„Er wollte mich gleich heiraten“

von Redaktion

Irma und Alexej Zhivoder aus Rosenheim feiern ihre diamantene Hochzeit

Rosenheim – Irma und Alexej Zhivoder haben schon viel erlebt. Jeder für sich, aber vor allem gemeinsam. Seit 60 Jahren ist das Paar verheiratet, jetzt feierten sie ihre diamantene Hochzeit.

Umzug von Russland nach Rosenheim

Alexej Zhivoder (86) ist kein Mann vieler Worte. Er hört zu, lässt seine Frau Irma (82) reden. Ab und zu nickt er, lächelt. Wenn seine Frau nicht weiterweiß, spricht er beruhigend auf sie ein. In Russisch. Deutsch versteht er, sprechen tut er es nur selten. Umso fließender spricht seine Frau. Ab und zu mischen sich russische Wörter in ihre Sätze. Zu merken scheint es die 82-Jährige nicht. Sie redet viel und ohne Pausen. Über ihre Eltern, ihre Zeit in Wolgograd, den Umzug nach Deutschland vor 13 Jahren. Und über die Zeit, als sie ihren Alexej kennenlernte.

„Es war nach der Arbeit“, sagt sie. Damals sei es üblich gewesen, die Feierabende gemeinsam zu verbringen. In einer Art Aufenthaltszimmer trafen sich Freunde, Bekannte und Leute, die man nur flüchtig kannte. Es wurde geredet, gesungen und getanzt. Auch Alexej und Irma verbrachten ihre Abende hier. Sie nach einem langen Arbeitstag als Melkerin, er nach seiner Tätigkeit als Traktorfahrer.

Es sei ein Abend wie jeder andere gewesen. Bis zu dem Moment, als ihr zukünftiger Mann sie ansprach. „Er hat mir gesagt, dass ich schön bin und er mich heiraten möchte“, sagt sie und lacht. Die Direktheit gefiel ihr. Die beiden kamen ins Gespräch, sie tanzten, verbrachten viel Zeit zusammen. Nach zwei Jahren dann die Hochzeit mit 40 Freunden, Bekannten und Familienmitgliedern.

Geld für Ringe hatten sie damals nicht. Und auch 60 Jahre später sind die Ringfinger der beiden leer. Zu stören scheint es sie nicht. Sie gehören zusammen, das wissen sie – auch ohne Ringe. Eingelebt hat sich das Paar in Rosenheim schnell. Das Leben hier sei einfacher und unkomplizierter als in Russland, sagt Irma Zhivoder. Sie gehen spazieren, backen für Nachbarn und Freunde. Ab und zu besuchen sie ihren Sohn, die zwei Enkel und die beiden Urenkel in Kolbermoor. „Wir haben eine gute Familie. Wir unterstützen uns gegenseitig, helfen uns, wenn jemand krank ist“, sagt sie. Wie an ihrem Hochzeitstag. Den musste Irma Zhivoder im Krankenhaus verbringen. Des hohen Blutdrucks wegen. Immer an ihrer Seite: Alexej. Er hielt ihre Hand, kümmerte sich um seine Frau und flüsterte ihr Aufmunterungen in Russisch zu. Wie schon damals vor 60 Jahren.

Artikel 11 von 11