Rosenheim – „Demenz ist eine Erkrankung, die Betroffene und Angehörige vor große Herausforderungen stellt. Die Erkrankung ist noch nicht heilbar, aber es gibt durchaus Wege, der Krankheit aktiv zu begegnen. In vielen Städten Deutschlands werden deshalb Führungen für demenziell Erkrankte angeboten.
Pro Senioren Rosenheim organisiert, zusammen mit der „Kultur- und Sozialstiftung des Oberbürgermeisters der Stadt Rosenheim Dr. Michael Stöcker“, Museumsbesuche für erkrankte Senioren. Besonders die Bewohner von Seniorenheimen und Tagespflege-Gruppen freuen sich über dieses Angebot.
„Das Bedürfnis nach Kultur und gesellschaftlicher Teilhabe geht nicht automatisch mit dem Erkranken an Demenz verloren. Im Gegenteil: Kunst, Kultur und Musik können Schlüssel zur emotionalen Welt von Menschen mit Demenz sein“, sagt Brigitte Socolov von Pro Senioren.
So erkundeten Senioren aus dem BRK-Haus Küpferling unter der Führung von Lydia Zellner und Brigitte Zippert die Ausstellung in der Städtischen Galerie. Schon bald kamen die Besucher und die beiden Museumspädagoginnen in einen lebhaften Austausch. Viele Details aus der Jugendzeit sind den Besuchern im Gedächtnis geblieben und es wurden Anekdoten erzählt. Eine ehemalige Friseurmeisterin machte bei der Führung ihrem Unmut Luft, weil damals die Firma Klepper höhere Löhne zahlen konnte und damit viele ihrer Mitarbeiterinnen abwarb. „Das ist das besonders Interessante an den Seniorenführungen“, sagt Zellner, „hier bekommen wir Details erzählt, die wir selbst nicht wussten.“ Mehrere Sinne wurden bei der Zeitreise angesprochen. Alle haben den damaligen Schlager von Wencke Myhre „Er hat ein knallrotes Gummiboot“ mitgesummt. Gemeint waren die Klepper-Faltboote. Auch zu den Kleppermänteln gab es Erinnerungen.
Wichtig sei auch die Nachbereitung des Besuchs, sagt Socolov. In einem gemeinsamen Gespräch wurde über die Objekte in der Ausstellung gesprochen. Dabei sollten „Erinnerungsinseln“ bei den Besuchern angesprochen werden. Eigene Erfahrungen und Gefühle, die durch den Ausstellungsrundgang geweckt wurden, regen die eigene Biografiearbeit an und schaffen so wieder Kontaktmöglichkeiten mit der aktuellen Umwelt. Initiiert wurden diese Museumsbesuche im Rahmen des Projekts „Rosenheimer Weg gegen Vergesslichkeit“, sagt Inge Ilgenfritz, die Vorsitzende des Vereins Pro Senioren Rosenheim.