Rosenheim – Prinzessin ist ein Vollzeitjob. Tanztraining, stundenlange Termine beim Friseur und der Schneiderin. Dazu zahlreiche Auftritte in Gasthäusern, auf Bällen oder im Drogeriemarkt. Der Terminkalender des Rosenheimer Prinzenpaares ist gut gefüllt. Trotzdem genießen Sandra Meyer (27) und Martin Liedl (27) das Faschingstreiben in vollen Zügen.
Eigentlich hatte Sandra Meyer gar nicht mehr damit gerechnet, Faschingsprinzessin zu werden. „Nach dem Bewerbungsgespräch haben wir nichts mehr gehört“, sagt Meyer. Eine Woche vergeht, eine zweite noch. Sandra Meyer und ihr Freund Martin Liedl gehen ihrem Alltag nach, machen Urlaub in Italien. Sie genießen die Sonne, das Meer und das Nichtstun. Durch Zufall schaut Meyer beim Strandbesuch auf ihr Handy, sieht eine Nachricht von der Präsidentin der Faschingsgilde im Wirtschaftlichen Verband, Sandra von Gottesheim. Von Gottesheim teilt den beiden mit, dass sie das Rosenheimer Prinzenpaar sind. „Ich habe mich so sehr gefreut“, sagt Sandra Meyer. Groß auch die Freude bei ihrem Freund Martin Liedl, der die Idee hatte für die Bewerbung als Prinzenpaar.
Geheimnis vor
Freunden und Familie
Aus dem Urlaub geht es zurück nach Deutschland, zurück in die Heimat. Hinein in den neuen Alltag als Herrscher der Rosenheimer Faschingswelt. Am schwersten sei es gewesen, weder Freunden noch Familie von der Regentschaft zu erzählen. „Wir mussten uns ständig Ausreden einfallen lassen, warum wir nur noch so wenig Zeit haben“, sagt Martin Liedl. Eine Situation, unter der auch Sandra Meyer litt, die sonst alles mit ihrer Zwillingsschwester teilt – die große PrinzenpaarNeuigkeit aber für sich behalten musste.
Viel Zeit zum Nachdenken bleibt nicht. Bereits im Juni beginnt das Paar mit dem Training. Erst einmal in der Woche, dann zweimal, schließlich dreimal. Sie lernen die Choreografie, arbeiten an Technik und Mimik. Stundenlang. Und das obwohl beide erfahrene Tänzer sind, schon seit vielen Jahren gemeinsam Walzer, Salsa und den West Coast Swing tanzen. „Wir mussten nicht von vorne anfangen, aber bis jetzt haben wir immer nur für uns getanzt. Bei einem Auftritt muss man auf viel mehr achten“, sagt Martin Liedl.
Also verbringt das Paar etliche Stunden mit dem Tanzlehrer. Sie arbeiten an Hebefiguren. Wiederholen immer wieder einzelne Schritte. „Manche Sachen haben gleich am Anfang super geklappt, andere Elemente brauchten mehr Zeit“, sagt Sandra Meyer. Spaß hatten die beiden trotzdem. „Tanz ist eben ein großer Teil unseres Lebens“, sagt Martin Liedl.
Kein Wunder. Vor drei Jahren lernen sich die beiden beim Tanztraining kennen, verstehen sich auf Anhieb. Sie tanzen gemeinsam, sitzen nach dem Training stundenlang zusammen. Nach und nach entwickelt sich mehr. Die beiden verbringen auch außerhalb der Tanzschule Zeit miteinander, besuchen gemeinsam das Rosenheimer Sommerfestival. Schließlich machen sie es offiziell, werden beim Raublinger Sportball ein Paar.
Seitdem sind die beiden unzertrennlich. Sie reisen viel, gehen wandern und lieben es, gemeinsam zu kochen. Hobbys, für die die beiden in den kommenden Wochen nur wenig Zeit haben werden. Denn der Prinzenpaar-Alltag ist stressig und anstrengend. Zumal beide auch berufstätig sind. Prinz Martin I., Herrscher über seltene Erden aus dem Reich der Edelmetalle, arbeitet als Maschinenbaukonstrukteur. Seine Prinzessin, Sandra II., strahlende Tänzerin aus schwarz-weißen Welten, ist Masterandin für Kommunikationswissenschaften, arbeitet seit November im Marketingbereich von Fossil.
3000 Glitzersteine
selbst aufgeklebt
Während das Paar also unter der Woche seinen Berufen nachgeht, schlüpft es am Wochenende in die Rolle des Prinzenpaars. Dann zieht Sandra Meyer ihr blaues Prinzessinnen-Kleid mit dem Spitzenoberteil an. Lässt sich die Haare hochstecken, trägt ihr Make-up auf und setzt die glitzernde Krone auf. Fast zwei Stunden dauert das Fertigmachen. Meyer genießt es, fühlt sich wie eine echte Prinzessin. „Das ist ein richtiger Mädchentraum, der in Erfüllung geht“, sagt sie.
Die 3000 Glitzersteine, die auf dem Kleid zu sehen sind, hat sie selber aufgeklebt – gemeinsam mit Martin Liedl. Täglich haben sie zusammengesessen, geklebt und geredet. Manchmal bis spät in die Nacht. Das Ergebnis kann sich sehen lassen, ist der ganze Stolz der jungen Prinzessin. Doch es gibt auch eine Herausforderung. „Es ist wahnsinnig schwer, mit dem Kleid zu tanzen“, sagt Meyer. Nicht etwa wegen der Länge, sondern aufgrund des Gewichts. „Beim Drehen kommt der Rock hinterher und hat mich beim ersten Mal fast umgeworfen“, sagt Meyer. Nach einigen Proben meistert sie auch diese Hürde.
Ihren ersten großen Auftritt hatten die beiden bereits beim Rosenball im Kultur- und Kongresszentrum. Noch genau erinnern sie sich an ihre Inthronisation. „Wir waren so aufgeregt“, sagt Martin Liedl. Sandra Meyer fügt hinzu: „Der Moment hinter der Bühne war der schlimmste.“ Die beiden halten sich an den Händen, geben sich gegenseitig Halt.
Tipps von
den Vorgängern
Kurz bevor es losgeht, gibt es noch einige Ratschläge von Satya und Andrejas Horvat, dem Prinzenpaar der vergangenen Saison. „Einfach Spaß haben, jeden Moment genießen und auch wenn etwas mal nicht hinhaut einfach weitermachen“, sagt Sandra Meyer, fasst die wichtigsten Ratschläge zusammen. Als es dann endlich losgeht, ist die Aufregung wie weggeblasen. Die beiden tanzen, vergessen für einen Moment die rund 1000 Zuschauer, die jede Bewegung des Paares beobachten. „Wir waren in unserer eigenen kleinen Welt“, sagt Martin Liedl.
Schon jetzt freut sich das Paar auf die kommenden Wochen, will die Zeit in vollen Zügen genießen. „Ich freue mich vor allem auf den Kinderball“, sagt Sandra Meyer. Sie selbst habe als kleines Mädchen immer die Prinzessinnen angehimmelt. Jetzt ist sie selber eine. „Ich will den Kindern die gleiche Freude geben, die ich damals empfunden habe.“
Und auch für die Zeit nach dem Fasching hat das Rosenheimer Prinzenpaar einige Pläne. „Wir wollen zusammenziehen“, sagt Martin Liedl. „Und Urlaub machen“, fügt seine Freundin hinzu. Reisen nach Kanada und China stehen auf der Wunschliste. Neue Träume, die sich das Paar nach der Regentschaft erfüllen will – dann aber ohne Krönchen und Zepter.