf ein Raumordnungsverfahren, das, so Exler, in absehbarer Zukunft eröffnet werden solle. Für dieses Verfahren gibt es verschiedene Varianten, üblicherweise werden aber nicht nur die „Träger öffentlicher Belange“ beteiligt, sondern „jedermann erhält Gelegenheit zur Stellungnahme“, wie es zum Beispiel in einer Veröffentlichung der Akademie für Raumforschung und Landesplanung heißt. Konkretere Informationen gebe es von der Bahn am 28. November. Die BI werde auch darüber umgehend informieren und in der Folge auch beim Formulieren etwaiger Einwände helfen.

Beide Schritte, da sind sich Bürgermeister Kloo und Exler einig, sind die nächsten Möglichkeiten, um dem Protest ein überregionales Gehör zu verschaffen, der, und auch daran ließen sie keinen Zweifel, „seine Deutlichkeit nicht zuletzt aus der Tatsache bezieht, dass nach wie vor alle Bürgerinitiativen im Planungsraum an einem Strang ziehen“.

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