Zum Artikel „200 Klimaaktivisten demonstrieren am Tag der Liebe“, erschienen im Lokalteil:
Zu dem Artikel gibt es ein Foto, das junge Leute am Ufer der Mangfall auf dem Weg Richtung Innenstadt zeigt, um gegen die Klimakrise zu demonstrieren. Was leider, von genau der Position der Demonstranten, auf dem Foto fehlt, ist der Blick ein wenig weiter auf die gegenüberliegende Seite der Mangfall, wo man unschwer sieht, dass da alle, mehrere 100 Jahre alten Bäume, gerade jetzt der bayerischen Kettensäge zum Opfer fallen.
Wer sich ein Bild der Verwüstungen machen will, sollte mal eine Radltour am Ufer des Inns vom Norden entlang der Mangfall, des Mangfallkanals bis nach Kolbermoor machen. Danach schwankt man fassungslos zwischen Wut und Trauer.
Gerade was bei uns passiert, sollten wir in unserer sehr deutschen moralischen Überhöhung gegenüber Anderen nicht übersehen. Natürlich ist mir bewusst, dass in Brasilien aus niedrigen Beweggründen gerodet wird und bei uns aus absolut hehren Gründen wie dem Schutz der Zähne der Biber, Null-Toleranz gegenüber dem Borkenkäfer, das Leiden der Eschen beenden, kein Schatten auf dem Boden erlauben oder auch nur, um den riesigen japanischen SUVs des Wasserwirtschaftsamtes Rosenheim freie Fahrt zu gewährleisten.
Trotzdem ist das Ergebnis das selbe. Da von der Politik, ganz egal welcher Farbe, nichts zu erwarten ist, muss die Zivilgesellschaft sich wehren. Was hier passiert wird bezahlt von den Steuern – und deshalb müssen wir ein Mitspracherecht verlangen um mitgestalten zu können. Denn nur dann haben wir auch das Recht uns über andere aufzuregen, die nichts tun. Aber möglicherweise dient das, was an der Mangfall zu sehen ist, ja nur dem guten Zweck, Platz zu schaffen, damit unser Ministerpräsident Söder seine 30 Millionen Bäumchen pflanzen kann.
Andreas Brandt
Rosenheim