Täglich auf der Jagd nach Likes

von Redaktion

Influencerin auf Instagram: Marlene Plank (25) gibt einen Einblick in ihr Leben

Rosenheim – Marlene Plank (25) aus Griesstätt ist auf Instagram zu Hause. Auf der sozialen Plattform folgen ihr 186000 Menschen. Tendenz steigend. Jetzt macht die Influencerin gemeinsam mit ihrem Freund Jürgen Biesterfeld (55) ein Kickbox-Studio im Rosenheimer Stadtzentrum auf. Eröffnung ist am 1. März. Ein Leben zwischen Geschäftsfrau, Kickboxen und der Jagd nach Likes.

Marlene Plank steht ständig unter Strom. Jeden Tag aufs Neue. Die Fans warten auf neue Bilder, 100 Nachrichten müssen pro Tag beantwortet werden. Ständig muss sie sich neue Orte und Posen für ihre Fotos überlegen. Content liefern. Auf Kommentare muss sie antworten, ständig online erreichbar sein. Sie nimmt kleine Videobotschaften für ihre Fans auf, gibt ihnen Einblicke in ihr Privatleben. Immer muss sie gut aussehen, immer gute Laune haben.

641 Posts
in drei Jahren

Seit drei Jahren ist sie als Influencerin tätig. Bekannt ist sie unter dem Namen fighting.marlene.maxima. Im sozialen Netz zeigt sie sich sportlich in Leggings und Sporttop, elegant im roten Abendkleid und verführerisch in Unterwäsche vor dem Kamin. Sie posiert am Strand, im Fitnessstudio und in ihrem Zuhause. Hinter jedem ihrer 641 Instagram-Posts steckt viel Arbeit, auch weil sie alles selbst macht. Sie wählt Kulisse und Kleidung aus, schminkt sich, kümmert sich um ihre Frisur. Ihr Freund Jürgen Biesterfeld macht die Fotos. Hunderte. Im Stehen, im Liegen, beim Spagat. Auf manchen Bildern schaut sie ernst, auf anderen lacht sie in die Kamera. Nach jedem Shooting muss das beste Bild ausgewählt werden. Das Bild, auf dem alles passt – Haare, Haltung und das Lächeln. Ist es gefunden, wird es bearbeitet. Auf manche packt sie einen Filter. Andere bleiben beinahe unbearbeitet. Anschließend muss sich Marlene Plank eine kreative Bildunterschrift überlegen. Erst dann lädt sie das Bild hoch, erst dann ist er fertig, der perfekte Instagram-Post.

Wie gut der Post wirklich ist, entscheiden letztendlich ihre Abonnenten. „Je mehr Likes, desto besser das Bild“, sagt Marlene Plank. Einer ihrer erfolgreichsten Beiträge zeigt sie im sportlichen Outfit, im Spagat. Likes: 10773. Kommentare: 263. Alle sind positiv. Sie bekommt Komplimente für ihr Aussehen, Komplimente für ihre Sportlichkeit. Sogar ein Heiratsantrag ist dabei.

Marlene Plank nimmt das mit Humor. Sie freut sich über den Zuspruch ihrer Community. Er ist die Bestätigung, dass sich die harte Arbeit lohnt, dass das ständige am Handy-Sein einen Sinn hat.

Eine Auszeit von der Online-Welt gönnt sie sich nur selten. Wenn längere Zeit Funkstille auf ihrem Profil herrscht, leidet die Reichweite. Und genau die ist für Firmen entscheidend. Nur wer gefragt ist, bekommt lukrative Angebote. Für Protein-Shakes, Sportklamotten und Fitnessgeräte macht Marlene Plank Werbung. Mehrmals in der Woche klingelt der Postbote mit neuen Paketen. Der Inhalt ist für sie kostenlos, sie muss ihn lediglich bewerben. Und so posiert sie im Schneidersitz und wirbt mit einem Shake für „bessere Erfolge im Training“. Auf einem anderen Bild wirbt sie im schulterfreien Kleid für Bio-Nudeln. Die Produkte testet sie, stellt nur das vor, was ihr auch selbst gefällt, was „zu ihr passt“. Wie viel Geld genau sie damit verdient, verrät sie nicht. Sie sagt nur so viel: „Es reicht locker zum Leben.“

Dass Marlene Plank ausschließlich über Instagram ihren Unterhalt finanzieren kann, damit hatte sie vor drei Jahren nicht gerechnet. Was heute richtig Geld bringt, war damals ein Hobby. Sie postete Schnappschüsse vom Boxen, vom Herumalbern mit Freunden. Sie bekam zwischen 20 und 30 Likes. Doch mit jedem neuen Bild nahm die Beliebtheit zu, wuchs die Reichweite. „Ich bin immer erfolgreicher geworden.“

Über 100

Nachrichten am Tag

Über die Jahre lernt sie die Plattform immer besser kennen. Sie weiß, dass sie auf Bilder, die sie am Abend postet, mehr Likes bekommt als am Tag. Sie lernt, wie man Hashtags benutzt und wie sie die Interaktionsrate unter ihren Bildern verbessert. Mittlerweile zählt sie zu den erfolgreichsten Influencern in der Region. Auf der Straße wird sie angesprochen, wird um Fotos gebeten. Täglich bekommt sie über 100 Nachrichten – die meisten von Männern. „Es ist immer noch ungewohnt“, sagt sie, fügt hinzu: „Viele Leute denken, sie kennen mich. Dabei kennen sie mich nur durch Instagram.“ Das Leben als Influencerin hat viele Vorteile. Aber nicht nur.

„Der Druck ist enorm“, sagt Marlene Plank. Ein Druck, dem sich offensichtlich auch eine andere Influencerin aus Rosenheim beugen musste: Das Fitness-Modell Sophia Thiel, das sich auch als Autorin von Büchern zur richtigen Ernährung, zum Abnehmen und zum passenden Sportprogramm einen Namen gemacht hatte. Thiel folgen auf Instagram 1,2 Millionen Menschen. Die erfolgreiche Fitness-Influencerin ist seit Mai 2019 von der Bildfläche verschwunden, hat sich aus den sozialen Medien komplett zurückgezogen. Dem Rückzug vorausgegangen war ein emotionales Video.

Marlene Plank versteht das. Die beiden Frauen kennen sich nur flüchtig. „Letztendlich kann Sophia machen was sie will, und das sollte man auch respektieren“, sagt sie.

Sie selbst ist nicht an dem interessiert, was andere über ihre Instagram-Kollegin sagen. Sie konzentriert sich lieber auf ihre neue Aufgabe: Die gelernte Kauffrau für Büromanagement eröffnet Anfang März das Kickbox-Studio in Rosenheim. Mit 13 Jahren stand sie zum ersten Mal im Ring, boxt seitdem fünfmal in der Woche. „Viele denken, ich bin ein Modepüppchen, aber das stimmt nicht.“ Sie mag das Gefühl, alleine im Ring zu stehen, alleine für den Erfolg verantwortlich zu sein. Ähnlich wie bei Instagram. Ihre Plattform soll helfen, Werbung für ihr Studio zu machen. „Ich will zeigen, dass man auch als Kampfsportlerin weiblich sein kann“, sagt sie. Die 641 Bilder auf ihrer Plattform sind Beweis genug.

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