Schatzkammer im alten Umspannwerk

von Redaktion

Standortdebatte: Stadt plant gemeinsames Depot für Museum, Galerie und Archiv

Rosenheim – Ein zentrales Depot für Galerie, Museum und Archiv ist ein lang gehegter Wunsch in Rosenheim. Ein Ort, an dem all das sicher aufbewahrt werden kann, was Kunst und Alltagskultur ist, was Stadtgeschichte erzählt und deshalb erhalten bleiben soll. Nun ist womöglich ein Standort für eine solche Sammelstelle gefunden.

Man kennt das ja: Das zwölfteilige Kaffeeservice einmal teuer gekauft, jetzt abgenutzt, aber zu schade zum Wegwerfen: wandert in den Keller. Der große bunte Stich, für den im Wohnzimmer kein Platz mehr ist: wandert in den Keller. So oder so ähnlich mag es sein, wenn in der städtischen Galerie, im städtischen Museum und im städtischen Archiv entschieden wird, was bleibt, geht oder später einmal wiederkommt. Die Keller der drei Einrichtungen sind über die Stadt verteilt und werden als Depots bezeichnet. Sie sind Sammelstellen für Tausende von Objekten.

Tausende Exponate
lagern ein

Allein das städtische Museum hat rund 20000 Exponate eingelagert. Die städtische Galerie bewahrt etwa 5500 Stücke auf. Zu den „Schätzchen“ des Museums gehören Bücher, römische Münzen, Musikinstrumente oder auch alte Möbel und Fahnen. Die Galerie verwahrt unter anderem alte Gemälde, Grafiken sowie Skulpturen in allen Größen und Ausführungen. Im städtischen Archiv wiederum ist die Grenze zu einem Depot nicht ganz klar zu ziehen: Immerhin gibt es allein 3500 Regalmeter Akten, Pläne und Rechnungen zu bewahren. Dazu mehr als 1200 Urkunden und eine Fotosammlung mit 400000 Positivabzügen und 350000 Negativen. Plakate, Landkarten und Grafiken ergänzen die Sammlung, die bis ins 13. Jahrhundert zurückreicht. Um den Überblick zu behalten, sind die Bestände digitalisiert. In der städtischen Galerie etwa sind jedem Objekt Informationen darüber zugeordnet, woher es kommt, wann es angenommen wurde, ob es eine Schenkung war, oder was es gekostet hat.

Trotz aller Sorgfalt aber steht seit Jahren fest: Die Depots sind übervoll und sollten an einem Standort mit ausreichend Platz zusammengezogen werden. Möglicherweise könnte dafür das ehemalige Umspannwerk der Bahn geeignet sein. Es liegt auf einem Grundstück, das der Stadt Rosenheim gehört, zwischen den Gleisanlagen Rosenheim-Innsbruck und Rosenheim-Salzburg. Vertreter der Einrichtungen sowie der Abteilung „Zentrales Gebäudemanagement“ waren vor Ort und haben sich umgesehen. „Das Gebäude ist groß und trocken. Es ist genial“, sagte Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer (CSU) über die ersten Eindrücke. Ob sich das alte Umspannwerk tatsächlich eignet als Sammlungszentrum und welche Umgestaltungen notwendig werden könnten, soll das Fachbüro „baur Restaurierungen – Denkmalpflege – Planung“ aus München ermitteln. Dessen Chef, Johannes Baur, stellte den Stadträten im Kulturausschuss vor, welche Grundvoraussetzungen ein solches Depot überhaupt erfüllen muss, wenn es zwischen 30 und 50 Jahren Bestand haben will: der Schutz vor Dieben gehört ebenso dazu wie der vor Hochwasser. Die Räume müssen nicht nur groß, sondern gleichermaßen übersichtlich zu gestalten sein. Sie müssen eine gleichbleibende Temperatur ebenso gewährleisten wie eine konstante Luftfeuchtigkeit. Eine Quarantänezone ist notwendig. Die Böden sollten glatt sein, das Licht sollte hell strahlen, damit sich Schädlinge nicht wohlfühlen. Und natürlich ist es wichtig, dass das Depot gut zu erreichen ist. Johannes Baur geht davon aus, dass für Rosenheim rund 1000 Quadratmeter Fläche zur Lagerung genügen, etwa 1800 Quadratmeter umbauter Fläche notwendig sind.

Sanierung
oder Neubau?

Eine Größe, die das ehemalige Umspannwerk nach einer ersten Einschätzung nicht bieten kann. Ein Anbau würde wohl notwendig. Was genau zu tun ist, soll Planer Johannes Baur untersuchen. Parallel dazu wird die Stadt prüfen, was genehmigungsrechtlich notwendig wäre, um das Gebäude als Depot zu nutzen. Und schließlich sollen die Kosten für die Gebäudesanierung inklusive eines eventuellen Anbaus den Ausgaben für einen Neubau gegenüber gestellt werden.

Umzug steht
in den Sternen

Ein Antrag der Grünen hatte das Thema wieder auf den Tisch gebracht. Die Stadtratsfraktion hatte in einem Schreiben an die Oberbürgermeisterin vom „kulturellen Gedächtnis unserer Stadt“ gesprochen, das in den Archiven lagere und für das ein sicherer Ort geschaffen werden müsse. Dass diese zentrale Stelle Sinn macht, darin sind sich die Stadträte längst einig. Wann aber ein Umzug aller Depots stattfinden kann, ist vollkommen offen.

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