„Es war halt mal chilliger“

von Redaktion

Interview Rita Falk über ihre Eberhofer-Erfolge und Polizei, wie sie sein könnte

Rosenheim – „Die Oma wird ned g‘schubst“, so heißt es beim Dorfpolizisten Eberhofer, wenn‘s denn dann doch mal nach seinem Tempo gehen soll. So heißt aber auch das Programm, mit dem Autorin Rita Falk, Christian Tramitz als Stimme der Eberhofer-Hörbücher und Moderator Florian Wagner auf Tournee sind. Am Donnerstag, 27. Februar, sind die drei im Kultur- und Kongresszentrum zu erleben (20 Uhr). Die OVB-Heimatzeitungen sprachen mit Rita Falk über Erfolg, den Zauber der Provinz und den Nostalgie-Faktor in ihren Eberhofer-Krimis.

Weil Sie aus Oberammergau stammen, muss ich auf eine Passion zu sprechen kommen. Auf Ihre Passion für Deftiges: Winterkartoffelknödel, Leberkäsjunkie, all die Namen Ihrer Krimis. Woher kommt’s?

Es stand tatsächlich die bayerische Speisekarte Pate, und zwar deswegen, weil ich in Bayern geboren und aufgewachsen bin, weil ich dort lebe und Bayern liebe. Und weil ich die Kulinarik sehr schätze und daheim auch immer bayerisch gekocht wurde. Auch bei mir zu Hause koche ich sehr gerne bayerisch.

Verbundenheit, die erwidert wird. Es gibt einen Eberhofer-Kreisel in Frontenhausen, kürzlich musste sich ein Mann vor Gericht verantworten, weil er sich wie Eberhofer verkleidet, damit aber amtsanmaßend Uniform anlegt hatte. Wenn man so populär ist – ist das der Gipfel des Ruhms?

Das weiß ich nicht, wahrscheinlich schon. Ich mache mir nicht so viel Gedanken darüber, ich google mich nicht, ich hebe mir auch keine Zeitungsberichte über mich auf. Was ich gern mag, ist, wenn man auf Fans trifft, wenn man mit denen redet, und wenn die dann ein Selfie machen. Also, den Kontakt mit Endverbraucher, sozusagen, den mag ich sehr. Auch, weil man da ein direktes Feedback bekommt. Schreiben ist ein einsamer Job, da freut man sich doch, wenn man endlich mal draußen ist und Lesung hat, und vor allem, wenn es die Leute mögen.

Sie waren Bürokauffrau, bevor Sie zum Schreiben fanden. Der Wechsel war nicht ganz freiwillig.

Das stimmt, ich hatte meine Arbeit verloren, hatte viel Freizeit, und in dieser übrigen Freizeit habe ich zu schreiben angefangen. Ich hatte immer schon geschrieben, aber nie Zeit für einen Roman gehabt, immer nur kürzere Stücke geschrieben, und das nur für mich selber.

Bis Sie den Verkaufswert von Krimis erkannten?

Nicht direkt. Die Idee kam von einer Freundin, die hatte es gelesen und sagte mir: Das muss in die Welt.

Gute Freundin! Sie landeten auf der Bestsellerliste, und mit ihrem fünften Krimi, „Sauerkrautkoma“, auf Nummer eins. Wie feiert man ein solches Ereignis?

Der Verlag hat mir aus diesem Anlass eine Flasche Champagner geschickt. Wir haben noch versucht, sie kaltzustellen, mein Mann und ich haben sie dann aber doch lauwarm getrunken.

Die folgenden fünf Krimis landeten ebenfalls auf Nummer eins. Erklären Sie mir das Rezept?

Ich habe nicht wirklich eine Erklärung dafür. Leser erzählen mir, dass sie beim Franz Eberhofer mit dabei sind, sie hocken bei ihm im Streifenwagen, sitzen bei der Oma in der Küche oder mit dem Woifi in der Wirtschaft, sie schauen also nicht nur auf die Geschichte, sondern fühlen sich richtig mit reingenommen.

Dieser Ruhm könnte einem zu Kopf steigen…

Nein, der Ruhm steigt mir nicht zu Kopf. Ich mag Menschen nicht, die arrogant sind. Daher bin ich auch selber nicht arrogant.

Das Filmdorf Frontenhausen haben sie als das durchschnittliche Bayern schlechthin genannt.

