Fantasie statt Superlative

von Redaktion

Die „Traumfabrik“ begeistert über 2000 Zuschauer im Kultur- und Kongresszentrum

Rosenheim – Höher, schneller, besser? Nicht bei der Traumfabrik. Statt auf Superlative setzt das aus Regensburg stammende Theaterprojekt auf Fantasie und leise Töne. Das Konzept kommt an: Über 2000 Besucher kamen zu den drei Vorstellungen im Kultur- und Kongresszentrum und waren durch die Bank begeistert.

1980 gründete Rainer Pawelke die Traumfabrik. Der Choreograf und Pädagoge vereinte damit Sport und Theater. In den Anfangsjahren standen Kinder und Studenten auf seiner Bühne. Heute setzt sich das Ensemble aus professionellen Künstlern zusammen. Derzeit tourt das 30-köpfige Ensemble durch acht Städte. In Rosenheim machte die Traumfabrik zum dritten Mal Station.

Begrüßung
mittels Computer

Besucher, die schon im vergangenen Jahr mit dabei waren, kam einiges bekannt vor, beispielsweise die Begrüßung mittels Computer. Der probt mit dem Publikum die La-Ola-Welle und fordert zum Singen auf. Besonders die vielen kleinen Besucher freuen sich über das Mitmachprogramm.

Danach wird es still. Nebel wabert über die Bühne. Der Fokus richtet sich auf eine Geigerin. Ein Pantomime kämpft sich gegen allerlei unsichtbare Widerstände einen Weg zu der schönen Frau. Auf der Leinwand hinter sich mutiert er zum Riesen, der ein Traumschloss in die Höhe zieht – und schon sind die Besucher mittendrin in einer Welt aus Fantasie und Illusion.

Wer Rekorde oder Sensationen erwartet, ist in der Traumfabrik an der falschen Stelle. Viel mehr regen die Darbietungen zum Entspannen, Abschalten, Innehalten und Nachdenken ein.

Nebenbei gibt es auch noch viel zum Lachen, so etwa wenn Handschatten-Spieler Prashant Rao aus Indien süße Häschen, anmutige Tänzer oder murrende, alte Männer an die Wand zaubert.

Viel Applaus gab es auch für die Artisten Samuel Letch, Ronan Jenkinson und Jonas Hall. Mit spielerischer Leichtigkeit und ebenfalls viel Humor katapultieren sie sich mittels Schleuderbrett hoch in die Luft.

Nostalgie trifft auf Moderne, wenn Jongleur Manuel Mitasch gleich mit einer Schar von Video-Klonen auf der Bühne agiert oder seine Kollegen Dominik Harant, Daniel Ledel und Julius Preu dank beleuchteter Jonglierkeulen den Eindruck entstehen lassen, dass viele farbige Schmetterlinge durch die Luft flattern.

Klassiker: „Geisterstunde“

Zu den Klassikern der Traumfabrik gehört die „Geisterstunde“, inszeniert als Schwarzlichttheater. Schwarz gekleidete Theaterspieler verschmelzen mit dem dunklen Hintergrund. Geschickt eingesetztes UV-Licht lenkt den Fokus auf verschiedenste Accessoires. Das Ergebnis: Wäsche an der Leine macht sich selbstständig und ein überdimensionaler, knallroter Kussmund schmettert Nina Hagens Coverversion von Zarah Leanders „Ich weiß, es wird einmal ein Wunder geschehen“ in den Saal.

An einer Stelle wird es ernst: dem Publikum wird mittels Pantomime vor Augen geführt, welche Folgen ein Überwachungsstaat wie aktuell in China haben kann: Ein Künstler bewegt sich wie ein Roboter ferngesteuert über die Bühne.

Die Traumfabrik lebt von der Vielfalt. Der Mix aus Varieté, Akrobatik, Clownerie, Musik, Theater und Schwarzlicht ist der Schlüssel zum Erfolg. Bei allen drei Vorstellungen im Rosenheimer Kultur- und Kongresszentrum gab es dafür viel Applaus.

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