Frack und Krönchen statt Smartphone

von Redaktion

Junge Rosenheimer debütieren beim Wiener Opernball

Rosenheim – „Alles Walzer“ heißt es am 20. Februar beim Wiener Opernball. 144 Paare aus der ganzen Welt debütieren in diesem Jahr. Was nur wenige wissen: Jedes Jahr ziehen auch junge Paare aus Rosenheim am Ball der Bälle ein.

Die Verbindung mit dem Wiener Opernball hat für die Rosenheimer Tanzschule Kesmarki seit den 90er-Jahren Tradition. Eng ist die Zusammenarbeit mit Wien, die durch einen persönlichen Kontakt mit dem langjährigen Chefchoreografen des Opernballs, Klaus Mühlsiegl, begann.

Bei der Auswahl der Paare achtet Christine Kesmarki neben dem tänzerischen Können auch auf Benehmen und Disziplin. In diesem Jahr haben Lorine Fauchon und Johannes Kneer (beide 17) die Ehre. Das Paar debütierte beim Rosenball 2019 und erfuhr auch dort von der Teilnahme am Wiener Opernball. „Eine große Überraschung war das für uns. Der Wiener Opernball ist etwas ganz besonderes und eine andere Liga“, freut sich Johannes Kneer. Aufgeregt seien sie beide, aber die Freude überwiege.

Seit einem
Jahr im Training

Seit einem Jahr bereiten sich Lorine und Johannes knapp zwei Stunden pro Woche vor. Intensiver wird es mit sechs- bis achtstündigen Tanzproben an den Tagen direkt vor dem großen Abend. Ein riesiger Aufwand für knapp vier Minuten, der viel Disziplin erfordert.

Johannes Kneer hat sich einen Frack in München ausgeliehen, ein Kleidungsstück, das zur Ballsaison gar nicht so leicht zu beschaffen ist.

Die Damen tragen traditionell weiße Kleider, für die ebenso strenge Vorschriften gelten: keine glitzernden Applikationen und kein Reifrock. Außerdem nur dezenter Schmuck und weiße Handschuhe, die bis zu den Ellenbogen reichen. In diesem Jahr werden alle Debütantinnen ein Krönchen von Designer Christian Lacroix tragen. Die Tiara muss nicht gekauft werden, sondern wird den Teilnehmern gestellt.

Nur die wenigsten Tänzer, die sich als Debütanten zu Paaren zusammenfinden, sind auch im echten Leben ein Paar. Aber manche werden es im Laufe der Vorbereitung, sagt Christine Kesmarki mit einem Augenzwinkern.

Carina Hammerschmidt (24) hat den großen Auftritt schon hinter sich. Sie debütierte beim Wiener Opernball 2018 und ihre Augen leuchten, wenn sie davon erzählt. „Eine wahnsinnige Location! Man ist hautnah an den Artisten dran.“ Weltstar Anna Netrebko sang damals, und auch auf der Tanzfläche entdeckte sie viele Prominente.

Kurz vor dem Debüt ein Schreckmoment: Ihr Tanzpartner konnte das Einstecktuch nicht befestigen. Klingt banal, kann in der Welt des Wiener Opernballs aber zur Katastrophe führen. Mängel bei der Kleidung können zu einem Ausschluss des Paares führen. Glücklicherweise konnten die beiden improvisieren und dem makellosen Auftritt stand nichts mehr im Wege.

Bis 5 Uhr morgens tanzten und feierten die Debütanten und sonstige Gäste. Traditionell gehen die Debütanten nach dem Ball zum Frühstück ins Hotel Imperial gegenüber der Wiener Staatsoper. Noch heute hat Carina Hammerschmidt Kontakt zu Paaren, mit denen sie gemeinsam debütiert hat.

Im nächsten Jahr nehmen Katharina Labermaier (19), Patrick Pfliegl (22), Miriam Mitter (17) und Sebastian Steegmüller (16) am Wiener Opernball teil. Traditioneller Ball und klassischer Tanz als Hobby? Altersgenossen netzwerken auf Social Media oder demonstrieren fürs Klima. Die vier haben einfach Freude am Tanzen. Es gebe zwar einige Mitschüler, die den Wiener Opernball gar nicht kennen, aber insgesamt reagierten die Freunde positiv. „Meine Kommilitonen sind ganz begeistert und freuen sich für mich“, sagt Patrick Pfliegl, der Biomedizinische Technik studiert. Die Eltern fiebern mit. Marisa Steegmüller wird ihren Sohn Sebastian im nächsten Jahr begleiten. Der Ball symbolisiert für sie den Eintritt ihres Sohnes ins Erwachsenenleben und seine Einführung in die Gesellschaft. Um eins müssen die Debütanten sich keine Sorgen machen: die beste Position für Selfies. In den entscheidenden vier Minuten des Jahres sind Smartphones tabu.

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