Und das war überhaupt nicht despektierlich genannt. Das Niederbayerische hat einen anderen Charme als Oberbayern. Es ist schnörkelloser, da gibt’s keine Lüftlmalerei, keine geschnitzten Balkone. Mein Niederkaltenkirchen jodelt nicht. Ich finde das Karge in Niederbayern nicht negativ, vielleicht kann man es eher auch minimalistisch nennen.

Worin unterscheidet sich das Durchschnitts-Bayern vom Klischee-Bayern?

Ja, das Klischeebayern, das man zum Beispiel im Fernsehen sieht und von dem man in Romanen liest – das ist für den Urlauber zurechtgeschnitzt. Im Grunde ist der Alltag in Bayern auch nicht anders als in Hamburg oder Frankfurt. Die Menschen haben Kinder und Familie, sie haben ihre Probleme mit Chef oder mit ihrem Auto, oder die Waschmaschine ist kaputt – was auch immer der Alltag so bereithält. Auf dem Land ist vielleicht der Zusammenhalt enger. Da geht man dann zum Nachbarn, wenn das Auto nicht anspringt, und fragt: Kannst mir Starthilfe geben? Ich glaube, das gilt für Provinz allgemein: dass sie nicht anonym ist.

Die Provinz ist auch anderswo in der Literatur gerade mächtig angesagt. Woher kommt die neue Lust auf Land?

Ich glaube, das hängt mit der Globalisierung zusammen, es muss immer weitergehn und immer schneller werden, es gibt Leute, die die fliegen wegen ihres Berufs dreimal pro Woche umeinand. Da gibt es ein Sehnsuchtsgefühl, ein Gefühl, das einem sagt, ich möchte jetzt einfach mal im Nest hocken oder mit meinen engen Freunden in meiner Stammkneipe ein Bier trinken. Dieses überschaubare Leben wird immer mehr zum Sehnsuchtsort.

Richtig lebendig sind Ihre Dorfbewohner. Die Städter sind meistens Verkörperungen, und zwar oft von unguten Eigenschaften. Sie aber leben in der Stadt…

…ich lebte in der Stadt. Jetzt nicht mehr. Das war, weil ich München kennenlernen wollte, und zwar nicht als Touristin, sondern als Münchnerin. Ich hab mich auch wohlgefühlt dort, aber dann doch gemerkt, dass die Lebensstruktur in der Stadt nichts für mich ist. Jetzt kann ich im Sommer wieder im Schlafanzug in den Garten, um dort den ersten Kaffee zu trinken.

Ihr Mann ist Polizist – ist der so wie der Eberhofer?

Er war Polizist! 36 Jahre lang war er bei der Polizei und verfolgt mich mit Nachschub, mit Details über die Arbeit oder Anekdoten aus dem Dienstbetrieb.

Eberhofers Eigenschaften teilt er nicht?

Nein, aber der Eberhofer hat schon viele Eigenschaften, die mein Mann aus der Zeit von vor 30 Jahren beschreibt. Wie er angefangen hat, war es allgemein lockerer. Wenn Polizisten einen besoffen auf dem Radl erwischt haben, haben s‘ ihm halt die Luft aus den Reifen gelassen, damit er nicht weiterfahren kann. Es war halt alles ein bisschen chilliger.

Sie schreiben auch noch andere Bücher neben der Eberhofer-Reihe. Toben Sie sich irgendwann auch im gefragten Sujet des historischen Romans aus?

Nein, da kenn mich nicht aus, ich sage, Schuster, bleib‘ bei deinen Leisten und schreib über Dinge, die du kennst. Mich ins 14. Jahrhundert zu katapultieren, wäre wirklich nicht sinnvoll. In der Geschichte bin ich nicht zu Hause.

Aber Eberhofer ist, wie Sie selber gesagt haben, nicht ganz aus der Gegenwart. Ein bisserl historisch ist er ja doch.

Der ist ein bisschen historisch, ja, von Polizisten höre ich öfter, der ist ja so, wie wir ab und an ganz gern wären. Aber die Polizisten heute haben ja oft gar keine Gelegenheit mehr, mal ein Auge zuzudrücken.

Worauf dürfen sich Ihre Gäste in Rosenheim freuen?

Es wird keine klassische Lesung. Wir sitzen da zu dritt, Christian Tramitz, der die Hörbücher grandios einliest, Florian Wagner, der moderiert, und ich. Es wird ein launiger Abend, wir erzählen aus zehn Jahren Eberhofer, wir nehmen das Publikum mit, wir lesen Stücke aus den Büchern. Es ist ein kurzweiliger, witziger und für uns drei auch schöner Abend, weil wir nah mit dem Publikum beisammen sind.

Interview: Michael Weiser

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