Zum Artikel „Trotz Coronavirus: Starkbierfest findet statt“:
Als die ersten Informationen zum Corona-Virus aus China zu uns kamen, musste man eigentlich gewarnt sein. Zig Millionen Menschen in Quarantäne sprachen auch für den Laien nicht für eine harmlose Atemwegs-Infektion. Doch unsere Politiker haben beschwichtigt. In den Medien wurde verbreitet, auch die niedergelassenen Ärzte seien bestens vorbereitet. Das war gelogen. Ich bin selbst Hausarzt und bin nicht auf eine Epidemie vorbereitet. Kaum einer meiner Kollegen ist darauf vorbereitet. Das ist allein Aufgabe des Staates, das können wir Ärzte gar nicht leisten.
Trotz allem versuchen wir Ärzte nun, auf die momentane Situation bestmöglich zu reagieren. Trotz fehlendem adäquaten Schutz für uns, unsere Mitarbeiterinnen und unsere Patienten versuchen wir alles, damit es möglichst wenig Neuinfektionen mit dem Corona-Virus gibt. Und was machen die Stadt Rosenheim und die Auer-Brauerei? Entgegen der Empfehlung des Gesundheitsamtes tragen sie das Starkbierfest in Rosenheim aus und feiern es noch als „mutig und stark“. Da fehlen mir die Worte. Wissen die denn nicht, dass in der Lombardei weit über 100 Corona-Patienten beatmet auf Intensivstationen um ihr Leben ringen? Und dass mit dieser Anzahl an schwer kranken Menschen die Kapazitäten auch unseres stationären Gesundheitssystems überlastet wären?
Welche Auswirkungen die Epidemie für uns in Bayern haben wird, kann niemand verlässlich voraussagen. Was die Beschäftigung mit den Auswirkungen aber vielleicht erreichen kann, ist eine längst überfällige gesellschaftliche positive Neubewertung der Bedeutung der Beschäftigten im Gesundheitssystem.
Auf einer Intensivstation für Neugeborene in Aachen wurde nun das erste Mal der vom Robert-Koch-Institut vorgegebene Quarantäneplan außer Kraft gesetzt. Obwohl sich eine Mitarbeiterin mit Corona angesteckt hatte, müssen diese weiter auf der Station arbeiten, weil sonst die Versorgung der Patienten nicht gewährleistet werden kann. Dies sollte sich endlich im Ansehen, den Arbeitsbedingungen und der Bezahlung widerspiegeln.
Thomas Fuchs
Riedering
Gerade habe ich gehört, dass das Rosenheimer Starkbierfest trotz Abratens des Gesundheitsamtes stattfinden soll. Inzwischen weiß doch jeder, dass wenn so viele Menschen sozusagen aufeinandersitzen, die Übertragungsrate des Virus immens ist. Zählt das Wohl der Bürger weniger als die Umsätze? Langsam versteh ich die Welt nicht mehr. Und dann haben wir ja auch das sogenannte Italiener-Wochenende. Wenn sich diese Sache mal nicht auf die anstehende Wahl auswirkt.
Gerda Hierl
Rosenheim