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von Redaktion

Raimund J. Löfflad gibt sein Studio für Fotografie nach 50 Jahren auf

Rosenheim – Die Scheinwerfer bleiben aus. Die Suche nach dem richtigen Licht hat ein Ende: Raimund J. Löfflad hört auf. Nach 50 Jahren schließt der Fotografenmeister sein Studio am Salzstadl. Eine Entscheidung, die dem 69-jährigen Rosenheimer nicht leichtfällt. Ihm aber auch die Tür öffnet für etwas Neues.

Raimund J. Löfflad sagt über sich selbst, dass er Künstler ist. Er hält nichts von langweiligen Bildern. Er liebt das Ausgefallene, das Unvorhergesehene. „Mir geht es um Ausdruck und Emotionen. Ich will Action“, sagt er.

Zu jedem Foto gibt
es eine Geschichte

Löfflad steht im vorderen Teil seines Studios, als er über seine Liebe zur Fotografie spricht, über das, was ihm wichtig ist. Noch hängen einige seiner Arbeiten an den Wänden, die meisten stehen am Boden. Sie zeigen Familien. Eine Gothic-Hochzeit in den Bergen. Ein Paar auf einem Surfboard im Chiemsee. Es gibt Fotografien von Babys. Direkt neben der Tür stehen Aktbilder.

Zu jedem Foto gibt es eine Geschichte, Löfflad erinnert sich an alle „seine Kinder“.

Jetzt muss er Abschied nehmen. Von seinen Bildern und seinem Studio. „Es ist einfach alles zu viel geworden“, sagt er. Ständig habe sein Telefon geklingelt, ständig musste er erreichbar sein. Morgens um 7 Uhr, an den Wochenenden. Ein Leben ohne Arbeit gab es für ihn seit Jahrzehnten nicht mehr. Er erzählt von seinen Aufträgen. Als er gebucht wurde, eine Hochzeit auf der Zugspitze zu fotografieren. Von morgens um 6 Uhr bis kurz nach Mitternacht sei er auf den Beinen gewesen. „Ich habe mich nicht einmal getraut, aufs Klo zu gehen.“ Aus Angst, einen Moment zu verpassen. Er musste mitdenken, immer bereit sein, den Auslöser zu drücken. „Ich konnte den ganzen Tag nicht abschalten. Es war verdammt schwer.“

An jenem Tag machte er fast 1000 Bilder. Er fotografiert die Braut beim Anziehen des Kleides, den Bräutigam beim Binden der Schnürsenkel. Er machte Bilder von den Gästen und vom Anschneiden der Hochzeitstorte. Am nächsten Tag klickt er sich durch die Aufnahmen, wählte die schönsten aus. Bearbeitete die, die bearbeitet werden müssen. „Letztendlich ist es egal, wie viele Fotos ich mache, Hauptsache am Ende habe ich genügend gute Bilder zusammen“, sagt er.

Er unterhält sich mit seinen Kunden, manchmal stundenlang. Er fragt sie nach ihren Hobbys, ihren Leidenschaften. „Nach einer Weile bekomme ich dann eine Idee, wie das Bild aussehen könnte“, sagt Löfflad. Er weiß auch Jahre später, wie jedes einzelne seiner Bilder entstanden ist. Nur an die Namen und Gesichter erinnert er sich nicht. Sie interessieren ihn nicht. „Für mich sind alle gleich“, sagt er. Es hilft ihm „unbedarft an die Sache ranzugehen“. „Vielleicht ist es gut, dass jetzt Schluss ist. In unserer heutigen Zeit kann man nicht mehr wirklich unbedarft sein“, sagt er. Kurz wird er nachdenklich. Schaut sich in seinem Studio um, in dem in knapp zwei Wochen die Lichter ausgehen.

Vor knapp 50 Jahren war er von Wasserburg nach Rosenheim gezogen, um am Salzstadl sein Studio aufzubauen. Nach und nach machte er sich in Rosenheim und Umgebung einen Namen. „Ich habe eben anders fotografiert, das hat sich rumgesprochen“, sagt er. Er spezialisierte sich auf Porträts, gab Seminare für junge Fotografen in Köln, Holland und Schweden.

Anfangs fotografierte er analog, später digital. Vieles habe sich dadurch verändert, es sei preisgünstiger geworden, mit weniger Aufwand verbunden. „Aber es fehlt eben auch die Überraschung und die Zufälligkeit“, sagt er.

Anfang April, wenn sein Geschäft geschlossen hat, will er sich wieder mehr mit der analogen Fotografie beschäftigen. Und auch sonst hat er viel vor. „Ich falle nach der Schließung meines Ladens in kein Loch“, versichert er. Er will weiterhin Fotos machen, mehr Landschaften und Engel als Motiv wählen. Und auch für „Outdoor-Shootings“ und Hochzeiten steht er weiterhin zur Verfügung. „Ich will einfach mehr für mich machen. Nicht nur fotografieren, um die Bilder anschließend zu verkaufen“, sagt er.

Bis es soweit ist, gibt es allerdings noch einiges zu tun. Löfflad muss sein Studio ausräumen, muss Leinwände verschenken. „Das ist so, als ob ich meine Kinder verschenken würde“, sagt er.

Wiedersehen mit
all seinen „Models“

Aber er freut sich auch, seine „Models“ noch einmal zu treffen. Die Babys, die heute in die Grundschule gehen, das junge Paar, das mittlerweile seit zehn Jahren verheiratet ist. Sie alle hat er informiert, sie alle werden ihre Bilder abholen. Das macht den Abschied ein bisschen leichter. „Es gibt Berufe, da arbeitet man sein ganzes Leben und am Ende ist Schluss. Bei mir ist das anders. Die Bilder bleiben länger als ich. Es bleibt etwas Dauerhaftes“, sagt er.

Nachmieter steht fest

Die Firma Pronux aus Rosenheim zieht am Mittwoch, 1. April, in die Räume am Salzstadl 6 ein. Die Software-Entwickler haben bereits ein Büro am Salzstadl 5, wollen sich aber vergrößern.

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