Wer fürs Defilee vor der Rathauschefin anstand, musste sich gedulden. Länger als in den Jahren zuvor war auch der Film, der anschließend über die Leinwand der KuKo-Bühne flimmerte. Der Neujahrsempfang der Stadt Rosenheim, ohnehin einer der besonderen Termine im offiziellen Rosenheimer Jahreslauf: Er war diesmal noch besonderer als sonst.
Schließlich tritt Gabriele Bauer (CSU), seit 2002 Oberbürgermeisterin der Stadt, im März nicht mehr an. Sie hielt im KuKo also zum letzten Mal die Rede zum offiziellen Jahresauftakt. Daher standen nochmals mehr Menschen an, um ihr die Hand zu schütteln. Und daher dauerte auch der Film gut über drei Viertelstunden lang. Er behandelte eben nicht nur ein Jahr, sondern deren 18, und zwar als Leistungsschau der Stadt Rosenheim ebenso wie als Bilanz einer Rathauschefin, von Investitionen über Feste bis hin zur Kultur.
Gabriele Bauer selbst hielt zu diesem ihrem letzten Neujahrsempfang eine erst am Ende persönlich gefärbte, ansonsten fast schon präsidial anmutende Rede. Sozusagen schwebend über den Details der Kommunalpolitik oder gar des Wahlkampfs, war ihre Neujahrsansprache eher Gesamtbetrachtung denn Blick in die Zukunft. „Neue visionäre Konzepte“ zu entwickeln, verbiete sich schließlich, sagte Bauer vor gut 1000 geladenen Gästen aus Gesellschaft, Politik und Wirtschaft, „aus Respekt vor der Persönlichkeit, die von Ihnen im März das Vertrauen als neues Stadtoberhaupt ausgesprochen bekommt.“
Rückblick auf 18
prägende Jahre
Gabriele Bauer trat 2002 als Oberbürgermeisterin an. Es wurde eine prägende Amtszeit, eine Feststellung, die man durch die Ergebnisse diverser Wahlen bestätigt sehen darf: Gabriele Bauer wurde zweimal als Oberbürgermeisterin bestätigt – und zwar jedesmal sehr beeindruckend, mit über 69 Prozent. Die scheidende Oberbürgermeisterin verwies in ihrer Ansprache im KuKo auf den Wandel, der in jener Zeit fast alle Bereiche des Lebens erfasste. Im Rückblick auf diese drei Amtszeiten sei ihr deutlich geworden, wie rasant sich die Welt und die Rahmenbedingungen für die Gestaltung von Kommunalpolitik verändert haben.
2002 sei das Internet auf dem Vormarsch gewesen, aber eben noch nicht der schlechthin umwälzende Faktor, als der es sich im Zuge der Digitalisierung entpuppt habe. „Erst gut die Hälfte der weltweiten Informationsströme liefen über das Internet. Wir lebten noch in einer linearen Welt“, sagte sie.
Wandel in Informations- und Diskussionsverhalten, Bedrohung der Meinungsfreiheit stellten – neben dem eher beiläufig erwähnten Klimawandel – die Menschen auf die Probe. „All diese Herausforderungen für unser gesellschaftliches Zusammenleben und auch für die Demokratie als Staatsform warten auf Antworten“, sagte Bauer. Auch das seien Aufgaben für künftige Generationen. Sie äußerte sich vertrauensvoll, dass Rosenheim und seine Menschen dem gewachsen seien. Schließlich seien Zusammenhalt und Gemeinwesen durch den Wandel nicht erschüttert worden. Im Gegenteil: Rosenheim habe seinen Spitzenplatz gewahrt.
Das war schön gesagt, sicher richtig und doch insgesamt erstaunlich. Denn den offensichtlichsten Beleg dieser Stärke erwähnte Gabriele Bauer nur kurz zu Beginn – den Umzug von Teilen der Regierung von Oberbayern nach Rosenheim.
Gabriele Bauer dankte vielen Menschen und Einrichtungen. Ganz am Ende bezeichnete sie sich – „aus dem Osten, evangelisch“ – als Beispiel gelungener Integration. Es folgte – die finale Liebeserklärung: „Ich bin so dankbar, dass ich hier sein darf und dass ich hier Wurzeln schlagen durfte.“
Der anschließende Beifall im KuKo: Auch er dauerte diesmal ein bisschen länger als sonst.