Mehr Buslinien, bessere Takte

von Redaktion

Nahverkehrsplan verabschiedet: Stadträte wollen ÖPNV deutlich aufwerten

Rosenheim – Über viele Jahre hinweg lag der Nahverkehrsplan für Stadt und Landkreis Rosenheim in den Schubladen der Behörden. Nun aber ist er zurück auf den Schreibtischen, wird entstaubt und fortgeschrieben. Mehr Linien, bessere Takte und, im Idealfall, mit einem gemeinsamen Konzept für Stadt und Landkreis, soll er die Zukunft des ÖPNV gestalten. Nach der Zustimmung im Kreistag haben nun auch die Rosenheimer Stadträte den neuen Nahverkehrsplan (NVP) einstimmig auf den Weg gebracht.

Anreize für

den Umstieg

Das Busnetz wird enger geknüpft, der Takt ausgeweitet, vor allem abends und am Wochenende: Die Menschen in der Stadt sollen mit der Fortschreibung des NVP Anreize erhalten, auf den Bus umzusteigen, das eigene Auto häufiger als bisher in der Garage stehen zu lassen. In der Folge soll der Verkehr entlastet, sollen die Staus weniger werden – und am Ende auch das Klima profitieren.

Allerdings, darin sind sich die Stadträte einig, kann das neue Bussystem nur ein Baustein von mehreren sein, auf dem Weg zu weniger Individualverkehr. und damit weniger Staus. Verbesserungen für Radfahrer gehören ebenso dazu wie Lösungen für die angespannte Parkplatzsituation.

Wie sich der Weg dorthin gestalten lässt, das allerdings ist bisher nicht abschließend geklärt. Inhaltlich nicht, und auch was das Tempo betrifft, müssen die Stadträte die abschließende Strategie noch finden: So plädiert der CSU-Stadtrat und Oberbürgermeisterkandidat Andreas März dafür, nicht alles auf einmal umzukrempeln. Statt eines großen Wurfs lieber auf eine „Politik der kleinen Schritte“ zu setzen, um am Ende nicht im Chaos zu versinken oder in ein „Korsett“ gezwängt zu sein, das aufzuknöpfen nur schwierig möglich sein könnte.

Ganz anders sieht es Robert Metzger: Der SPD-Oberbürgermeisterkandidat und Vorsitzende der Stadtratsfraktion verlangt „große Schritte“, um wirklich etwas bewegen zu können. Dazu sei es falsch, sich angesichts einer grundsätzlichen Einigkeit „zu sehr auf die Schultern zu klopfen“. Der NVP könne nur so gut sein, wie er von zusätzlichen Maßnahmen flankiert werde, etwa durch bessere Fahrradverbindungen bis hin zum Fahrradschnellweg.

Ganz ähnlich betrachten die Grünen die Situation: Sich endlich, nach 14 Jahren Stillstand, auf den Weg zu einem zukunftsfähigen Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) zu machen, sei gut – wenn man denn das Ziel verfolge, dass der Zuwachs des ÖPNV „mindestens dem Zuwachs der Bevölkerung“ entsprechen muss. Das allein allerdings reicht auch nach Ansicht der Stadtratsfraktion der Grünen nicht aus: Sie fordert ein Verkehrsmanagement, das alle Verkehrsteilnehmer nicht nur betrachtet, sondern einschließt.

Auch Christine Degenhart, Stadträtin und Oberbürgermeisterkandidatin der Freien Wähler/UP Rosenheim, bevorzugt ein schnelleres Tempo. „Mittelgroße Schritte“ seien notwendig bei der Umsetzung des NVP. Immer aber mit Blick auf die unterschiedlichen Bedürfnisse der Kunden. Schließlich habe ein Pendler ganz andere Bedürfnisse als etwa ein Schüler.

Sorge um die

„Autostadt“

Sorge, die Autofahrer könnten an den Rand gedrängt werden, macht sich Stadtrat Rudolf Hötzel. Der Fraktionsvorsitzende der Republikaner sagte, Rosenheim sei eine Autostadt, dementsprechend „dürfen wir die Autofahrer nicht vergessen“. Dies sei insbesondere wichtig, weil Rosenheim als Einkaufsstadt nicht auf Kunden von auswärts verzichten könne. Das Sterben der Geschäfte sei Mahnung genug.

Dass der neue Nahverkehrsplan und die Gewichtung der einzelnen Verkehrsteilnehmer sehr gut als Wahlkampfthema taugen, aber nicht dafür missbraucht werden sollten, dafür spricht sich CSU-Stadtrat Daniel Artmann aus.

Am Ende also steht mit dem Beschluss nicht im Detail fest, wann die ÖPNV-Kunden welche Veränderungen spüren werden. Für die Stadt aber sei das neue Regelwerk von großer Bedeutung, sagte Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer (CSU). Denn nun könnten Stadt und Landkreis als Rosenheimer Verkehrsgesellschaft (RoVG) nicht nur gemeinsam als Aufgabenträger vor anderen Behörden auftreten. Man könne nun vielmehr mit der Regierung von Oberbayern über die Vergabe der Konzessionen verhandeln. Dies sei bisher immer abgelehnt worden – mit dem Hinweis, der Stadt fehle ein aktueller Nahverkehrsplan.

Mit dem SVR

in die Zukunft

Letztlich aber ist auch klar: Der „Stadtverkehr Rosenheim“, der die Buslinien in der Stadt eigenwirtschaftlich betreibt, soll auch in Zukunft im Boot bleiben. Soll das gelingen, müssen jedoch alle Beteiligten eine Lösung finden, die klärt: Wer in Zukunft wo über wie viele Jahre fährt, und wer was bezahlt. Ob es möglich sein kann Zuschüsse anzunehmen und wie es mit dem MVV-Verbund weitergehen soll. Nicht umsonst mahnte Robert Multrus, Stadtrat der Freien Wähler/UP Rosenheim: „Wir müssen auch die Busunternehmen im Blick haben. Es geht doch auch in einem Miteinander.“

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