Große Freude über „kleinen Geburtstag“

von Redaktion

Der GTEV Rosenheim 1 Stamm besteht seit 130 Jahren – 300 Gäste feiern

Rosenheim – Mit einer „kleinen Geburtstagsfeier“ wollen die Mitglieder des GTEV Rosenheim 1 Stamm das 130-jährige Bestehen ihres Vereins begehen. Dass zum Fest am heutigen Samstag, 16. November, dann doch rund 300 Teilnehmer erwartet werden, liegt an der tiefen Verwurzelung der Trachtler in der Stadt, aber auch in der Region.

Mitglieder sollen
Zusammenhalt spüren

Regelmäßig alle fünf Jahre feiern die Trachtler im GTEV solche Geburtstagsfeste, sagt der Zweite Vorstand, Franz Grießl (55). Zu Gast sind dann immer die Partnervereine und die befreundeten Brüdervereine aus Rosenheim. Eine schöne Tradition, die das Zusammenkommen auch zu weniger prägnanten Jubiläen möglich macht. Das ist wichtig, findet Franz Grießl, vor allem aber auch seine Mutter Betti Grießl (85), die dem GTEV Rosenheim 1 Stamm seit 1946 angehört und heute Ehrenmitglied ist. Man müsse sich kümmern um den Zusammenhalt, Sitt‘ und Tracht ehren und dafür sorgen, dass sich die Mitglieder nicht so sehr vereinzeln, wie das heute in unserer Gesellschaft häufig der Fall sei, finden die beiden. Auch die Erste Schriftführerin Sonja Barthel, mit 35 Jahren deutlich jünger als die Grießls, hat diese Tendenz bemerkt. Umso wichtiger sei es, die Feierlichkeiten nicht nur für ein gemütliches Beisammensein zu nutzen, sondern etwa, um langjährige Mitglieder zu ehren, um zu zeigen, dass es eine Treue zum Verein gibt, die die Jahre überdauert. Die selbst dann bestehen bleibt, wenn Tracht und Vereinswesen an Attraktivität verlieren. Es seien Wellenbewegungen, eigentlich wie bei vielen Vereinen, sagt Franz Grießl. Mal sei es gefragter, Tracht zu tragen, sich im Verein zu engagieren, mal weniger. 300 Mitglieder zählt der GTEV Rosenheim 1 Stamm. Ganz ordentlich für einen Stadtverein, sagt Franz Grießl, gebe es doch gerade in der Stadt sehr viel mehr andere Angebot an Freizeitmöglichkeiten.

Tracht als ein
Stück Heimat

Vielleicht liegt der Zuspruch zum Verein darin begründet, dass Tracht ein Stück Heimat bietet, eine Möglichkeit der Identifikation. Denn jede Tracht, so auch die Miesbacher des GTEV, lässt Rückschlüsse zu, aus welcher Region ihr Träger kommt. Und schafft andersherum die Verbindung ihres Trägers zur Heimat, egal, wo er gerade ist.

Der GTEV Rosenheim 1 Stamm findet seinen Ursprung rund um den Wendelstein. 1889 hatte ihn Alois Bach gegründet. Bach, Jahrgang 1863, war in Rosenheim ein bekannter Mann. Nicht nur als Besitzer des Hotels „Deutscher Kaiser“. Bach war auch einer, der das Leben mit Vergnügen nahm, der das Theaterspiel in Rosenheim prägte – und eben den Trachtenverein gründete, um die Gemeinschaft zu fördern. Eine Tradition, die die Trachtler heute fortleben lassen: Noch immer wird im GTEV Rosenheim 1 Stamm regelmäßig Theater gespielt.

Das erste Trachtenfest des Vereins fand 1890 in der Stadt statt, unter der Teilnahme vieler anderer Trachtenvereine, die sich in den Jahren zwischen 1864 und 1890 auf dem Land gegründet hatten. Dieses Fest war zudem Anlass zur Gründung des „Gauverband 1“.

Die Gründerjahre sind längst vorbei. An das, was bisher geschehen ist, erinnern heute große, schwarz eingebundene Protokollbücher. Die ersten beiden sind in den Wirren des Zweiten Weltkriegs verloren gegangen. Die, die noch existieren, enthalten, fein säuberlich mit der Hand geschrieben, alle Ereignisse aus dem Vereinsleben.

Bemühungen
um Nachwuchs

Und wie wird es weitergehen in der Zukunft? Nachwuchssorgen plagen den Verein, auch wenn die Jugendarbeit gut läuft. Die gesellschaftlichen Entwicklungen, der Wunsch etwa, sich nicht mehr verbindlich über eine längere Zeit zu engagieren, verändern das Miteinander im Verein. Doch trotz dieser und anderer Hürden: Aufstecken wollen die Trachtler nicht. „Wir müssen uns anpassen, auf die Veränderungen eingehen“, sagt der Zweite Vorstand Franz Grießl.

Jetzt aber ist, nach dem Besuch des Gottesdienstes in der Nikolaus-Kirche am vergangenen Wochenende, erst einmal Zeit zum Feiern: heute, Samstagabend, 16. November, um 19 Uhr im Mareissaal in Kolbermoor. Einlass ist ab 18.30 Uhr.

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