Rosenheim – Die Frau an der Espresso-Bar hatte die schwarzen Flecken auf den Wangen nicht etwa zufällig abbekommen und unglücklicherweise den Blick in den Spiegel vergessen. Nein, das war Absicht. „Die bringen Glück, das ist Ruß von den Kaminkehrern“, sagte sie und zeigte auf die schwarz gekleidete Ehrenformation am Ende des Defilees. Ja, der Neujahrsempfang: Er ist ein bisschen Show, ist natürlich hoch offizieller Anlass, eine Ehre, ein Vergnügen, ein Muss für Netzwerker, so etwas wie das Klassentreffen der Stadtgesellschaft. Bierernst aber ist er nicht.
Man amüsierte sich, auch diesmal, vielleicht mit ein bisschen Wehmut. Weil es doch der letzte Neujahrsempfang mit Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer (CSU) war. Die freilich vermied das Wort „Abschiedsrede“. Weil sie noch ein paar Monate im Amt ist. Und weil sie bis zur Amtsübergabe „weiter kraftvoll für die Stadt arbeiten“ wolle. Der letzte Neujahrsempfang – sozusagen ein letztes Mal unter vielen.
Wer auch immer nachfolgt: Er oder sie wird Fußstapfen von Format auszufüllen haben. Vielleicht hätte sich gerne auch der eine oder andere Kandidat von den Kaminkehrern mit Ruß salben lassen. Um der guten Vorzeichen willen.