Gemeinsam statt einsam

von Redaktion

Caritas-Seniorenbegegnungsstätte mit zusätzlichem Angebot im Advent

Rosenheim – Mit der Weihnachtsstimmung in der staden Zeit ist es so eine Sache. So lange man im Berufsleben steht, vielleicht auch Kinder hat, ist die Zeit vor Weihnachten oft purer Stress. Wird man alt, leben die Kinder oft weit verstreut. Viele sind ohne Lebenspartner – da bleiben im Advent oft nur graue Tage und die bange Frage: Was mach ich an Weihnachten, wie bring ich die Feiertage rum? Zumindest für die Älteren möchte die Caritas-Begegnungsstätte für Senioren heuer eine Lösung anbieten. Neben einer gemeinsamen Weihnachtsfeier an Heiligabend werden drei adventliche Nachmittage organisiert – der erste am heutigen Donnerstag.

Dankbar für

derartige Angebote

Wer jetzt denkt, dass es drei Nachmittage auch nicht rausreißen, der vergisst, wie dankbar einsame Menschen für derartige Angebote sind. Wie beispielsweise Sieglinde Hofmann (77), die seit langem eine überzeugte Besucherin der Seniorenangebote der Caritas ist und sich schon arg auf die Weihnachtsveranstaltungen freut.

Denn eine einzige solche Veranstaltung, so sagt sie, kann einem die ganze Woche verschönern, weil sie ihr ein kleines Glanzlicht aufsetzt: „Ältere Menschen haben oft einen gleichförmigen Alltag. Da vergeht ein Tag wie der andere, kein Höhepunkt, keine Anregung.“ So eine Veranstaltung aber, erklärt Sieglinde Hofmann, gäbe der Woche Struktur. Man habe vorher etwas, worauf man sich freuen, worauf man hinleben könne und hinterher etwas, von dem noch ein bisschen zu zehren sei.

Und vor allem dieses Nachklingen wird laut Hofmann oft unterschätzt: Gerade für die, die sonst nur wenig außer Haus gehen, sei die Tatsache, dass man draußen war und unter Leuten, etwas, was der Restwoche eine positivere Färbung geben könne: „Der Alltagstrott wird unterbrochen, man hat was erlebt. Nach meiner Erfahrung ist damit für viele zumindest eine gewisse Zeit lang das Denken und Grübeln weg, das sonst immer nur um die ewig gleichen Dinge kreist.“

Für das Team von der Caritas ist dieses Ausbrechen-Können aus den gewohnten „Denk- und Grübelmustern“ gerade in der Weihnachtszeit wichtig. „Eigentlich“, sagt Sozialpädagogin Hedwig Petzet von der Gemeindecaritas, „sollte die Adventszeit ja eine Zeit der Vorfreude sein.

Bei Kindern ist das meist auch noch wirklich der Fall, und bei älteren Menschen wiederum sind Kindheitserinnerungen ja oft wieder sehr präsent.“ Die hätten die Chance, quasi aus der Erinnerung heraus, die Weihnachtszeit „noch einmal sehr positiv zu erleben“. Petzet: „Es fehlt da vielleicht nur der kleine Anstoß von außen.“

Und genau den möchten die Organisatoren mit den Adventstreffen geben: Gemeinsames Singen, kleine Texte, die die Bedeutung der Weihnachtszeit aufgreifen – das Ganze bei halbwegs tauglichem Wetter um einen geschmückten und leuchtenden Weihnachtsbaum im Garten des Caritas-Hauses. Danach gibt’s im Warmen Plätzchen, Stollen und Kaffee: All das, weswegen die Adventszeit in der Erinnerung eine besondere Jahreszeit war, wird Teil der Veranstaltungen sein.

Das Negative hingegen, das Grau in Grau eines allein verbrachten Dezembers, ist zumindest für einige Stunden kein Thema mehr. Und dann, als Höhepunkt, die gemeinsame Weihnachtsfeier an Heiligabend, die in den Besuch einer Seniorenchristmette mündet.

Sieglinde Hofmann würde sich wünschen, dass möglichst viele kommen. Denn sie ist überzeugt, dass die eine oder der andere dabei sogar den Mut fassen würde, um sich die anderen Seniorenangebote der Caritas einmal anzuschauen. Ihrer Erfahrung nach fragen sich die meisten, die einmal den ersten Schritt gewagt haben, warum „um Himmels willen“ sie nicht schon früher auf diese Idee gekommen sind.

Hofmann: „Denn hier gibt’s fast nichts was es nicht gibt: Singen, Tanzen, Basteln, Kochen, Schafkopf-Spielen, Malen, Sprachenlernen, gemeinsame Tagesausflüge – all das wird hier angeboten“. Man müsse sich nur einmal überwinden, sagt Sieglinde Hofmann.

Natürlich kennt sie auch das beliebte Gegenargument: „Ich kenn da doch keinen.“ Dabei sei das überhaupt kein Problem: „Jeder, der dazustößt, ist sofort mittendrin. Die meisten erinnern sich hinterher nicht einmal mehr an die Angst vor dem Fremdsein, die sie vorher hatten.“

„Zögerliche Neubesucher“

Sieglinde Hofmann weiß, wovon sie spricht. Denn sie fand an der Caritas-Begegnungsstätte so viel Positives, dass sie sich seit einigen Jahren dort auch ehrenamtlich einbringt und deshalb auch immer wieder mit „zögerlichen Neubesuchern“ in Kontakt kommt. „Manche der Senioren“, so erzählt sie lachend, „denken sich auch: ,Lauter alte Leute – was soll da ich dabei? Da geht’s doch nur um Krankheiten und um die Enkel. Das muss ich nicht haben‘“.

Dabei säße man ja nicht rum, um immer über dasselbe zu reden: „Wir tun was, und das Ratschen ist dann nur Beigabe zum Lachen und zum Miteinander Zeit verbringen.“

Ihr Fazit ist deshalb eindeutig: Der Entschluss, zu den Adventsveranstaltungen hinzugehen, mag vielleicht einiges an Überwindung kosten, kann aber mehr als nur die Weihnachtszeit verändern.

Weitere Informationen

Die Adventsveranstaltungen finden an drei Donnerstagen statt 5. Dezember, 12. Dezember und 19. Dezember jeweils um 14 Uhr im Caritas-Zentrum in der Reichenbachstraße 5. Die Veranstaltungen sind kostenfrei, denn sie werden von der Aktion „Adventrufe“ finanziert. Am Dienstag, 24. Dezember, findet – ebenfalls ab 14 Uhr im Caritas-Zentrum – eine Weihnachtsfeier statt. Wer möchte, kann anschließend mit zur Seniorenmette in der Kirche St. Sebastian, der ehemaligen Klosterkirche, kommen. Für diese Veranstaltung wird ein Fahrdienst organisiert, der die Teilnehmer zum Caritas-Zentrum bringt, anschließend zur Christmette und danach wieder nach Hause fährt. Auch dieser Service ist kostenfrei. Einzige Voraussetzung: Anmeldung bei der Begegnungsstätte für Senioren im Caritas-Zentrum Rosenheim, Telefon 08031/203760.

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