Rosenheim – Die Corona-Krise betrifft nicht nur Restaurants, Schwimmbäder und Kinos, sondern vor allem auch Bildungseinrichtungen. Am vergangenen Montag hat die bayerische Landesregierung veranlasst, alle Kitas, Schulen und Kindergärten zu schließen. Nach den Osterferien soll am 20. April der Betrieb wieder aufgenommen werden – das ist im Moment jedenfalls das erklärte Ziel.
Während sich viele jüngere Schüler über die unterrichtsfreie Zeit freuen, bangen die Abiturienten um ihre Abschlussprüfungen. Lange war unklar, wie, wann und ob diese stattfinden werden. Gestern Vormittag hat das bayerische Kultusministerium die neuen Termine bekanntgegeben.
Starke Nachfrage
nach Onlinekursen
„Trotz der Corona-Krise wollen wir faire Bedingungen für unsere Abiturienten sicherstellen“, erklärt Kultusminister Piazolo. Wegen der Einstellung des Unterrichts bis nach den Osterferien hätten die Schüler ohne Verschiebung nicht genügend Vorbereitungszeit gehabt.
Die schriftlichen Prüfungen beginnen jetzt drei Wochen nach dem geplanten Termin: am 20. Mai mit dem Fach Deutsch. Sie enden einen guten Monat später mit den Kolloquien am 26. Juni. Aufgrund der dynamischen Entwicklungen in Sachen Corona könnten weitere Veränderungen im Ablauf der Abiturprüfungen jedoch nicht ausgeschlossen werden.
Die Gymnasien in der Region haben die neuen Termine zur Kenntnis genommen und arbeiten an ihren Plänen. „Der zeitliche Ablauf der Vorbereitungen für die Abiturprüfungen ist der gleiche, er hat sich nur um drei Wochen verschoben“, sagt Walter Baier. Er ist Schulleiter des Bruckmühler Gymnasiums und Bezirksvorsitzender der Vereinigung der Direktorinnen und Direktoren der bayerischen Gymnasien. „Entscheidend wird jedoch sein, ob die Q12 nach Ostern wieder unterrichtet werden kann.“
Die Onlinekurse, die den Schülern während des Schulausfalls angeboten werden, laufen laut Baier auf Hochtouren. „Die Lehrerschaft ist sehr engagiert dahinter, wir hoffen nur, dass die Schüler das Angebot auch annehmen.“ Aus der ganzen Situation könne man auf alle Fälle viel für die Zukunft lernen, meint der Schulleiter.
20 Kilometer weiter, im Gymnasium Raubling, gibt es ebenfalls digitalen Unterricht. „Die Abiturienten werden online intensiv betreut und über E-Mail und auf der Lernplattform mebis mit Arbeitsaufträgen versorgt“, erläutert Renate Jänninger.
Unterricht via YouTube-Videos
Die Mitarbeiterin in der Schulleitung erklärt, dass alle Kursleiter in engem Kontakt mit ihren Schülern stehen und deren absolvierte Aufgaben auch korrigieren. „Außerdem wurde eine Telefonsprechstundenliste angefertigt, um die persönliche und individuelle Beratung der Q12 sicherzustellen.“
Die Arbeitsstruktur innerhalb der Schule sei momentan sehr verändert. „Wir sind eigentlich mehr im Dienst, weil wir uns intensiv mit den Medien, mit denen wir jetzt arbeiten, befassen müssen“, so Jänninger.
Eine kreative Idee, Unterricht doch abzuhalten, hat ein Lehrer am Luitpold-Gymnasium in Wasserburg gefunden. Er filmt seine Mathestunden und stellt die Videos auf der Plattform YouTube zur Verfügung.
Direktorin Verena Grillhösl ist sich sicher: „So eine Situation wie jetzt durch Corona wird die Digitalisierung des Unterrichts massiv vorantreiben.“
Bei den Rosenheimer Abiturienten stoßen die Neuigkeiten auf Erleichterung. „Es war uns eigentlich schon klar, dass das Abitur verschoben wird, aber die Angst war vor allem, dass die Prüfungen im Herbst stattfinden“, sagt Antina Thiesen, Schülerin am Karolinen-Gymnasium. Nach der Terminverkündung sei man ein bisschen gelöster.
Bälle und Feiern werden verschoben
Die Verschiebung werfe nun aber weitere Probleme auf: „Wir wissen nicht, wie und wann der Abiturball stattfinden wird, sind aber mit der Schulleitung in Kontakt. Eigentlich gab es schon einen verbindlichen Termin. Wir hoffen jetzt auf die Kulanz der Inntalhalle, in der der Ball stattfindet.“
Am Chiemsee gibt es noch keine Detailplanungen im Hinblick auf die heiße Phase vor Beginn des Abiturs. „Die Pläne, die wir bis jetzt haben, bleiben bestehen. Wir haben ja noch drei Wochen dazugewonnen. Es kann aber auch sein, dass die Termine noch einmal verschoben werden“, wirft Rainer Hoff ein, stellvertretender Schulleiter am Ludwig-Thoma-Gymnasium in Prien.
„Wir haben auch einen starken Betrieb an Onlinekursen, die Oberstufenschüler arbeiten sehr selbstständig. Zusätzlich funktionieren die Kommunikationskanäle zwischen Lehrern und Schülern überraschend gut.“
Elisabeth Kirchner, Mutter einer Abiturientin am Priener Gymnasium, ist erleichtert. „Jetzt, wo man Gewissheit hat, kann man sich ein bisschen entspannen und mental darauf einstellen.“
Ihre Tochter Franziska sei wegen der Unsicherheit bezüglich der Prüfungstermine schon besorgt gewesen. Ein bissschen schade sei nun, dass Abiturverleihung und -ball nach hinten verschoben werden müssten. Aber, das steht auch für Kirchner fest, am wichtigsten sei, dass alle gesund bleiben. „Ich hoffe nur, dass die Bundesländer alle an einem Strang ziehen“, betont sie. „Alle Abiturienten in Deutschland sollten die gleichen Bedingungen haben.“
Der Bayerische Philologenband begrüßt das „überlegte und zeitnahe Vorgehen des Ministeriums. „Angesichts der aktuellen Lage wurde gehandelt und eine faire und verlässliche Regelung getroffen“, bekräftigt Michael Schwägerl, Vorsitzender des Verbandes.
Es spreche für die Schulfamilie aus Eltern, Lehrern, Schülern und Direktoren, dass dieser Weg zusammen beschritten werde. „In dieser Krise müssen wir alle zusammenarbeiten und das Beste aus der Situation machen“, betont er.