Die Kohlenstoff-Uhr tickt

von Redaktion

Lichtprojektion am Turm von St. Nikolaus setzt Zeichen gegen Klimawandel

Rosenheim– Lottozahlen, Bibelverse oder die Zeit bis zum Weltuntergang? Eine Projektion am Kirchturm von St. Nikolaus hat in den vergangenen Tagen für viele Diskussionen gesorgt. Jetzt verrät der Künstler Bastian Trieb (45) aus Rosenheim, was dahinter steckt.

Die Uhr tickt. Mitten in der Rosenheimer Innenstadt. Die Rede ist nicht etwa von der Kirchenuhr am Turm von St. Nikolaus, sondern von der Lichtprojektion direkt darunter. Was aussieht, wie eine wild durcheinander gewürfelte Zahlenfolge ist in Wirklichkeit ganz genau durchdacht. Die CO2-Uhr zeigt an, wie viel Zeit wir noch haben, um die globale Erwärmung auf maximal 1,5 Grad zu begrenzen – ein Wert, der im Pariser Klimaabkommen festgelegt wurde.

Ein Zeichen gegen

den Klimawandel

Der Mann hinter der Bewegtbild-Projektion ist Bastian Trieb. Ein Diplom-Ingenieur der Architektur, der lange Zeit als Bühnenbildner gearbeitet hat. Er will ein Zeichen setzen. Gegen den Klimawandel. „Wenn wir weiterhin so viel CO2 ausstoßen wie in den vergangenen Jahren, dann bleiben uns weniger als acht Jahre, bis die Restmenge ausgeschöpft ist, um das 1,5- Grad-Ziel zu erreichen“, sagt er. Und will genau das verhindern.

Lange hat er überlegt wie, sich ähnliche Projekte im Internet angeschaut. Bei seinen Recherchen stieß er dabei auf die CO2-Uhr des „Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change“ (MCC).

Die Uhr ist also keine Neuheit, gehe laut Trieb im Internet aber unter. So entstand die Idee, die Uhr an einer „prominenteren Stelle“ zu platzieren. Ein passender Ort sei schnell gefunden gewesen. „Die Kirche St. Nikolaus ist der wichtigste Ort in der Stadt“, sagt Trieb. Auch, weil „Uhrwerke auf Kirchentürmen seit Beginn der Neuzeit der zentrale und maßgebliche Zeitanzeiger für die Bürger einer Stadt sind“.

Trieb kontaktierte den Pfarrer Andreas Zach, sprach mit Dr. Ulrich Schäfert vom Kunstpastoral der Erzdiözese München-Freising. Beide seien sofort mit an Bord gewesen. Und so nahm das Projekt nach und nach Gestalt an. Seit Sommer 2019 tüftelte Trieb an seinem Vorhaben, seit vier Tagen können die Rosenheimer das Ergebnis bestaunen. Der Projektor schaltet sich kurz nach Dämmerungseinbruch ein, und Punkt 23 Uhr wieder ab.

„So etwas gab es noch nie“, sagt Pfarrer Zach. Er unterstützt das Projekt, weil die Uhr „einen Impuls setzt“ und zum „Nachdenken anregt“. Ursprünglich sei geplant gewesen, die Uhr schon während der Adventszeit einzublenden. Man habe aber befürchtet, dass die Projektion zwischen den Lichtern des Christkindlmarktes untergeht. Schließlich einigten sich die Verantwortlichen auf die Fastenzeit. „Fasten hat mit Reduzierung und Einschränkung zu tun“, sagt Zach.

Er hofft, dass die Uhr ein Aufruf zum Handeln ist. „Wir können uns vor dem Klimawandel nicht mehr drücken“, sagt er und fügt hinzu: „Die Zeit rennt, wir haben nicht ewig.“

Schon jetzt sei die Resonanz durchweg positiv gewesen. Es ist wichtig, „das umgreifende Thema Klimawandel“ in den „Mittelpunkt der Gesellschaft zu rücken“, schreibt beispielsweise Titus Mennicken aus Rosenheim. In einer E-Mail an Stadtpfarrer Andreas Zach bedankte er sich und lobte das Projekt.

Bastian Trieb schätzt diesen offenen Beifallsbekundungen, freut sich, dass sein Projekt bei so gut ankommt. „Wir müssen die Zeichen der Zeit erkennen und entschlossen handeln“, sagt er. Die Bewegtbild-Projektion wird noch bis Sonntag, 29. März, am Turm von St. Nikolaus zu sehen sein.

Weitere Termine:

Kreuzwegandacht am Freitag, 13. März, um 17 Uhr. Besonderer Gottesdienst zum Thema „Gib Frieden“ am Sonntag, 29. März, um 10.30 Uhr.

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