Rosenheim – Sie sind ein Zeichen ewiger Liebe, aber auch ein handfestes Problem: die Liebesschlösser an den Brücken im Rosenheimer Mangfallpark. Weil es immer wieder vorkommt, dass nach dem Beziehungsaus die Schlösser gewaltsam entfernt werden, will die Stadt jetzt die rund 700 „Liebesschlösser“ abmontieren. Für viele Paare eine traurige Nachricht.
Ein Schloss
nach der Verlobung
Noch aber hängen sie, in allen Farben. Die meisten sind mit persönlichen Widmungen versehen, fast alle haben eingravierte Namen und Herzen. Einige rosten schon, andere glänzen noch. Silvia und Markus, G + V, Victoria und Dominik. Sie alle haben sich im Rosenheimer Mangfallpark ewige Liebe geschworen, symbolisch besiegelt mit einem Schloss, dass sie am dünnen Draht der Brücken befestigt haben. Der Schlüssel wurde anschließend – wie es das Ritual vorsieht – in den Fluss geworfen.
Auch Marina (26) und Patrick Sarnecki (28) haben sich im Mangfallpark verewigt. Ihr Schloss ist rot, mit zwei ineinander verschlungenen Herzen. Oben stehen die beiden Namen, unten das Datum, an dem sie ein Paar geworden sind. Vor vier Jahren, am 27. Januar 2015. Marina Sarnecki arbeitete damals auf Mallorca, kam nur über Weihnachten zurück in die Heimat, um ihre Familie zu besuchen. Als sie mit ein paar Freunden abends in die Disco ging, lernte sie Patrick kennen. Die beiden tanzten, unterhielten sich. Am nächsten Tag flog Marina Sarnecki zurück nach Spanien. Die beiden blieben in Kontakt. Drei Wochen lang telefonierten sie, schrieben sich Nachrichten. Dann traf Marina Sarnecki die Entscheidung, die ihr Leben für immer veränderte: „Ich hab‘ in Mallorca alles verkauft und bin nach Rosenheim gezogen. Für die Liebe.“
Die beiden zogen zusammen, ein Jahr später machte Patrick seiner Marina einen Heiratsantrag. Zum Antrag dazu gab es ein Schloss, mit Gravur. Und genau das hängt jetzt im Mangfallpark. Seit drei Jahren. Das Paar ist mittlerweile verheiratet, hat zwei Kinder. Immer wieder besucht die kleine Familie das Schloss. „Es ist einfach eine schöne Erinnerung“, sagt Patrick Sarnecki. Doch diese Erinnerung wird es bald nicht mehr geben. Die Stadt entfernt die „Liebesschlösser“, will das Anbringen neuer Schlösser in Zukunft untersagen.
Aber es ist nicht die Liebe, mit der die Stadt Rosenheim ein Problem hat, sondern mit den Trennungen. Immer wieder komme es vor, dass Menschen nach dem Liebesaus das Schloss mit Gewalt vom Drahtgeflecht der Geländer reißen und Löcher sowie scharfe Enden zurücklassen. Diese stellten eine Gefahr für Kinder und Tiere dar, meldet die Stadt.
Marina Sarnecki versteht das, kann das Handeln der Stadt nachvollziehen. Trotzdem ist sie traurig: „Es ist ein Stück Tradition, das verloren geht.“ Für sie steht fest: „Wir kaufen uns ein neues Schloss und suchen einen anderen Platz.“ Wo genau der sein wird, weiß das Paar noch nicht. Nur eins steht fest: Im Mangfallpark wird es nicht sein.