Rosenheim –Lange haben Stadtrat Horst Halser, Museumsleiter Walter Leicht und die Kunsthistorikerin Dr. Evelyn Frick um den Erhalt der Siedlung an der Bogenstraße gekämpft. Unterstützung fanden sie bei Stadtheimatpfleger Karl Mair und Bezirksheimatpfleger Dr. Norbert Göttler. Die SPD sammelte Unterschriften, kulturinteressierte Rosenheimer schrieben Leserbriefe und das OVB begleitete die Entwicklung aufmerksam. Doch es war beschlossene Sache, die in die Jahre gekommene und sanierungsbedürftige Siedlung, ab 1951 für Displaced Persons, Osteuropäer, die durch die Nationalsozialisten als Zwangsarbeiter verschleppt worden waren und nicht in ihre kommunistischen Heimatländer zurückkehren konnten oder wollten, muss Platz machen für die dringend ersehnte Erweiterung der Hochschule.
Antrag zum Teilerhalt der Hausnummern
So ganz aufgeben wollten aber die drei Kämpfer nicht. Besonders die künstlerisch wertvollen Sgraffiti von Markus von Gosen sollten erhalten bleiben. Der Priener hatte 1952 den umfangreichen Gebäudekomplex mit zwei großflächigen Wandgestaltungen sowie liebevoll gestalteten Hausnummern und Straßennamen in der damals beliebten Kratzputz-Technik akzentuiert. Das sollte alles so einfach für immer verschwinden?
Deshalb beantragte im Juni letzten Jahres der ÖDP-Stadtrat Horst Halser im Stadtrat den Teilerhalt der einmalig gestalteten Hausnummern sowie der beiden großen Wandflächen „Erker“ und „Ladenzeile“. Ferner forderte Halser die fotografische Dokumentation der gesamten Siedlung. Diese Fotos sollen ein Buch illustrieren, das sich der Geschichte und Bedeutung der Siedlung und ihrer „Kunst am Bau“ widmen wird. Weiter wünschte Halser eine Stele, ähnlich denen, die seit 2014 im Stadtgebiet aufgestellt sind, mit knappen geschichtlichen Informationen zur Siedlung und ihrer Kunst.
Die Fotodokumentation wurde noch rechtzeitig vor dem Abriss des ersten Gebäudes im Juni letzten Jahres erstellt, wie Stefan Ludwig, Geschäftsführer der Rosenheimer Wohnungsbau- und Sanierungsgesellschaft (GRWS) mitteilte. Die GRWS, die den Abbruch in Auftrag gab, finanzierte auch die Fotos. Das Buch dürfte also kein Problem darstellen, ebenso wenig die Stele.
Der Knackpunkt waren die Putzbilder. Mehrfach trafen sich alle Beteiligten vor Ort in der Bogenstraßen-Siedlung und beratschlagten zusammen mit Andreas Hagen, Projektleiter der GRWS, und dem Abbruchunternehmen Zosseder. Die Aussicht zur Rettung der Sgraffiti schwanden zusehends. Den Putz konnte man nicht abnehmen, ohne dass er zerbrochen wäre. Das Herausschneiden samt dem Mauerwerk wäre sehr aufwendig und teuer geworden. Die so gewonnenen Blöcke hätten allein bei den Hausnummern ein Gewicht von um die 800 Kilogramm. Wie hätte man die noch transportieren, lagern und handhaben sollen?
Die Rettung, wenigstens für fünf Hausnummern, war die Idee, Repliken herzustellen. Dr. Evelyn Frick stellte den Kontakt zu den Restaurierungswerkstätten Neubauer her, die genau die richtigen Fachleute für diese anspruchsvolle Aufgabe haben. Dann musste es schnell gehen, denn der Abrissbagger stand schon bereit. So wurden zuerst die beiden Hausnummern 27 und 29 mit Spezialsilikon abgeformt. Die Hausnummern 9, 15 und 19 folgten in den Wochen darauf.
Besser als
die Originale
Nun konnten Horst Halser, Walter Leicht und Dr. Evelyn Frick in den Restaurierungswerkstätten Neubauer in Mauerkirchen die fertigen Repliken in Augenschein nehmen und sich die aufwendige Technik von Reiner Neubauer und Bernhard Mayrhofer erklären lassen.
Das Ergebnis ist mehr als überzeugend. „Die sehen fast besser aus als die Originale“, bemerkte Horst Halser, der Initiator der ganzen Rettungsaktion.
Demnächst kommen die Repliken, die nur wenige Kilo wiegen und mit 900 Euro pro Stück für die GRWS finanzierbar sind, ins Depot des Städtischen Museums. „Für ein so aufschlussreiches Stück Stadtgeschichte habe ich selbst in meinem knapp bemessenen Depot noch Platz“, freut sich Museumsleiter Walter Leicht.
Zusammen mit seinen Mitstreitern kann sich der Stadthistoriker eine spätere Präsentation der Repliken im Foyer des Neubaus der Hochschule sehr gut vorstellen. Zusammen mit der Stele würde so an Ort und Stelle der abgerissenen Siedlung die Erinnerung an ein Stück Rosenheimer Nachkriegsgeschichte lebendig bleiben. fie