Hilfeschrei des Elternbeirats

von Redaktion

An der Prinzregentenschule gibt es zu wenig Platz für die Schüler – Kritik an Stadt

Rosenheim – Die Vorwürfe des Elternbeirats der Prinzregentenschule gegen die Stadt Rosenheim als Sachaufwandsträger sind deutlich: Der Stadtrat versage seit Jahren, mehr Platz in der Schule zu schaffen und damit die Mindestanforderungen des bayerischen Kultusministeriums zu erfüllen. Um auf die Situation aufmerksam zu machen, hatte der Elternbeirat zu einer Dialog-Veranstaltung in die Schule eingeladen. Vertreter von Elternbeirat, Schulleitung und Stadtverwaltung sollten sich austauschen. Tatsächlich blieben am Ende Schulleitung und Stadtverwaltung fern – und die Schultür blieb geschlossen.

80 Zuhörer
im Pfarramt

Die Veranstaltung fand letztlich im katholischen Pfarramt St. Marien statt. Und die rund 80 Gäste hörten ausschließlich den Sachstand aus Sicht des Elternbeirats. Demnach fehlt es vor allem an Platz: Die Prinzregentenschule habe im Jahr 2008, mit damals rund 300 Schülern, einen zu kleinen Erweiterungsbau erhalten, so der Vorwurf. Dieser Bau stehe zudem auf dem schon damals zu kleinen Pausenhof, nehme den Kindern Platz zur freien Bewegung. Nach dem Musterraum-Programm des bayerischen Kultusministeriums müssten Lehrer und Schüler nach Aussage des Elternbeirats 2927 Quadratmeter zur Verfügung haben. Tatsächlich seien es aber nur rund 2370 Quadratmeter – und das auch erst dann, wenn der Hort mit 468 Quadratmetern Fläche auch wirklich im Sommer 2022 aus der Schule ausgegliedert werde. Derzeit fehlen nach Berechnung des Elternbeirats etwa 1030 Quadratmeter, also mehr als ein Drittel der Fläche. Nach dem Auszug des Horts fehlten noch immer mehr als ein Fünftel.

Wie der Vorsitzende des Elternbeirats, Sebastian Dürbeck, sagt, betreut „die Prinz“ aktuell etwa 400 Schüler, im Schuljahr 2022/23 könnten es schon 490 sein. Daher muss in seinen Augen endlich etwas vorwärtsgehen. „Schulleitung und Lehrer tun, was sie können, an denen liegt’s nicht. Aber sieben Jahre ist nichts passiert. Wir fordern nur das, was unseren Kindern zusteht“, sagt er.

Die Zustände an der Schule beschreibt er so: Kranke Kinder müssten im Flur vor dem Rektorat auf ihre Eltern warten, Lehrer müssten gelähmte Kinder bei Bedarf ins Sekretariat tragen, die Schüler müssten gedrängt unter Aufsicht in einem Zimmer ihre „stille Pause“ absitzen, weil das Spielen draußen unmöglich sei.

Kein Platz für
einen Ruheraum

Zudem müssten sich die Kinder in Schichten umziehen und mittagessen. Schüler, die besondere Hilfe benötigten, würde diese versagt, weil ein Raum fehle, um etwa Kindern mit Leseschwäche Aufgaben vorzulesen. Kindern mit wiederkehrenden gesundheitlichen Einschränkungen fehlt demnach der Ruheraum.

Alle vier Jahre erstellt das Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung einen Evaluations-Bericht. Das Ergebnis von Oktober 2017: Die Lärmbelastung durch die Lage an der B15 ist hoch, der Altbau ist renovierungsbedürftig, die Beschattung der Klassenzimmer ist mangelhaft und eine Klimatisierung fehlt, die Raumknappheit ist enorm. Außerdem ist der Pausenhof sehr klein, ebenso wie die Turnhalle und das Lehrerzimmer. Dort gebe es zudem nur einen PC. Zugleich gebe es zu wenig Gruppenräume, es fehle eine Mensa – und anderes mehr.

Dürbeck sagt: „Die Kinder kompensieren gut, aber wie viel besser würden sie miteinander auskommen und lernen, wenn die Mindestanforderungen erfüllt wären. Die Funktion der Schule ist, die Grundlagen für Chancengleichheit zu legen. Das scheint in der ,Prinz‘ aus den Augen verloren zu sein.“

Vertreter der Stadt
bleibt Debatte fern

Die Frage des Elternbeirats sei, ob und welchen Lernerfolg die Stadt für die Kinder dieser Schule haben wolle. Das wiederum habe Auswirkungen auch auf die wirtschaftliche Lage der Region. Denn die Betriebe bräuchten Kinder mit solider Schulbildung, um sie beruflich ausbilden zu können und dadurch den unternehmerisch notwendigen Erfolg zu sichern. Eine Antwort vonseiten der Stadt gab es an diesem Abend nicht. Michael Keneder, der Leiter des Dezernats IV, Jugend, Schule, Soziales, Kultur und Sport, war der Veranstaltung fern geblieben, ebenso wie die Schulleitung. Hintergrund war offensichtlich der Post eines Stadtrats in den sozialen Netzwerken, mit dem dieser auf die Veranstaltung hingewiesen hatte. Daraufhin hatte Keneder nach eigener Aussage die Veranstaltung als Wahlkampf-, mindestens jedoch als politische Veranstaltung eingestuft. Angestellte der Stadt seien zu politischer Neutralität verpflichtet, teilte er mit, daher habe er nicht teilgenommen. Der Vermutung, Keneder habe der Schulleitung empfohlen, sich mit Äußerungen bei dieser Veranstaltung zurückzuhalten, widerspricht die Stadt. Teilgenommen jedenfalls hat kein Vertreter der Schulleitung.

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