Rosenheim – Seit 38 Jahren sind sie im Einsatz, jetzt ist Schluss: Die Stühle im Rosenheimer Kultur- und Kongresszentrum werden ausgemustert. Knapp 1900 Sitzgelegenheiten sollen in den kommenden Monaten ausgetauscht werden. Der Haupt- und Finanzausschuss befürwortete das Vorhaben einstimmig.
Vor 18 Jahren
neu bezogen
Ob bei Theateraufführungen, Konzerten oder Vorträgen, die blauen Stühle im Saal Bayern des Kultur- und Kongresszentrums sind rund um die Uhr im Einsatz. Vor 18 Jahren wurden sie mit neuen Sitzflächen bezogen, jetzt sollen sie endgültig ausgemustert werden.
Nicht ganz so alt sind die schwarzen Stühle im Saal Rosenheim, die 1997 angeschafft worden sind. Doch auch an ihnen sind die vergangenen 23 Jahre nicht spurlos vorübergegangen. Von den 550 Stühlen, die anfangs gekauft wurden, sind gerade einmal 380 Stück übrig. Fest stand: Neue Sitzgelegenheiten mussten her. Nach einer europaweiten Ausschreibung sollen 1885 neue Stühle Anfang Juni ins Rosenheimer Kuko einziehen. Kosten: 670000 Euro.
An sich gute Nachrichten, trotzdem gab es im Haupt- und Finanzausschuss nicht nur Begeisterung. Denn das Projekt ist kein neues, stand bereits im Jahr 2015 auf der Tagesordnung des Stadtrates. Passiert ist über die Jahre nichts, von neuen Stühlen fehlte bislang jede Spur.
Was war also das Problem? Als es im Sommer 2017 endlich soweit war und die Stühle antransportiert werden sollten, konnte die Lieferung aufgrund „brandschutzrechtlichen Klärungsbedarfs“ nicht eingehalten werden. Es habe erst festgestellt werden müssen, ob die bestellte Bestuhlung tatsächlich auch den erneut geänderten rechtlichen Brandschutzanforderungen entspreche, heißt es in einer Stellungnahme der Stadt.
Drei Jahre später scheinen nun alle Hürden genommen zu sein.
Aber es gibt auch eine Schattenseite: Die Kosten stiegen von den anfänglichen 550000 Euro auf 670000 Euro. Zum einen, weil die Preise über die Jahre eben ansteigen, zum anderen, weil das Maß der Stühle geändert werden musste.
Regelwerk muss eingehalten werden
Die Versammlungsstättenverordnung, ein Regelwerk für die Besuchersicherheit auf Veranstaltungen, schreibt vor, dass Sitzplätze mindestens 0,50 Meter breit sein müssen. Zudem ist nun vorgegeben, dass die neuen Stühle eine automatisch hochklappbare Sitzfläche haben müssen – des Brandschutzes wegen. Zudem müssen die Stühle in den einzelnen Reihen fest miteinander verbunden sein. Zwischen den Sitzplatzreihen muss eine Durchgangsbreite von 0,40 Meter vorhanden sein.
Was mit den alten Stühlen passiert, steht noch nicht fest. Stadtrat und Oberbürgermeisterkandidat Franz Opperer (Grüne) regte an, bei Kindergärten und Pfarrvereinen nachzufragen, ob diese eine Verwendung für die ausgemusterten Sitzgelegenheiten hätten.