Rosenheim – Rund 1000 Menschen haben am Freitag für einen besseren Klimaschutz demonstriert. Aufgerufen zum inzwischen sechsten Klimastreik in Rosenheim hatte die örtliche „Fridays for Future“-Gruppe. Doch es sind nicht nur Schüler, die aktiv werden: Die Jugendlichen bekommen Unterstützung von „Parents for Future Rosenheim“ sowie den in Rosenheim neu gegründeten „Students for Future“ und „Scientists for Future“.
„Wir wollen der Gruppe helfen, wissenschaftliche Fragen zu klären. Das Klima ist ein komplexes Thema, da können wir die Fakten und damit die Argumentationsgrundlagen liefern“, sagt Uli Spindler. Er ist Professor für Energie- und Gebäudetechnik an der Technischen Hochschule (TH). Sein Kollege Professor Mike Zehner pflichtet ihm bei: „Wir müssen die Energiewende als Chance begreifen. Dafür brauchen wir viel ,Manpower‘“. Die „Scientists“ planen im April einen Klimafrühling an der TH, auch Ringvorlesungen und Exkursionen mit den jungen Aktivisten stehen zur Debatte. „Die ,Fridays‘ helfen uns, unsere Erkenntnisse zu kommunizieren. Die Wissenschaft muss die Sprache der Straße lernen“, sagt Zehner. Dr. Andreas Mayr, der am Forschungsinstitut Roteg arbeitet, fügt hinzu: „Wenn wir auch Jugendliche für die technischen Studiengänge begeistern, hilft uns das, die Klimawende zu schaffen.“
Bei der Demonstration sprachen aber nicht nur die Wissenschaftler. Auf der Bühne am Mangfallpark Süd stellte sich ein Shop für faire Kleidung vor, Poetry Slammer Noris Lee trat auf und Connie Hackner von „Parents for Future“ appellierte an den Glauben, Veränderung herbeizuführen. Moderiert wurde die Veranstaltung von Paula Reissinger und Felix Laubner. Die beiden 17-Jährigen sind Schüler am Ignaz-Günther-Gymnasium. Für sie ist klar, dass die Demonstrationen immer noch nötig sind: „Wir wollen erst aufhören, wenn die nachfolgenden Generationen so leben können, wie wir es heute tun. Das von der Regierung beschlossene Klimapaket ist ein Witz“, sagt Reissinger.
Die Aktivisten der verschiedenen Organisationen „for Future“ werden in Zukunft weiter demonstrieren, sich aber auch der Kritik stellen. „In einer Demokratie ist die Diskussion miteinander wichtig. Wir wollen die Gesellschaft nicht spalten“, sagt Lauber. „Unsere Forderungen mögen manche für realitätsfern halten, aber die Konsequenzen des Nichtstuns wären noch schlimmer.“
Ob aus den vier Rosenheimer Gruppen irgendwann eine Organisation wird, steht noch nicht fest. Sicher ist aber, dass sie den Kampf für besseren Klimaschutz nicht aufgeben wollen. Greta Thunbergs Forderung, mehr auf die Wissenschaft zu hören, bekommt in Rosenheim durch die neuen „Scientists for Future“ besondere Relevanz. Oder wie es Professor Zehner ausdrückt: „Wie unwissenschaftlich darf die Politik sein?“ Kilian Schroeder