Heute Sitzstreik vor dem Rathaus

von Redaktion

Hanns Thäle und Johann Bachinger vom „Forum für Städtebau und Umweltfragen“ protestieren gegen Stadtentwicklung

Rosenheim – Zwei alte Herren sitzen in zwei Klappstühlen vor dem Rosenheimer Rathaus: Das ist keine despektierliche Aussage über Senioren. Das sind die Worte von Architekt Hanns Thäle (77). Mit ihnen beschreibt er die „Demo-Aktion“, die er heute startet. Gemeinsam mit dem anderen alten Herrn, Johann Bachinger. Der ist 84 Jahre alt und Korbflechtemeister.

Thäle und Bachinger wollen heute Abend ein Sit in machen, also einen Sitzstreik. Direkt vor dem Haupteingang des Rathauses werden sie sitzen und je ein Schild hochhalten. Ihre Form des Protests an der Stadt und den Stadträten. Ihre Form des „Unmuts über die städtebauliche Entwicklung“ in Rosenheim. Es fehle an allen Ecken und Enden, sagt Thäle.

Gemeinsam mit Bachinger ist Thäle seit 47 Jahren Teil des „Rosenheimer Forum für Städtebau und Umweltfragen“. Ein eingetragener Verein, dessen Gründungsmitglieder die beiden sind, und der sich aus Menschen aus der Bürgerschaft ebenso zusammengesetzt hat wie aus den damaligen Stadträten. Wichtige Stationen des Protests für das Forum waren der Kampf gegen ein Atomkraftwerk in Marienberg, das Engagement für eine Fußgängerzone und die Kritik am Abriss und Neubau des Gillitzerblocks. Ein langer Weg.

Heute, findet Thäle, passiere überhaupt nichts mehr, wenn es um die Stadtentwicklung gehe. Dabei habe es noch vor wenigen Jahren einen echten Hoffnungsschimmer gegeben. „Ein großer Aufwind“ sei spürbar gewesen, als der Stadtrat 2011 das „Stadtentwicklungskonzept 2025“ auf den Weg gebracht habe, sagt Thäle. Damals hatten zahlreiche Veranstaltungen stattgefunden, die Bürger wurden befragt. Ideen für den öffentlichen Personennahverkehr seien ebenso entwickelt worden wie für die Erweiterung der Fußgängerzone und den Ausbau der Radwege, sagt Thäle. 2016 folgte der Stadtratsbeschluss. Und dann?

Seitdem sei nichts passiert, sagt Thäle. Diskussionen wie jüngst über die Fortschreibung des Nahverkehrsplans, den Bau von Radschnellwegen oder eine Ausweitung der Fußgängerzone lässt er nicht gelten. „Blabla fürs Papier“, sei das alles. „Stillstand“. Um wieder Bewegung in die Stadtentwicklung zu bringen, gibt es heute den Sitzstreik. Mitten im Wahlkampf, ganz bewusst. „Zwei alte Herren wollen ein Zeichen setzen“, sagt Thäle. Und: „Greta Thunberg hat auch einmal klein angefangen.“

Wer dazukommen möchte: Die beiden sitzen ab 16 Uhr vor dem Rathaus. Um 18 Uhr wollen sie die Klappstühle wieder einpackenbw.

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