Rosenheim – Die Leerstände werden bald weniger, die Stadtmarketing-Stelle ist wieder besetzt und noch nie hatte der Verein so viele Mitglieder. Positive Nachrichten hatte Paul Adlmaier, Vorsitzender vom Verein City-Management Rosenheim, jetzt bei der gut besuchten Jahreshauptversammlung im Kultur- und Kongresszentrum im Gepäck.
Nichtsdestotrotz müsse Rosenheim offen sein für den permanenten Wandel, in dem sich der Handel zweifelsohne befinde. Die Aufenthaltsqualität in der Innenstadt deutlich zu erhöhen, dürfe kein leeres Schlagwort bleiben. „Wir brauchen Mut und Aufgeschlossenheit, nicht Skeptiker und Bedenkenträger“, appellierte er an die anwesenden Oberbürgermeister-Kandidaten. Dazu gehöre es, neue Wege zu gehen und auf den ersten Blick ungewöhnliche Projekte zumindest temporär zu wagen. „Und wenn es nicht klappt, haben wir eben diese Erkenntnis“, so Adlmaier.
„Eine gute Idee
ist eine gute Idee“
Den notwendigen Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) sprach er ebenso an wie den Bedarf, die Parkhäuser an die heutige Zeit anzupassen. „Eine gute Idee ist eine gute Idee, egal von wem sie kommt“, so der Vorsitzende, der von einem übermäßigen Sparkurs zu Lasten künftiger Generationen warnte.
Weiter intensiv an der Entwicklung der Innenstadt zu arbeiten, dazu rief Sabrina Obermoser auf. Trotz einer bundesweiten Halbierung der Anzahl inhabergeführter Geschäfte in den vergangenen zehn Jahren, sei es nicht das Gebot der Stunde, hysterisch zu werden. „Ein Strukturwandel ist normal“, so die Geschäftsführerin. Sie ließ, auch in Form eines Films, die Termine im Jubiläumsjahr 2019 Revue passieren, von zwölf Veranstaltungstagen und drei Aktionstagen über den Spendentag „White Friday“ bis hin zum sehr erfolgreichen Adventsbus. Zudem nahm sie die Stadt in die Pflicht, mehr Unterstützung zu leisten und vom City-Management angestoßene Themen, wie „Rosenheim nimmt Platz“, dauerhaft durchzuführen.
Für 2020 stellte sie ein Oster-Gewinnspiel ebenso in Aussicht wie eine Fortführung neuer Marketing-Maßnahmen. So fährt inzwischen eine Rosenheim-Tram durch München und macht genauso Werbung für einen Shopping-Ausflug wie einige Plakate am Ostbahnhof der Landeshauptstadt.
Stadtmarketing-
„Schneeweißchen“
Gekonnt und mit Humor setzte sie ihr vor einigen Jahren begonnenes Märchen fort, in dem sie auf ihre Arbeit als Geschäftsführerin alias „Heidi aus den Bergen“ zurückblickte (wir berichteten). Froh sei sie, mit Stadtmarketing-„Schnee-weißchen“ Judith Gebhart de Ginsberg eine „Schwester“ bekommen zu haben, um die oft steinigen Wege in Rosenheim zusammen beschreiten zu können. Von Skeptikern, durch „Aschenputtel“ verursachte Baustellen oder geringe finanziellen Förderungen wolle sich Obermoser jedoch nicht entmutigen lassen. Stattdessen habe sie sich mit dem Straßenkunstfestival jüngst eine eigene „Zauberwelt“ geschaffen.
Einen Appell an die OB-Kandidaten richtete sie ebenfalls. Scheiterte sie vor einigen Jahren noch mit dem Vorschlag, 20 neue Fahrradabstellplätze schaffen zu wollen, sollen es jetzt auf einmal über 100 werden – dem Wahlkampf sei Dank? Auseinander gingen die Meinungen in Bezug auf den ÖPNV. Während Obermoser vor allem im städtischen Bereich sehr wohl ein „Umdenken“ festmachte („Wir klammern nicht mehr an jedem einzelnen Parkplatz“), versuchte die scheidende Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer eine Lanze für den motorisierten Individualverkehr und die Innenstadt-Parkhäuser zu brechen. Angesichts des zunehmenden Online-Handels sah sie keine Chance für autofreie Innenstädte sowie anderen Nutzungen zugeführte, umgewandelte Parkhäuser und untermauerte ihre Thesen mit einem starken Anstieg von Pkw-Zulassungen in Stadt und Landkreis Rosenheim. „Handel ohne Verkehr wird nicht funktionieren“, so Bauers Meinung.
Die Rathauschefin rief zudem dazu auf, das Positive in Bezug auf die Innenstadt besser zum Ausdruck zu bringen. Die Stadt solle stolz darauf sein, merkwürdige Trends nicht mitgemacht zu haben und sich erfolgreich gegen die Shopping-Arkaden am Bahnhof gewehrt zu haben. „Gäste, die nach Rosenheim kommen, stellen der Innenstadt ein prima Zeugnis aus“, so Bauer. Verantwortlich dafür seien die Mischung im Handel, eine vielfältige Gastronomie und der Lokschuppen mit seinem Ausstellungszentrum als Frequenzbringer. „Doch die Arbeit muss weitergehen“, forderte sie in Bezug auf den barrierefreien Ausbau vom Max-Josefs-Platz.
„Werden Sie digital sichtbar“, lautete ihr Rat für Geschäfteleute angesichts der Online-Trends. Dann bleibe die Innenstadt ein „Gesamt-Kunstwerk“. Vorsitzender Adlmaier bedankte sich für die gute Zusammenarbeit in den vergangenen 18 Jahren und überreichte ihr ein tierisches Geschenk für Dackel „Otto“, das die Oberbürgermeisterin sichtlich erfreut entgegennahm. Für „20 Jahre City-Management“ geehrt wurde Michaela Frey, Assistentin der Geschäftsführung und „Frau der ersten Stunde“.
Ausblick auf die
Entwicklungen
Anerkennung für die bundesweit vergleichsweise hohe Zentralität Rosenheims, also das Maß dafür, wie viel Kaufkraft von außerhalb in die Stadt fließt, gab es von Stephan Kippes, Professor für Immobilienmarketing und Maklerwesen an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt in Nürtingen-Geislingen. In seinem Vortrag gab er Ausblicke darauf, wie sich die Handelswelt in Deutschland und auf der ganzen Welt entwickelt – angefangen von einer Vermischung der Vertriebswege bis hin zu Trends des globalen Handelsriesen Amazon.