Rosenheim – Genervte Autofahrer, Busfahrer, die im Stau feststecken und gefährdete Radfahrer: Die Verkehrssituation zwischen Rosenheim und Stephanskirchen ist angespannt. Das soll sich jetzt ändern. Im jüngsten Haupt- und Finanzausschuss haben die Stadträte mehrheitlich einem Maßnahmenpaket zugestimmt, das die Gemeinde Stephanskirchen auf den Weg gebracht hatte. Kosten für Rosenheim: 95000 Euro.
Wer es früh morgens oder spät abends eilig hat, der sollte um einige Straßen in Rosenheim besser einen großen Bogen machen. Die Salzburger Straße und die Innstraße gehören dazu. Kein Wunder: Mehr als 25000 Fahrzeuge sind täglich zwischen Rosenheim und Stephanskirchen unterwegs. Nach Berechnungen von Fachleuten sind das beispielsweise doppelt so viele Fahrzeuge, wie die, die über die neue Westtangente im Süden der Stadt fahren.
Ideen für
mehr Verkehrsfluss
„Ein kritischer Bereich“, wie der Verkehrsplaner Helmuth Ammerl vom Münchner „Büro Obermeyer Planen + Beraten“ festgestellt hat. Wie dieser entschärft werden könnte, hat Ammerl erarbeitet, im Auftrag der Gemeinde Stephanskirchen.
Sein Maßnahmenkatalog sieht vor, dass die Ampeln entlang der Salzburger Straße, der Rohrdorfer Straße und der Innstraße besser aufeinander abgestimmt werden sollen. Außerdem soll die Busspur der Innstraße in Rosenheim aufgelöst werden. Während solche Busspuren nämlich eigentlich dafür gedacht seien, dass Linienbusse schneller vorankommen, verfehle die Spur in der Innstraße ihre Wirkung, hatte Verkehrsplaner Helmuth Ammerl festgestellt. Durch den Wegfall der Busspur soll jetzt die Linksabbiegerspur länger und so die Einfahrt in die Chiemseestraße erleichtert werden. Und auch die Radfahrer können aufatmen: Sie bekommen künftig eine eigene Radlspur – jedenfalls stadteinwärts. In Stephanskirchen wird an der Einmündung Wasserburger und Salzburger Straße eine Ampel eingerichtet – inklusive einer Fußgängerquerung für die Salzburger Straße. Zudem soll der Knotenpunkt Kugelmoos-/Salzburger Straße erneuert und besser eingebunden werden.
Dem Maßnahmenkatalog des Planungsbüros folgte eine Planungsvereinbarung aller Beteiligten für einen Probebetrieb. Mindestens 15 Monate, maximal 30 Monate lang, werden die Maßnahmen in der Praxis ausprobiert und ihre Folgen beobachtet. Darauf haben sich die Stadt Rosenheim, die Gemeinde Stephanskirchen und auch das Staatliche Bauamt Rosenheim verständigt.
Einen genauen Termin für diesen Probebetrieb gibt es bisher allerdings nicht. Start sei im Sommer des laufenden Jahres, teilt die Stadt Rosenheim mit.
Die dafür anfallenden Kosten in Höhe von rund 95000 Euro haben die Stadträte im Haupt- und Finanzausschuss mit 9:2 Stimmen befürwortet.
Geld, das unter anderem gebraucht wird, um die Fahrbahnmarkierungen zu ändern, die Ampeln anders zu schalten und eine Evaluierung vor und nach dem Probebetrieb vorzunehmen.
Grüne sprechen von
„Fehlentscheidung“
Gegen die Beschlussvorlage sprachen sich die Grünen-Stadträte Franz Lukas und Franz Opperer aus. Opperer, der auch Oberbürgermeisterkandidat seiner Partei ist, sprach von einer „vollkommenen Fehlentscheidung“. Die Auflösung der Bussspur in der Innstraße bringe keinen Erfolg und sei ein „falsches Signal“. „Es ist eine Lösung, die uns nicht wehtut“, befand dagegen Stadtrat Herbert Borrmann (CSU).
Dass die Pläne bereits in wenigen Monaten umgesetzt werden, freut vor allem den Bürgermeister von Stephanskirchen, Rainer Auer (parteilos): „Wir kämpfen schon seit Jahren für eine Verbesserung der Situation. Es ist ein langer und mühsamer Weg gewesen. Jetzt ist es uns endlich gelungen“, sagt er.