Rosenheim – Einen Cappuccino mit Hafermilch bestellen und gleichzeitig eine Katze kraulen: Im Rosenheimer Katzentempel ist genau das möglich. Die fünf zutraulichen Katzen gehören genauso zum Inventar wie die Tassen, Teller und Schüsseln. Aber funktioniert das Konzept wirklich? OVB-Redakteurin Anna Heise hat es ausprobiert.
Vegetarische und
vegane Angebote
Der Katzentempel liegt zwischen einem Supermarkt, einer Bank und einer Arztpraxis. Das Schild sehe ich schon von Weitem. Auf einer Tafel vor der Tür steht ein Teil der Angebote, fein säuberlich mit Kreide aufgeschrieben. Es gibt Obstsalat, Pfannkuchen und Bohnen-Chiasamen-Burger. Ich bin begeistert, freue mich über das neue vegetarische Angebot in der Stadt. Noch mehr freue ich mich auf die Katzen – und dass, obwohl ich eigentlich Hunde bevorzuge.
Durch eine doppelte, schleusenartige Tür gelange ich in das gemütlich eingerichtete Lokal. Neben Tischen und Stühlen für die Gäste gibt es auch Kratzbäume und Klettermöglichkeiten für die Katzen.
Joey Hau begrüßt mich an der Tür. Gemeinsam mit seiner Frau Kendra leitet er den Rosenheimer Katzentempel. Kendra Hau arbeitet in der Küche, Joey Hau nimmt Bestellungen auf, schaut, dass es den Besuchern an nichts fehlt.
Er reicht mir die Speisenkarte, klärt mich kurz über die Regeln auf. Die Katzen dürfen weder gefüttert noch hochgehoben oder bedrängt werden. Ich höre zu, nicke und verspreche, nicht vor der Katzenklappe zu lungern. Kurz überfliege ich die Speisenkarte, widme meine Aufmerksamkeit dann aber den eigentlichen Attraktionen: Monty, Yuki, Malu, Queeni und Toffee. Malu und Yuki sind taub, alle fünf Katzen stammen aus dem Tierschutz, haben im Katzentempel ein neues Zuhause gefunden.
Queenie und ich verstehen uns auf Anhieb – was auch an dem Trockenfutter-Stückchen liegen könnte, die mir Joey Hau zugeschoben hat. Sie sitzt auf einem Wandbrett schräg über meinem Kopf. Schaut mich auffordernd an. Ich gebe ihr ein weiteres Stück Trockenfutter. Und noch eins. Das letzte Stück besiegelt unsere gemeinsame Zeit, Queenie zieht weiter, auf der Suche nach mehr Futter, weiteren Streicheleinheiten.
Strenge Auflagen
für Katzencafés
Ich nutze die katzenfreie Zeit, schaue mich in dem knapp 160 Quadratmeter großen Restaurant um. Weil die Auflagen für Katzencafés sehr streng sind, gibt es keine offene Theke. Die Küche hat einen separaten Eingang, die Köche dürfen nicht in den Gastraum. Salate, Sandwiches und Schokokuchen holt Joey Hau mit Abdeckungen versehen an einer Durchreiche ab. Die hygienischen Bedingungen scheinen zu stimmen. Über Katzenhaare im Essen beschwert sich während meines Aufenthaltes niemand.
„Das Restaurant kommt total gut an. Wir können uns nicht beklagen“, sagt Kendra Hau. Die 27-Jährige arbeitete viele Jahre als Projektmanagerin. „Ich war sehr unglücklich in meinem Beruf“, sagt sie. Auch ihr Mann Joey habe sich nach einer neuen Herausforderung gesehnt. Beide kommen aus Rosenheim, waren Stammkunden im Münchner Katzencafé. Sie hätten sich gut mit Thomas Leitner verstanden – dem Mann, der 2013 überhaupt erst die Idee gehabt hat, ein solches Lokal zu eröffnen (wir berichteten). Erst in München, später in Nürnberg, Hamburg, Leipzig und eben Rosenheim.
Leitner fragte die beiden, ob sie sich vorstellen könnten, dass Restaurant in Rosenheim zu leiten. Joey Hau sei Feuer und Flamme gewesen, auch weil seine ganze Familie im Gastronomie-Bereich tätig ist. Bevor Kendra Hau zustimmte, arbeitete sie für ein dreiviertel Jahr im Münchner Katzencafé. „Ich wollte einfach sichergehen, dass es wirklich etwas für mich ist“, sagt sie. Die Arbeit gefiel ihr so gut, dass sie Leitners Angebot annahm.
Kendra und Joey Hau werden Franchisenehmer, eröffnen den Rosenheimer Katzentempel. Die Gäste sind seitdem bunt gemischt. Es gibt die Katzenliebhaber, die Neugierigen, die Mütter mit den aufgeregten Kindern und alleinstehende Männer. Sie alle kuscheln mit den Katzen, vergessen für einen Moment ihren Alltag. Nicht überraschend, denn wissenschaftliche Studien haben bewiesen, dass Katzen stressreduzierend wirken und Katzenschnurren sogar den Blutdruck senken kann.
Gutes Essen, freundliche Katzen, nette Mitarbeiter und eine Portion Entspannung: Gründe, die nach einem zweiten Besuch verlangen. Und vielleicht einem Dritten.