Jugendbildungshaus statt Hotel?

von Redaktion

Gelände am Happinger See soll in Zukunft für Jugendarbeit genutzt werden

Rosenheim – Der Happinger See mit seinem klaren Wasser, den kleine Buchten und dem Bergpanorama zählt zu den schönsten Plätzen Rosenheims. Klar, dass es für dieses idyllische Fleckchen Erde schon immer viele Interessenten gab. Jetzt hat der Stadtjugendring einen Vorschlag gemacht: Aus dem ehemaligen Gasthaus „Hubertus“ soll ein Jugendbildungshaus werden.

Empörung vor
zehn Jahren

Zur Vorgeschichte: Für Empörung sorgte vor gut zehn Jahren das Vorhaben des inzwischen verstorbenen Professor Dr. Anton Kathrein. Der Unternehmer wollte das ehemalige Gasthaus „Hubertus“ durch einen wesentlich größeren Hotelbau ersetzen, den Badestrand für die Öffentlichkeit sperren und daneben einen kostenpflichtigen Badeplatz anlegen. Im September 2011 nahm die Stadt daraufhin überraschend ihr Vorverkaufsrecht für das Gelände am Happinger See wahr. Seit 2012 sind in dem Gebäude Flüchtlinge untergebracht. Über die zukünftige Nutzung gibt es seitdem immer wieder einmal Spekulationen.

Bei der Vollversammlung des Stadtjugendrings mit Vertretern der über 60 Mitgliedsverbände und -vereine wurden Forderungen an die Politik formuliert. Ein Punkt betraf den Happinger See. Er soll nach Meinung des Stadtjugendrings der Jugendarbeit zugeführt werden. Jetzt trafen sich die Stadtjugendring-Vorstände Abuzar Erdogan, Sonja Gintenreiter und der Stadtjugendring-Geschäftsführer Johannes Merkl mit den OVB-Heimatzeitungen am Happinger See, um vor Ort zu erklären, was genau sie sich für die Zukunft des Geländes wünschen.

Das Jugendfreizeitgelände der Stadt Rosenheim am Happingerausee ist vom Happinger See nicht weit entfernt. 45 Betten, aufgeteilt in sieben Zimmern, und ein Zeltplatz für bis zu 50 Personen, bieten dort für Jugendgruppen eine günstige Übernachtungsmöglichkeit. Nach Auskunft von Abuzar Erdogan und Sonja Gintenreiter sind die Kapazitäten aber ausgeschöpft. „Das Jugendfreizeitgelände ist das ganze Jahr über voll belegt“, erzählen die beiden. Vergleichbare Alternativen gäbe es auch im Landkreis kaum.

Was in der Stadt noch völlig fehlt, ist eine Jugendherberge, die auch Jugendlichen, die alleine unterwegs sind, eine günstige Übernachtungsmöglichkeit bietet. „In den meisten anderen Städten ist das eine Selbstverständlichkeit“, weiß Sonja Gintenreiter. Das ehemalige Gasthaus „Hubertus“ am Happinger See biete für eine derartige Einrichtung die idealen Voraussetzungen. Darüber hinaus könnten die Räumlichkeiten nach einer gründlichen Renovierung für Seminare, Schulausflüge und andere Jugendaktivitäten genutzt werden, meint Johannes Merkl. Er denkt darum an die Errichtung eines Jugendbildungshauses: „Man könnte die Nutzung des Gebäudes ja immer dem Bedarf und den jeweiligen Bedürfnissen anpassen.“

Ferienprogramm
im Grenzbereich

Bei seinem Ferienprogramm stößt der Stadtjugendring aus räumlicher Sicht ebenfalls schon seit vielen Jahren an seine Grenzen. Durch die Nähe zum Jugendfreizeitgelände liefere der Happinger See auch dafür eine ideale Ergänzung. „Die Lage inmitten eines Naherholungsgebietes bietet sich bestens an, um die Jugend in Sachen Ökologie zu schulen“, ist sich Abuzar Erdogan sicher.

Nach den Plänen des Stadtjugendrings bliebe der Happinger See aber trotz Jugendarbeit für die Allgemeinheit frei zugänglich. Bei den Planungen zum Umbau des Gebäudes könnten sich Erdogan, Gintenreiter und Merkl gut vorstellen, Studenten der Technischen Hochschule mit ins Boot zu nehmen.

So ausgereift sich ihre Idee auch anhört, in nächster Zeit wird sie sich wohl nicht realisieren lassen. Nach Auskunft der Stadt Rosenheim ist das ehemalige Gasthaus bis auf weiteres voll mit Flüchtlingen belegt. „Ein Verzicht auf diese Unterkunft erscheint angesichts der Flüchtlingssituation sowie der angespannten Lage auf dem Rosenheimer Arbeitsmarkt bis auf weiteres ausgeschlossen“, heißt es in einer Stellungnahme.

Grundsätzlich sei seit Längerem vorgesehen, das Gebäude unter moderater Erweiterung als potenziellen Hotelstandort auf den Markt zu bringen. An diesen Planungen halte die Stadt grundsätzlich fest und werde sie wieder aufgreifen, sobald dies unter Verzicht auf die derzeitige Nutzung wieder möglich sei.

Beim Stadtjugendring bleibt man bei der Meinung, dass ein Jugendbildungshaus besser an diesen Standort passt als ein Hotel.

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